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Warum die Prinzessin ihre Schwestern umbringt: Marzellus Boos veröffentlicht Sachbuch über Honigbienen

(Adenau/Prüm) Der Eifeler Marzellus Boos, ehemaliger Lehrer am Regino-Gymnasium Prüm, hat ein Buch über Bienen geschrieben, das wissenschaftliche Erkenntnisse und Unterhaltung vereint. Unter anderem geht es um Mord aus niederen Beweggründen.

11.12.2016
Julia Schäbsdau
„Es ist ein Blick in eine andere Welt“, sagt Marzellus Boos. Seit ihm ein befreundeter Kollege einen Bienenstock-Ableger in den Garten gestellt hat, ist der 61-Jährige fasziniert von den Insekten. Sein erstes Sachbuch „Bienen – Die Seele des Sommers“ ist vor dem Hintergrund entstanden, dass es kein Werk gebe, das wissenschaftliche Erkenntnisse über Bienen unterhaltsam aufbereite.
Der ehemalige langjährige Lehrer des Regino-Gymnasiums Prüm wohnt inzwischen in Adenau (Landkreis Ahrweiler). Die 22 Kapitel seines Buchs tragen kreative Überschriften wie „Wenn wir rot sehen, sehen Bienen schwarz“ oder „Mit Drohnen möchte Mann nicht tauschen“. Sie handeln unter anderem von Verhaltensbiologie und Anatomie der Tiere. So beherbergt der Bienenstock ein Volk (je nach Jahreszeit zwischen 6000 und 80?000 Bienen) mit festen sozialen Strukturen. 
Das Leben in dieser Gemeinschaft stellt Boos lebendig dar. Da ist zum Beispiel die Königin, die schon vor ihrer Geburt einen bevorzugten Status genießt. Ihre sogenannte Weiselzelle ist viel größer als die Zellen, in denen das gewöhnliche Volk heranwächst.
 Die Arbeiterinnen haben die Luxuswohnungen zuvor extra für mehrere Prinzessinnen gebaut. Aber wie auch so oft bei den Menschen heißt es bei den Bienen: Es kann nur eine geben! Und die erdolcht mit ihrem Stachel ihre eigenen Schwestern, um sich den Thron zu sichern. Marzellus Boos ist fasziniert von den sozialen Strukturen im Bienenvolk: „Es ist erstaunlich, dass es jenseits des Menschen noch intelligente Wesen gibt.“
 
Aber auch die Gefahren, denen die Bienen und mit ihnen die Natur ausgesetzt sind, gehören zu den Themen des Buches. Marzellus Boos ist überzeugt: „Die Menschen müssen ihre Einstellung ändern. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir sagen können: Da geht vielleicht etwas endgültig verloren.“ Deswegen sei es ihm ein Anliegen, seinen Lesern die Bienen näherzubringen. Nur was man verstehe, dafür könne man sich auch begeistern. „Wir können nicht vergessen, was über Millionen Jahre funktioniert hat“, findet Boos.
Den Blick für die Natur habe er durch das Imkern bekommen: „Man geht mit anderen Augen raus“, beschreibt er seine Erfahrungen. Aber man müsse kein Imker sein, um etwas für die Bienen zu tun. 
Jeder, der sich bei der Gestaltung des eigenen Gartens bewusst verhalte, könne den Insekten entgegenkommen. Wichtig dabei sei, dass ihnen Blumen zur Verfügung stehen, deren Nektar sie auch erreichen können. Das sei aber nicht bei jeder Pflanze gegeben. So sollte der Bienenfreund Blumenarten meiden, die – rein für das menschliche Auge – mit geschlossener Blüte gezüchtet werden. Von denen haben nämlich die Honigbienen nichts. Der Weg zum Nektar ist versperrt.
Wer im eigenen Garten mal den Schnittlauch ausblühen oder Mutter Natur auf dem Golfrasen austoben lasse, könne das Nahrungsangebot der Bienen erweitern. Aber auch bei der Wahl der Blumen kann man ihnen entgegenkommen. Geranien zum Beispiel würden gerne gepflanzt, da sie das vermeintlich lästige Getier mit ihrem Geruch vertreiben. Das sei für die Natur allerdings kontraproduktiv.
Das Buch „Bienen – Die Seele des Sommers“ (14,99 Euro) mit 160 Seiten und 76 Abbildungen ist im Mellonia-Verlag erschienen. Interessierte können es auf www.mellonia.de bestellen oder im Buchhandel kaufen.