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Zurück in ein Familienunternehmen

(Trier/Hagen) Der Nürnberger Modehändler Wöhrl übernimmt die Hagener Modekette SinnLeffers, die auch in Trier eine Filiale mit 80 Mitarbeitern an zwei Standorten hat. Vor Ort wird die Übernahme positiv gesehen. Zum Kaufpreis gab es keine Angaben.
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Trier/Hagen. Die Abteilungsleiter müssen am Freitagnachmittag ran. Während SinnLeffers-Geschäftsführer Michael Cornelius und Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Werner die Mitarbeiter in Gruppengesprächen über die Nachrichten aus der Hagener Unternehmenszentrale informieren, übernehmen die Abteilungsleiter den Verkauf auf der Fläche. Ein großes Modehaus mit zwei Standorten in der Trierer City (Fahrstraße und Brotstraße) lässt sich für eine Betriebsversammlung eben nicht einfach mal eine Stunde dichtmachen. Zu verkünden gibt es den Inhaberwechsel bei SinnLeffers.

Erfolgreich saniert


Die Unternehmensgruppe Wöhrl übernimmt von der Deutschen Industrie Holding (DIH) die Gesellschaftsanteile an SinnLeffers. Die DIH, ein Beteiligungsunternehmen, hatte SinnLeffers 2005 von der KarstadtQuelle AG als Sanierungsfall erworben, 2008 eine Planinsolvenz angemeldet und die Zahl der Filialen und Mitarbeiter deutlich verkleinert.
Der Umsatz an den 22 Standorten liegt nach Unternehmensangaben bei rund 300 Millionen Euro, beschäftigt sind bei SinnLeffers rund 2000 Mitarbeiter. SinnLeffers arbeite profitabel, sagte Aufsichtsratschef Patrick Feller am Freitag, Zahlen nannte er aber nicht. Entstanden war die Modehauskette 1997 durch die Fusion der Traditionsmodehäuser Sinn und Leffers in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen.
Nun also - falls das Kartellamt zustimmt - wieder die Rückkehr in ein Familienunternehmen, die Wöhrl-Gruppe (siehe Extra) - das ist es, was den Trierer Betriebsratsvorsitzenden positiv stimmt: "Das ist immer besser als in einem Konzern", sagt Karl-Heinz Werner dem TV. "Die Stimmung ist gut, die Nachricht wird positiv aufgenommen."
Auch Michael Cornelius spricht von einer "guten Nachricht". Das Wort "Übernahme" vermeidet der Trierer Geschäftsführer, er spricht lieber von "zwei Partnern, die die gleiche Strategie verfolgen". SinnLeffers gehe gestärkt hervor. "Wir bleiben SinnLeffers, weil wir eine starke Marke an unseren Standorten sind", sagt Cornelius. In Trier sind 80 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro erwirtschaften. Tatsächlich sagt auch Senior-Unternehmenschef Gerhard Wöhrl am Freitag bei der Pressekonferenz in Hagen zu, dass beide Marken und sämtliche Standorte erhalten bleiben sollten. Wöhrl erweitere mit dem Kauf seine regionale Reichweite deutlich, die beiden Ketten ergänzten sich nahezu ideal. Die Übernahme bringe Vorteile bei Einkauf, Marketing und Kundenansprache, sagt SinnLeffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide. Wöhrl sei als langfristig ausgerichtetes Familienunternehmen ein "gutes Zuhause".
Extra
Das Nürnberger Familienunternehmen Rudolf Wöhrl AG erzielte nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2010/11 mit 2400 Mitarbeitern an 38 Standorten einen Umsatz von 346 Millionen Euro. Wöhrl betreibt Modehäuser in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit der Übernahme von SinnLeffers entsteht ein Handelsunternehmen mit 60 Modehäusern, mehr als 4000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 600 Millionen Euro. mic


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