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Breitband-Initiative in Newel: Schnelles Internet immer noch Wunschdenken

Breitband-Anschluss: Bürger fordern Gemeinde Newel zum Handeln auf - Planungsbüro soll Bedarf ermitteln

(Newel/Igel) Endlich schnelles Internet - das fordert die "Breitbandinitiative Newel". Sie hat mehr als 100 Unterschriften von unzufriedenen Bürgern gesammelt. Die Initiative macht Druck beim Gemeinderat, hat aber auch ihre Hilfe bei der Lösung des Problems angeboten.

29.06.2012
Albert Follmann
Newel/Igel. Die Dörfer ringsherum sind bestens versorgt, nur in Newel mit seinen Ortsteilen Butzweiler, Beßlich und Lorich ist das moderne Internet-Zeitalter noch nicht angebrochen. Das wollen Marc Salm und seine Mitstreiter von der Interessengemeinschaft (IG) "Breitbandversorgung Newel" ändern. Sie fordern einen leistungsfähigen, kabelgebundenen Anschluss mit einer Übertragungsrate von mindestens 16 Megabit pro Sekunde - so wie in Trierweiler und Kordel. In Beßlich und Newel gebe es zwar Angebote von Funkanbietern, sagt Salm, das seien aber nur Brückenlösungen.
Das sehen viele Neweler genauso. Mehr als 100 Bürger haben ihr Interesse an DSL mit ihrer Unterschrift auf einem Flyer bekundet, den die IG (Forum: wir.neweler.de) an die Haushalte verteilt hat. Eine Facebook-Gruppe (breitband.neweler.de ) weist innerhalb kurzer Zeit 160 Sympathisanten auf. Die fehlende Breitband-Infrastruktur bringe der Gemeinde Newel viele Nachteile, meint die IG: Bürger sind von Heimarbeit mittels Computer ausgeschlossen, Schüler und Studenten von Recherche für Hausaufgaben und Studium, ganz zu schweigen von Möglichkeiten, die Online- und Videoplattformen sowie Internet-Telefonie bieten. Laut IG-Mitglied Markus Opp sind auch schon die Immobilien- und Grundstückspreise im Ort gesunken, Wohnungen stünden leer. "Ohne DSL siedeln sich hier auch keine Luxemburger an." Die IG macht die Gemeinde für das DSL-Desaster mit verantwortlich. Das Bedarfsermittlungsverfahren von 2010 sei im Sande verlaufen, ein Förderantrag bei der Trierer Behörde (ADD) noch nicht gestellt, und dem Rat seien 70 000 Euro für eine Friedhofsmauer offenbar eine wichtigere Investition als die DSL-Versorgung. Dennoch will die IG nicht auf Konfrontationskurs gehen: "Wir haben der Gemeinde unsere konstruktive Mithilfe angeboten", sagt Salm. Viele Bürger seien auch bereit, Geld dazuzugeben, wenn es nur endlich einmal klappen würde.
Am 11. Juli will der Neweler Gemeinderat ein Büro beauftragen, die Förderunterlagen für die ADD zusammenzustellen. Dazu gehört auch eine Bedarfsermittlung (privat und gewerblich) sowie eine Dokumentation des Ist-Zustandes. Und hier könnten die Funklösungen kontraproduktiv sein, denn ab einer Gewährleistung von zwei Megabit gilt ein Raum als versorgt. Wie Bauamtsleiter Werner Monzel von der VG-Verwaltung Trier-Land mitteilt, ist noch Geld in den Fördertöpfen. Es gebe allerdings nur noch maximal 65 Prozent Landesförderung (früher 90 Prozent), und der Höchstbetrag sei auf 130 000 Euro gedeckelt worden. Für die Gemeinde Igel, neben Newel der zweite weiße Fleck auf Trier-Lands Internet-Karte, laufe eine Fördervoranfrage bei der ADD. Die VG Schweich hat fast flächendeckend DSL, in der VG Ruwer sollen 2016 alle Orte versorgt sein (siehe Extra).
Newels Ortsbürgermeister Matthias Mohn sieht Handlungsbedarf ("Die Leute fragen nach dem Internet"), er weiß aber nicht, wie das Glasfaser-Paket für Newel finanziell gestemmt werden kann. "Im Haushalt haben wir keine Luft, nach dem Förderantrag sehen wir weiter."
Extra
Verbandsgemeinde Schweich: Seit dem Frühjahr ist die Verbandsgemeinde fast komplett mit DSL versorgt. Weiße Flecken gibt es nur noch in Föhren und Naurath. Die Mosel ist abgedeckt, nachdem auch für Trittenheim eine kabelgebundene Lösung gefunden wurde. Der saarländische Anbieter Inexio schließt den Moselort von der anderen Flussseite aus an. Verlegt wird das Glasfaserkabel unter der Brücke hindurch. Verbandsgemeinde Ruwer: Noch in diesem Sommer sollen Farschweiler, Herl, Lorscheid, Osburg und Thomm ans schnelle Datennetz angeschlossen werden. RWE und Vodafone bauen gemeinsam das Netz aus. In weiteren 15 Gemeinden soll es im Jahr 2016 so weit sein. Angestrebt wird eine Übertragungsrate von mindestens sechs Megabit pro Sekunde. alf

 

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