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Nach Insolvenz: Senioren-Wohngemeinschaft Villa Mentis in Schweich gerettet

Firmen verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen – Zukunft noch ungewiss

(Schweich/Trier) Die Senioren-Wohnanlage Villa Mentis in Schweich kann fertiggebaut werden. Das hat Insolvenzverwalterin Christine Frosch (Trier) bekannt gegeben. Die am Bau der 45 barrierefreien Eigentumswohnungen beteiligten Handwerksfirmen machen weiter, aber sie zahlen einen hohen Preis.

21.01.2016
Albert Follmann
Fast ein halbes Jahr hat die Trierer Rechtsanwältin Christine Frosch mit Handwerkern, Wohnungskäufern und Bänkern verhandelt, hat Ortstermine abgehalten und zu Infoveranstaltungen geladen. Nun verkündet die Insolvenzverwalterin einen Erfolg: Es gebe ein „tragbares Konzept“ für die Fertigstellung des Wohnkonzepts Villa Mentis in Schweich. Im Sommer 2016 sollen die Arbeiten an allen 45 Wohnungen beendet sein. 

Etwa die Hälfte der 47 bis 109 Quadratmeter großen Wohnungen sind derzeit ausgebaut, fast alle sind verkauft. Teilweise sind die Wohnungen bezogen, andere harren noch des Innenausbaus. Einer der vier mehrstöckigen Gebäudekomplexe steht noch im Rohbau. Aus Sicherheitsgründen sind auch während der insolvenzbedingten Bauruhe Arbeiten erledigt worden. Etwa die Anbringung von Rauchmeldern und von Leuchten in der Tiefgarage und im Außenbereich.

Im Sommer 2015 hatte die Villa Mentis Wohnungsbaugenossenschaft eG einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Trier gestellt (der TV berichtete am 13. August). Ihr war das Projekt finanziell über den Kopf gewachsen. Den Firmen, die die barrierefreien Eigentumswohnungen unweit des Ermesgrabens hochzogen, schuldete die Genossenschaft fast eine Million Euro. Um die Insolvenz abzuwenden, hatte Villa Mentis-Vorstandsvorsitzender Andreas Knaf noch versucht, auf die Handwerker einzuwirken: Die Firmen sollten auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Diesen Schuldenschnitt lehnten die meisten Firmen jedoch ab, woraufhin Knaf Insolvenz anmeldete.

Nun sollen die Firmen – betroffen sind etwa zwei Dutzend Unternehmen aus Trier und dem Raum Schweich – 50 Prozent ihrer Forderungen erhalten. „Das ist zumindest ein Fortschritt gegenüber den angebotenen 30 Prozent“, meint Peter Becker von der Firma Elektrotechnik Becker aus Trier. Wenigstens sei „kein Handwerksbetrieb durch die Insolvenz mit über die Wupper gegangen“. Dennoch ist Becker sauer. Der sogenannte Sicherheitseinbehalt, den der Auftraggeber für eventuelle Gewährleistungsansprüche einbehält und nicht an die Firmen auszahlt (laut Becker rund zehn Prozent der Rechnungssumme) soll ebenfalls nur zur Hälfte ausgezahlt werden. Becker: „Dieser Betrag steht uns komplett zu, er hätte schon vor der Insolvenz ausgezahlt werden müssen. Wenn baulich alles in Ordnung sei, erhielten die Handwerker ohnehin diesen Anteil, sagt Insolvenzverwalterin Frosch. Sie hätte nach dem Insolvenzrecht neue Verträge aushandeln können, hat sich aber dafür entschieden, die alten Vereinbarungen umzusetzen. Damit es diesmal klappt, soll erfahrenes Personal ran: Mit der Projektsteuerung hat Frosch die freischaffende Architektin Vera Hesse-Thihatmar (Trier) betraut, ein Planungsbüro übernimmt die Bauleitung. 

Auch die Wohnungskäufer erklärten sich bereit, ihr Scherflein zur Rettung des Villa Mentis-Projekts beizutragen. In einer Infoveranstaltung hätten sie zugesagt, die Restkaufpreise in voller Höhe zu zahlen, berichtet die Insolvenzverwalterin. Damit bleibe auch der Gewährleistungsanspruch gewahrt. 

Was aus der geplanten Wohngemeinschaft (WG) wird, die Investor Knaf mit seiner persönlichen Gesellschaft, der Villa Mentis Wohnungsbau GmbH, in einem Nachbargebäude für acht betreuungsbedürftige Menschen umsetzen wollte, steht noch in den Sternen. Er führe Gespräche mit potenziellen Partnern, teilt Knaf mit. Auch wegen des Bistro-Cafés stehe er in Verhandlungen
Der Club Aktiv Trier, der die WG und den öffentlich zugänglichen Versammlungs- und Gastronomiebereich ursprünglich betreiben sollte, ist abgesprungen. Allerdings nehme man noch mobile Dienste im Auftrag von Bewohnern wahr, sagt Club Aktiv-Geschäftsführer Paul Haubrich. 

Auch Verhandlungen mit einem privaten Pflegedienst aus dem Raum Schweich sollen gescheitert sein. 


 

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