region/trierland

Vom Peedschie zur Traumschleife - Wie der Romika-Wanderweg entstand

(Gusterath/Pluwig/Lonzenburg) In den 1950er Jahren gingen viele Arbeiter zu Fuß zur Romika, der großen Schuhfabrik ins Gusterather Tälchen. Auf den einstigen Trampelpfaden dieser Arbeiter verläuft heute die Traumschleife Romika, ein wunderschöner Wanderweg im oberen Ruwertal.

10.04.2016
Silke Jessen
Gusterath/Pluwig/Lonzenburg. Christiane Mechtel ist eine begeisterte Wanderin der Romika-Schleife. Traumhaft, findet sie den elf Kilometer langen Wanderweg zwischen Gusterath, Pluwig und Lonzenburg. "Die Stromschnellen der Ruwer, das enge Kerbtal des romantischen Waldbaches oberhalb der alten Fabriksgebäude und die tollen Aussichten gefallen mir besonders gut", schwärmt sie. Sie sitze den ganzen Tag über im Büro und könne sich auf ihren Wanderungen vom Stress der Arbeitswoche erholen, sagt die Triererin.

Kein Geld für Autos und Mopeds


Dass Christiane Mechtel heute auf der Traumschleife genüsslich wandern kann, das verdankt sie vielen Arbeitern aus Gusterath und Umgebung. Diese gingen in den 1950er Jahren zu Fuß zur Arbeit. Es war kein Geld für Fahrräder, Mopeds und Autos da. So entstanden zahlreiche Trampelpfade. Und als dann die Gusterather Ruwerbrücke nach Kriegsende wieder neu gebaut und eingeweiht wurde, konnten die Männer und Frauen aus Lonzenburg und Sommerau wieder trockenen Fußes die Ruwer queren und zur "Romika" gehen.

Einer dieser Arbeiter, der 38 Jahre lang auf solch einem "Peedschi" (Pfad) durch den Wald zur Arbeit unterwegs war, ist der Gusterather Josef Nilles. Der heute 83-Jährige arbeitete 41 Jahre lang in der Romika-Fabrik. Er erzählt: "Es war 1951 und ich arbeitete damals in der Landwirtschaft. Der Meister des Walzwerkes fragte meinen Patenonkel, ob er denn nicht mal das Jüppschie mitbringen könnte." Der junge Josef Nilles, liebevoll Jüppschie genannt, ging mit, stellte sich vor und blieb der Romika 41 Jahre treu. 27 Jahre produzierte er im Walzwerk Gummisohlen für die Schuhe. "Die Luft roch stark nach Gummi", erzählt Nilles. Nach anstrengenden Schichten im Walzwerk musste er den Berg wieder rauf nach Gusterath. "Morgens sind wir meistens in Gruppen von acht bis zwölf Personen das Peedschi runter gegangen, auch bei Regen und Schnee."

Nilles erinnert sich schmunzelnd an einen besonders harten Winter mit viel Eis. "Da haben wir uns einfach auf unseren Hosenboden gesetzt und sind auf dem Popo ins Tal gerutscht." Wenn Frühschicht war, die um 6 Uhr begann, hätten oftmals die jungen Mädchen aus der Stepperei bei ihm geklingelt und ihn aus dem Bett geholt, berichtet der 83-Jährige. "Die Frauen hatten Angst, alleine durch den dunklen Wald zu gehen, also eskortierte ich sie auf dem Weg", erinnert sich Nilles nicht ohne Stolz.

Er erzählt, dass einige Arbeiter sogar zu Fuß aus Pellingen, Kernscheid, Franzenheim und Pluwig zur Romika kamen. Von der Firmenleitung hätten sie kostenlose Testschuhe bekommen. "Nach zwei Wochen wurden die Treter dann auf Löcher in den Sohlen und nach beschädigten Stellen geprüft. Hatten die Sohlen den Härtetest nicht bestanden, erhielten die Probanden ein neues Paar zum Testen. So war das mit der Qualitätskontrolle per pedes."

38 Jahre ist "Jüppschie" zu Fuß zur Arbeit gegangen. Bei Regen, Sturm, Schnee und Eis. In der Stille des Waldes konnten sich seine Ohren vom Lärm der Maschinen im Walzwerk erholen. Seine Lungen atmeten nach acht Stunden Gummigestank wieder frische Luft.
Dass sein "Peedschi" heute Traumschleife heißt und Wanderer wie Christiane Mechtel dort gerne unterwegs sind, das macht Nilles sehr stolz.

 

Empfehlungen

Kommentare