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Trügerisches Idyll: Noch mehr belastete Teiche

Umweltschäden durch Airbase größer als gedacht - Angler sorgen sich um ihre Gesundheit und ihre Vereine

(Binsfeld/Spangdahlem) Neue Messergebnisse zeigen, dass das Umweltproblem, das die Airbase Spangdahlem ihrem Umland bereitet, noch größer ist, als gedacht. Selbst in vermeintlich sicherem Abstand gelegene Angelteiche sind so stark mit perfluorierten Tensiden (PFT) belastet, dass nun schon der zweite Binsfelder Angelverein um seine Zukunft fürchtet.

03.02.2015
Katharina Hammermann
Binsfeld/Spangdahlem. Eine Eisschicht hat sich über die Teiche gelegt und die Forellen, Karpfen und Barsche unter sich eingeschlossen. Draußen treibt der Wind Schneeflocken über einsame Picknickbänke und die sanft geschwungenen, mit Kiefern bewachsenen Ufer der ehemaligen Tongruben bei Binsfeld. Mit sich bringt er Lärm von der Airbase, deren Flutlichtanlagen sich in der Ferne gegen den wintergrauen Himmel abzeichnen. Was ist von der Airbase sonst noch bis zu diesen Teichen gelangt?
Neueste Messergebnisse zeigen, dass das "Märchen" in unmittelbarer Nähe zum US-Stützpunkt nicht der einzige Teich bei Binsfeld ist, der zu stark mit perfluorierten Tensiden belastet ist. Auch der mehrere Kilometer entfernte Angelteich in der Kaas enthält so hohe Konzentrationen der als krebserregend geltenden Stoffe, dass die Fische unter dem Eis wohl nicht mehr fürchten müssen, in der Pfanne zu landen.

Ergebnis überrascht


500 Nanogramm der Tenside pro Liter hat die zuständige Wasserbehörde dort nachgewiesen. Ein Zehnfaches dessen, was Gewässer laut aktuellem PFT-Richtwert enthalten sollten. Und ein 765-faches der ab 2018 geltenden, sehr strengen Umweltqualitätsnorm. Kleinere Teiche ringsum enthalten rund 50 Nanogramm PFT/Liter.
"Das Ergebnis hat uns überrascht", sagt Joachim Gerke, Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft bei der Struktur und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord). Erschreckt hat es die Betroffenen vom Angel Sport Club (ASC) Binsfeld. Wie Gerke waren sie davon ausgegangen, dass so weit entfernt vom Airbase-Zaun keine Gefahr mehr bestehe. Denn einen Zulauf hat der Teich nicht. Womöglich gab es jedoch früher einen. Wie die Tenside, deren Ursprung in PFT-haltigen Löschschäumen vermutet wird, in den Kaas-Weiher kamen, bleibt vorerst ein Rätsel.
"Das ist bitter", sagt der Vereinsvorsitzende Günter Kröschel. Steht sein ASC nun doch genau wie der Angelsportverein Salmfischer, dessen Revier das Märchen war, vor der Frage, wie die Zukunft aussieht. Und ob es für den Binsfelder Angelsport überhaupt eine gibt.
Zunächst allerdings will der Verein die Fische in seinen fünf Teichen auf PFT untersuchen lassen. Im "Märchen" hatten die Analysen gezeigt, dass die Tiere ein Vielfaches des von der EU empfohlenen Wertes enthalten. Obwohl das Ergebnis noch aussteht, empfiehlt Kröschel seinen Vereinsfreunden, vorerst auf Räucherforelle und Karpfen blau zu verzichten. Einige Mitglieder haben ihren tiefgekühlten Fisch bereits entsorgt.
Gewässerwart Mike Gansen ist sauer, dass es so lange gedauert hat, bis die Ergebnisse vorlagen. Bereits im April habe er Messungen beantragt. "Wenn wir das früher gewusst hätten…", sagt er im Hinblick auf das traditionelle Vatertagsangeln, bei dem nicht nur Mitglieder, sondern auch Gäste aus umliegenden Orten Fische geangelt und später gegessen haben.

Beilinger Brunnen im Fokus


Aber warum so lange? Nach Auskunft Gerkes werden nur Proben mit hoher Priorität - wie jene vom Beilinger Trinkwasser - von externen Laboren untersucht. Die übrigen würden kostengünstig von einem Landeslabor bearbeitet. Und das dauert.
"Ich mache mir schon Gedanken um meine Gesundheit", sagt Gansen, der sein Blut auf PFT untersuchen lassen will. Nicht nur wegen der Fische, sondern auch wegen des Salats aus dem Garten und wegen des Binsfelder Fleisches, das es damals aus dem großelterlichen Stall gab. Gedanken, die sich rings um die Airbase so mancher machen dürfte, seit feststeht, dass von dort aus weit Gefährlicheres als nur Lärm in die Umwelt gelangt.
Am Donnerstag gibt es ein Treffen der internationalen PFT-Arbeitsgruppe, an dem Vertreter des US-Militärs, der Bundeswehr, der Kreisverwaltungen Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich, der SGD Nord sowie betroffener Verbandsgemeinden teilnehmen. Neben den neuesten Analyseergebnissen steht der gefährdete Beilinger Brunnen im Zentrum des nicht-öffentlichen Gesprächs.
Extra
Neben den Binsfelder Teichen wurden auch die Bäche rings um die Airbase Spangdahlem, Eifelkreis Bitburg-Prüm, erneut untersucht. Die Ergebnisse gleichen durchweg jenen vom September 2014: Alle Gewässer sind mit perfluorierten Tensiden (PFT) belastet. Einige wie der durch Binsfeld fließende Linsenbach oder der Wachenbach sehr stark (2000 Nanogramm/Liter). Die Ergebnisse für die in Binsfeld entnommenen Bodenproben liegen noch nicht vor. Weitere Analysen, zum Beispiel von Teichen bei Landscheid, sind derzeit nicht geplant. Denn wo kein Zufluss von der Airbase erfolgt, gibt es dazu laut Wasserbehörde keinen Anlass. kah
Extra
Nachdem sie das stark belastete Märchen (über 3000 Nanogramm PFT/Liter) nicht mehr nutzen können, hoffen die Salmfischer nun darauf, im Binsfelder Naturschutzgebiet einen neuen Angelteich zu finden. Nach Auskunft von Martin Di Mauro sollen die dort vorkommenden Fische zunächst untersucht werden. "Wenn die auch belastet sind, werden wir ganz aufhören müssen", sagt der Angler. kah