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Mehr als eine Glaubensfrage: Kirche in Wittlich vermietet nicht an die AfD

(Wittlich) Die Kirche lässt die AfD draußen stehen und will ihr Jugendheim St. Bernhard nicht an die Partei vermieten. Das passt der AfD nicht. Deren Kreisvorsitzende schreibt einen offenen Brief. Aber an der Entscheidung ändert sich nichts.

16.05.2017

 Auf elektronischem Weg geht’s schnell: So ist auch bei der Pfarrei St. Markus und lokalen Medien wie dem Trierischen Volksfreund ein sogenannter offener Brief der AfD eingegangen. Inhalt der E-Mail: eine Art Protest gegen eine Entscheidung des Hausherren, wen er im katholischen Jugendheim St. Bernhard beherbergen will: die AfD jedenfalls nicht. Und das versteht die Partei nicht, weshalb die Mail verschickt wurde.

Die AfD-Kreisvorsitzende Brigitte Hoffmann zitiert in ihrem offenen Brief zunächst als gefettete Schlagzeile die Bibel in Form eines der Zehn Gebote „Du  sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. 

Darunter kommt die Anrede namentlich an Gerhard Heiseler vom kirchlichen Verwaltungsrat und die Feststellung, das „Ersuchen des AfD-Kreisverbands Bernkastel-Wittlich, den Saal im Jugendheim St. Bernhard im Auftrag unserer rheinland-pfälzischen Landtagsfraktion anzumieten, wurde uns mit den Worten abgelehnt: ,Als kirchliche Institution werde man nicht an eine Partei namens AfD vermieten.’“ 

Das versteht die Schreiberin nicht und fragt: „Welches krude Bild haben diese von der AfD?“ Sie will dazu aufklären und listet deshalb Internetlinks, von denen sie verspricht: „Dort werden Sie nichts finden, was ihr negatives Bild und ausgrenzendes Verhalten rechtfertigen könnte.“ Man fragt sich, warum man eigentlich so etwas finden solle? Die Post ist jedenfalls angekommen. 

Und Gerhard Heiseler bestätigt, dass der Verwaltungsrat sich gegen die AfD entschieden habe. Er sagt auf TV-Nachfrage auch, das sei das erste Mal, dass man jemanden offiziell abgelehnt habe: „Wir haben ja auch relativ wenige neue Anfragen für den Saal. Die CDU kommt immer, der Bauernverband, und  Karneval wird im Jugendheim gefeiert.“ Man  sei allerdings „sehr verwundert“ gewesen, dass die AfD überhaupt bei einer offiziellen kirchlichen Institution nachgefragt habe, immerhin habe bei deren Bundesparteitag kurz zuvor in Köln teils die Aufforderung zur Debatte gestanden, man solle aus der Kirche austreten. Zudem, so argumentiert er, stimme man, was Kirche, Glaube und etwa Flüchtlingsarbeit anginge, „nicht ganz überein“. 

Gerhard Heiseler sagt abschließend. „Ich hatte mit Frau Hoffmann damals ein nettes Gespräch, aber wir sind gegensätzlicher Auffassung. Sie hat wegen der Absage auch damals bereits angekündigt, einen offenen Brief zu schreiben. Aber ich denke, darauf wird keine Reaktion erwartet.“ 

Was das, wie der AfD-Brief anklingen lassen will, mit den Zehn Geboten zu tun hat, bleibt ungeklärt. Eins immerhin hat Brigitte Hoffmann laut ihrem Schreiben noch zu sagen: „Uns ist nicht bekannt, dass eine Vermietung der Räumlichkeiten an politische Parteien von Ihnen generell ausgeschlossen wird.“ Das hat auch niemand behauptet. Allerdings habe man schon früh in anderer Sache im Verwaltungsrat entschieden, so Heiseler: „ Wir haben mal beschlossen: An die NPD vermieten wir selbstverständlich nicht.“ Das gilt nun eben auch für die AfD. Hoffmann nennt das „willkürliche Ausgrenzungen“, die sie „nicht mehr unwidersprochen hinnehmen“ wolle.