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Pfarrer muss Mehring verlassen

(Mehring) Rund sieben Monate lang war Klaus-Bernhard Stankowitz Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Mehring-Pölich-Ensch. Nun wird er seine Wirkungsstätte wieder verlassen. Der Grund sind wohl Probleme zwischen dem Geistlichen und Mitgliedern der Pfarrgremien.

26.03.2010
Von unserer Mitarbeiterin Katja Bernardy
Klaus-Bernhard Stankowitz (41) hatte im September 2009 die Pfarreiengemeinschaft an der Mosel übernommen und nach zehnmonatiger Vakanz die Nachfolge von Pfarrer Matthias Struth angetreten.
 
"Meine Vision von Kirche in dieser Zeit gemeinsam mit den Räten zu entwickeln ist mir offensichtlich nicht gelungen", schreibt Pfarrer Klaus-Bernhard Stankowitz in einem persönlichen Wort an die Christen im Osterpfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft. "Da die Situation so verfahren ist, werde ich zum 26. April den Weg für einen Neuanfang in den Gemeinden freimachen", heißt es weiter darin.
 
Was war vorgefallen? Der Priester wollte keine weitere Stellungnahme abgeben. "Bereits unmittelbar nach der Amtseinführung kam es zu Spannungen zwischen dem Pfarrer und dem Verwaltungs- und dem Pfarrgemeinderat in Mehring, weniger Spannungen gab es in Ensch, in Pölich gab es keine Spannungen", heißt es auf TV-Anfrage in einer Stellungnahme der Bischöflichen Pressestelle.
 

Mitglieder legen ihr Amt nieder

 Zugespitzt hatte sich die Situation wohl in den vergangenen Wochen, als der Pfarrgemeinderat Mehring bis auf drei Mitglieder und der Pfarrverwaltungsrat komplett zurückgetreten waren. In Ensch hatten drei von sieben Mitgliedern des Pfarrgemeinderats ihr Amt niedergelegt. In Pölich niemand. Auch Elisabeth Vanecek, Ex-Vorsitzende des Pfarreienrats, der sich aus je drei Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte Mehring, Pölich und Ensch zusammensetzt, hatte am 24. Februar ihr Amt niedergelegt. Gründe wollte sie gegenüber der Zeitung keine nennen. Dass der Pastor geht, bedauert sie. Walter Kaufmann, ehemaliger zweiter Vorsitzender des Mehringer Pfarrverwaltungsrates, sagt, der Rat sei "aus persönlichen Gründen" komplett zurückgetreten.
 
Ortsbürgermeister Jürgen Kollmann bedauert die Entwicklung. "Aber ich kenne bis heute keine konkreten Gründe für die Zerwürfnisse. Ich kann wirklich nichts gegen den Mann sagen", betont Kollmann. Und: "Viele Mehringer fanden seine Messen und seine Trauerbegleitung klasse", sagt Kollmann.
 
Ein älterer Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, glaubt die Gründe für die Zerwürfnisse zu kennen: "Er wollte nachmittags in der Kirche keine Dankgottesdienste mehr zu goldenen Hochzeiten feiern." Eine Katholikin aus Pölich, die ebenfalls anonym bleiben möchte, sagt: "Ich kann das Ganze nicht verstehen. Hier war er sehr gern gesehen." Das Bistum Trier habe auf verschiedenen Wegen und in vielen Gesprächen mit den Betroffenen versucht, zu vermitteln, sagte Bistumssprecher Stephan Kronenburg, aber das sei nicht gelungen.
 
Daraufhin habe die Bistumsleitung Pfarrer Stankowitz um seinen Amtsverzicht gebeten. Kronenburg: "Dem hat er zugestimmt und wird nun Ende April sein Amt als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Mehring-Pölich-Ensch abgeben."
 
Die Gläubigen hatte Stankowitz darüber jüngst in den Gottesdiensten informiert. "Welche Aufgaben der Priester übernehmen wird, steht noch nicht fest", teilt Kronenburg mit. Ebenso sei noch unklar, wie die Zeit der Vakanz in der Pfarreiengemeinschaft gestaltet werde. Der Bistumssprecher kündigte an, dass die Stelle ausgeschrieben werde.
 
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass in Mehring in der Kirche der Haussegen schiefhängt. Vor rund elf Jahren hatte ein heftiger Streit um einen Küster die Moselgemeinde entzweit.
 

 
Meinung: Geschlossene Rollläden
Der Pfarrer muss gehen, weil er nachmittags keine Dankgottesdienste zu goldenen Hochzeiten feiern wollte - wer allein an diese Begründung glaubt, der wird zwar nicht selig, aber vielleicht als naiv eingestuft. Woran entfachte sich dieser Konflikt zwischen Pastor und Teilen der Pfarrgremien? Wieso klaffen die Meinungen über Pastor Klaus-Bernhard Stankowitz so weit auseinander? Die Suche nach den Hintergründen gleicht einem Stochern im Nebel. Und auf konkrete Fragen gehen bei Beteiligten wie Unbeteiligten sofort die "Rollläden runter", die Bistumsverwalter reden dezent von "Spannungen", der Betroffene selbst schweigt, und zurückgetretene Pfarrgemeinderatsmitglieder sprechen "von persönlichen Gründen", ohne auch nur einen Grund genauer anzudeuten. Sicher ist, dass die Chemie zwischen Pfarrer und Gremien nicht stimmte. Doch für den offenen Streit und das ehrliche Wort fehlt wie so oft in katholischen Institutionen wieder einmal der Mut. Stattdessen wird der Nährboden für Gerüchte und Mutmaßungen bereitet. Ein Nährboden, der Dorfgemeinschaften auf lange Zeit ins Zwielicht rücken kann. f.knopp@volksfreund.de

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