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Der Wilde Westen fängt in Pluwig an

Sommerfestival der Karl-May-Freunde mit Trapperlager und Pferdetheater

(Pluwig) Wer kennt sie nicht: Winnetou, Old Shatterhand und Old Surehand - die faszinierenden Helden aus Karl Mays Abenteuerromanen. Während des zweitägigen Festivals auf der Festspielbühne am alten Pluwiger Steinbruch ist ihre spannende Zeit lebendig geworden.

18.07.2016
Silke Jessen
Pluwig. Winnetou alias Reinhold Schomer flaniert über das wild-romantisch gelegene Festspielgelände bei Pluwig, bleibt immer mal wieder stehen, posiert und richtet das Wort an die vielen neugierigen kleinen Gäste. Sie lauschen respektvoll und gebannt den Worten des berühmten Häuptlings der Apachen. Und so manch ein Schnappschuss landet im Kasten beim Sommerfestival der Karl-May-Freunde.

Trapperlager beim Westerndorf


Reinhold Schomer, der seine Rolle mit Leib und Seele spielt, ist für die vielen Kinder ein Held zum Anfassen. Gleich nebenan basteln Kids bei Squaws indianischen Perlenschmuck oder Traumfänger. Weiter unterhalb hinter dem Westerndorf am idyllisch gelegenen Weiher haben Freunde von Sam Hawkins, dem berühmten kauzigen Trapper aus Winnetou, ihre Zelte aufgeschlagen. Im Trapperlager zeigen sich kernige Typen mit langen Bärten und speckigen Hirschlederhosen auch von ihrer sanften Seite und singen zu Gitarre und Mundharmonika romantische Western-Lieder wie "My rifle, my pony and me."
Die urigen Trapper Joe (Joachim Klein, 58 Jahre) und Schnulli (Jörg Schulze, 51 Jahre) sind Pelztierjäger und Fallensteller aus Abenteuerlust und Leidenschaft. Vor ihren Zelten hängen Jagdtrophäen: Fuchsfelle, Biberschwänze, Hasen- und Kojotenfelle. Joe ist seit 30 Jahren vom Trapper-Virus infiziert und hat schon mit einem Freund in Kanada Fallen gestellt. Gegen Tierfelle hat der "squaw-man" seine Frau, eine Indianerin, eingetauscht.
Joe und Schnulli bauen mit Kindern Pelztierfallen aus vier lose aufeinander gesetzten Hölzern. "Wenn ein Marder den Köder frisst, dann fällt der obere Ast runter und der Marder ist erledigt", erklärt Joe. Mit Feuereifer probieren sich einige Jungs im Feuermachen mit Zunder, Feuerstein und dem Strike, dem Feuereisen. Andere bestaunen bei Frank Geib, einem Colonel aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die "Charleville", eine ungeheuer lange französische Muskete.
Am Mittag gibt es Pferdetheater mal lyrisch poetisch, mal mit lautem Geknall: Conny Faißt, Erzähler und Regisseur, verrät den vielen Zuschauern, worum es geht: "Wir erzählen die Geschichte, wie die Pferde nach Amerika gekommen sind." Winnetou reitet dabei stets an seiner Seite. "Die Spanier brachten Pferde im 16. Jahrhundert mit auf den neuen Kontinent. Anfangs waren die Indianer misstrauisch und dachten, Pferde seien Götter. Später raubten sie den weißen Männern die nützlichen Tiere und auch so manches verwilderte Pferd kam in ihren Besitz", erläutert Conny Faißt. Die kleinen und großen Zuschauer sind begeistert von dieser außergewöhnlichen Darbietung.
Und wie kommt der Wilde Westen samt Trapperlager und Pferdetheater nach Pluwig? Das tolle Programm haben die Karl-May-Freunde auf die Beine gestellt. Der 280 Mitglieder zählende Verein bringt alle zwei Jahre ein Stück von Karl May auf die Freilichtbühne. Nachdem im letzten Jahr "Der Ölprinz" rund 14 000 Zuschauer begeisterte, findet das Sommerfestival im Rahmen des Pluwiger Sommers im Pausenjahr statt.
"Welches Stück 2017 zur Aufführung kommt, ist noch ein streng gehütetes Geheimnis, das erst Anfang September gelüftet wird", sagt Edwin Christen, 1. Vorsitzender des Vereins.