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Investor will Ehranger Villa retten und Märkte bauen

Neues Angebot soll Kunden auch aus dem Umland nach Ehrang locken - Gebäude unter Denkmalschutz

(Trier-Ehrang/Kordel) Für fünf bis zehn Millionen Euro will eine Projektgesellschaft an der B 422 in Trier-Ehrang Gebäude für Einzelhandel, Dienstleistung und Wohnen schaffen. Zum Einzugsgebiet rechnet der Investor auch Gemeinden wie Kordel und Zemmer.

11.01.2016
Marcus Hormes
Die ehemalige Villa Seifer auf dem Mühlengelände in Ehrang gehört zu den prägenden Häusern des Stadtteils. Drei Vollgeschosse, wuchtige Architektur, hohe Räume, einst üppige Innenausstattung mit Stuckdecken und aufwendigen Holzverkleidungen. Baujahr: um 1900 (Jugendstil). Doch wer die Türschwelle überschreitet, sieht überall Verwüstungen.

Während des jahrelangen Leerstands haben Eindringlinge offenbar teils aus Profitgier, teils aus schierer Zerstörungswut schlimme Spuren hinterlassen. Sie rissen Leitungen aus den Wänden und trennten Armaturen der Heizungen und Sanitäranlagen ab, um Messing- und Kupferteile zu Geld zu machen. Zertrümmerte Badewannen und Fensterbänke, eine abgerissene Brüstung: Nichts blieb ganz. Durch das demolierte Schieferdach und wegen gestohlener Regenrohre drang Wasser ein und zerstörte Decken und Putz.

Zugänge inzwischen gesichert


Die zu diesem Zweck gegründete B-S-K Verwaltungs-GmbH aus Pirmasens hat das Mühlengelände samt Villa von der Stadt Trier gekauft (der TV berichtete am 1. Dezember). Die fünf Gesellschafter wollen dort Märkte bauen beziehungsweise die Villa instand setzen und vermieten. Ein Sprecher der neuen Eigentümer sagt: "Die Stadt Trier war bemüht, den Schaden zu reduzieren, hat das Dach reparieren und neue Fallrohre anbringen lassen."

Die neuen Hausherren sicherten die aufgebrochenen Zugänge und kümmern sich um eine Überwachung: "Die Innenarbeiten können dann geplant und ausgeführt werden, wenn Mieter gefunden sind und deren Anforderungen feststehen." Es geht um insgesamt 660 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Geschossen.

1500 Quadratmeter Verkauf


Die Villa steht mitten auf einem Grundstück von insgesamt einem Hektar. Wenn Details mit der Stadt geklärt sind, will B-S-K einen ersten Bauantrag einreichen. Konkret geht es um einen Vollsortiment-Supermarkt mit 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche auf der Seite zur Kyllstraße hin. Im Obergeschoss sollen Gewerbe- und Wohnflächen entstehen.

Auf der anderen Seite der Villa will die Gesellschaft später ein Gebäude mit 800 Quadratmetern Nutzfläche für verschiedene Branchen errichten. "Denkbar sind zum Beispiel Drogerie, Heimtextilien, Tiernahrung, Bank, Apotheke, Optik, Post, Versicherung oder Praxis", heißt es in einer Projektbeschreibung. Vorgesehen sind 120 gemeinsame Parkplätze auf dem gesamten Gelände. Die Höhe der Gesamtinvestition (fünf bis zehn Millionen Euro) hängt davon ab, welche Teilprojekte tatsächlich umgesetzt werden.

Baubeginn für das Hauptgebäude soll in der zweiten Jahreshälfte 2016 sein, Eröffnung im Lauf des Jahres 2017. Mit der weiteren Vermietung der Flächen wird eine Maklerfirma beauftragt. Während des laufenden Neubaus der benachbarten Kyllbrücke gilt noch eine Umleitung mit Ampelregelung. Doch von der Lage direkt an der neuen Trasse der B 422 verspricht sich B-S-K ein großes Einzugsgebiet auch aus Umlandgemeinden wie Kordel und Zemmer.

Ortsvorsteher Thiébaut Puel begrüßt die Pläne ausdrücklich: "Für Ehrang ist das eine sehr positive Sache, weil uns solche Angebote bisher fehlen. Deshalb haben wir seit vielen Jahren dafür gekämpft. Die Fläche liegt zentral, wird ein Magnet für die Bürger und kann auch Kunden in andere Geschäfte etwa in der Kyllstraße ziehen."

Die Zukunft der zweiten, ebenfalls leerstehenden und beschädigten Villa auf der anderen Seite der B 422 ist ungewiss. Sie befindet sich in Privatbesitz.
Extra
Herr Reiland, was halten Sie von der Planung in Trier-Ehrang? Könnte eine solche Nutzung mit Märkten und eventuell Praxen auch eine Bereicherung für die Bewohner der Gemeinden im Umland sein? Wolfgang Reiland, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land: "Ich sehe in der Errichtung eines Verbrauchermarktes im Mühlengelände in Ehrang und der Verlagerung von ärztlichen Praxen in diesen Bereich vor allem eine Verbesserung der Nahversorgungssituation im näheren Umfeld. Einen nennenswerten Einfluss auf unsere angrenzenden Ortsgemeinden kann ich nicht erkennen. Kordel verfügt über eine gute Nahversorgung, unter anderem wurde dort vor zwei Jahren ein neuer Einzelhandelsmarkt eröffnet. Für die Ortsgemeinde Zemmer wurde in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung der Bau eines neuen Verbrauchermarktes vorgestellt. Der Baubeginn ist für dieses Jahr vorgesehen." 

 

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