region/trierland
24.10.2016
Marion Maier

Jetzt geht es um die Zukunft der Klinik

(Saarburg/Trier) Am heutigen Montag beginnt die offizielle Diskussion um die Zukunft des Kreiskrankenhauses in Saarburg. Die Gesellschafterversammlung setzt sich mit den verschiedenen Szenarien auseinander - vom Schließen des Hauses bis zum Ausbau mit dem Schwerpunkt Altersmedizin.

Saarburg/Trier. Bislang gab es nur vereinzelte Aktionen oder Absichtserklärungen, die darauf hindeuteten, dass sich im Saarburger St.-Franziskus-Krankenhaus etwas ändern soll. Nun wird die Sache konkret. Am heutigen Montag, 18 Uhr, trifft sich die Gesellschafterversammlung des Kreiskrankenhauses und diskutiert über die Zukunft der Klinik. Praktischerweise trifft sich die Versammlung gleich nach der Kreistagssitzung, bei der es unter anderem um die Teilnahme des Landkreises Trier-Saarburg am Naturschutzgroßprojekt "Bänder des Lebens" geht. Denn die Mitglieder des Kreistags sind auch die Mitglieder der Gesellschafterversammlung.
Laut TV-Informationen werden alle Möglichkeiten beleuchtet. Dazu gehören der Verkauf an einen privaten Betreiber, ein Zusammenschluss mit anderen Häusern, eine Fortführung des derzeitigen Status oder eben auch ein Ausbau insbesondere des Bereiches Altersmedizin. Letzterer wird vermutlich Millionen kosten.

Altersmedizin als Schwerpunkt


Da die konkrete Diskussion nun erst beginnt und laut TV-Informationen noch nicht alle Zahlen auf dem Tisch liegen, wird es wohl auch so schnell keine Entscheidung geben. Dass die Zeichen in Richtung Schwerpunkt Altersmedizin weisen, ist deutlich. So hatten die Verantwortlichen bereits im Mai 2015 zum Frühjahrsempfang der Klinik den Gesundheitsexperten Dr. Achim Jockwig eingeladen, der empfahl, eine Fachabteilung Altersmedizin aufzubauen und das Haus zu einem Gesundheitszentrum zu entwickeln. Damals versprach Landrat Günther Schartz, diesen Prozess zu unterstützen (TV vom 25. Mai).
Kürzlich informierte das Führungsteam des Saarburger Krankenhauses und des dazugehörigen Seniorenzentrums die Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg bei einer Besprechung in der Klinik über "die weiteren Ausbaupläne". In der Pressemitteilung von Freitag heißt es: "Dabei wurde insbesondere die Bedeutung weiterer Angebote im Bereich der Altersmedizin herausgestellt. Für die Region seien eine geriatrische Abteilung im Krankenhaus, ein Erweiterungsbau des Seniorenzentrums sowie ein Angebot für betreutes Wohnen dringend notwendig. Pläne in diesen Bereichen bestehen bereits." Die Ortschefs hätten sich für die Weiterentwicklung der Einrichtung ausgesprochen, heißt es weiter. Das tut aktuell auch der Landrat, und zwar im neuen Imagefilm des Krankenhauses, der den Ortschefs laut der Pressemitteilung bei ihrer Besprechung in der Klinik auch gezeigt wurde (siehe Extra).

Hoher Zuschussbedarf


Allerdings entscheiden nicht die Ortsbürgermeister darüber, wie es mit der Klinik weitergeht. Auch der Landrat hat nicht allein das Sagen. Die Gesellschafterversammlung, sprich die Kreistagsmitglieder, die heute nicht-öffentlich zusammenkommen, werden entscheiden. Dass sie sich letztendlich für einen Kurswechsel - in welche Richtung auch immer - aussprechen, scheint sicher. Denn ein "Weiter so" scheint wenig attraktiv zu sein.
In den vergangenen Jahren musste der Landkreis Trier-Saarburg immer wieder tief in die Taschen greifen, um das Defizit der Klinik mit 600 Mitarbeitern und 210 Betten auszugleichen. 1,3 Millionen Euro zahlte er für 2015, für das Vorjahr waren es 1,76 Millionen Euro.
Ende 2015 erhielt die Krankenhaus GmbH einen neuen Geschäftsführer. Sein Name: Arist Hartjes. Sein Auftrag: die wirtschaftliche Situation des Hauses verbessern.
Meinung
Ein Film zur Unzeit

Verständlich, dass der Landrat das Kreiskrankenhaus erhalten will. Der Kreis ist ohnehin per Gesetz verpflichtet, die Krankenhausversorgung in der Fläche zu gewährleisten und müsste, selbst wenn er die Aufgabe jemand anderen überträgt, für die Grund- und Regelversorgung aufkommen. Mag auch sein, dass der Erhalt des Hauses zwangsläufig damit einhergehen muss, dass man es weiterentwickelt. Allerdings erscheint es unklug, ja undemokratisch, einen Imagefilm zu drehen und darin die Weiterentwicklung zu versprechen, just kurz bevor das dafür legitimierte Gremium darüber entscheidet. Sagt es am Ende Nein zur Weiterentwicklung und spricht sich für einen Verkauf aus, passt der Film gar nicht mehr, und das Geld für ihn war glatt rausgeschmissen. m.maier@volksfreund.de
Extra
Das St.-Franziskus-Krankenhaus Saarburg zeigt einen neuen Imagefilm auf seiner Homepage (siehe volksfreund.de). Mit einschmeichelnder Klaviermusik und schönen Landschaftsbildern garniert wird darin die Zukunft der Einrichtung beschworen. So sagt der Sprecher: "Und wir werden das Leistungsangebot im Hinblick auf den demografischen Wandel und den sich verändernden Versorgungsbedarf ausrichten." Und Landrat Günther Schartz meint: "Vor dem Hintergrund des medizinischen Fortschritts in Wissenschaft und Technik sowie der sich verändernden Nachfrage nach medizinischen Leitungen werden wir dafür sorgen, dass sich das Kreiskrankenhaus St. Franziskus Saarburg immer weiter entwickelt." Dass ein demokratisches Gremium zunächst der Weiterentwicklung zustimmen muss, wird nicht gesagt. mai