sport/handball/miezen
25.05.2017
Björn Pazen

Kleiner Aderlass, aber schon Sorgenfalten

(TRIER) Zwei wichtige Spielerinnen verlängern, zwei andere fallen mehrere Monate aus: So planen die Trierer Handball-Miezen für die neue Saison.

TRIER 17 000 Kilometer zu Auswärtsspielen zurückgelegt, 30:30 Punkte nach 30 Spielen, Platz acht im Abschlussklassement der 2. Frauen-Handball-Bundesliga - das sind die nackten Zahlen zur Bilanz der Trierer Miezen. Aber die spiegeln nicht die Achterbahnfahrt wider, die die MJC hinlegte: Nach einer überragenden Hinrunde Rang zwei (und damit ein Aufstiegsplatz) Mitte Februar, dann der Absturz mit sechs Heimniederlagen in Serie und nur zwei Siegen in den letzten zwölf Spielen. Für MJC-Vorstand Jürgen Brech sind beide Gesichter seiner Mannschaft erklärbar: "In der Hinrunde hatten wir häufig Glück, die Mannschaft spielte stark und mit Ausnahme von Maja Zrnec blieben wir von Verletzungen verschont", sind für ihn die Gründe für die Erfolgsserie.
Und dann? "Die Verletzungen nahmen zu, zum Beispiel fiel unsere Rechtsaußen Ramona Constantinescu seit Dezember aus, dadurch folgte ein Kräfteverschleiß, und genauso oft, wie wir anfangs Glück hatten, hatten wir später Pech." Was ihm aber zu denken gibt, ist die eklatante Heimschwäche: "Das wird eine der wichtigsten Aufgaben unseres neuen Trainers Andy Palm sein, für mehr Heimsiege zu sorgen. Warum wir in der Arena so schlecht spielten, kann ich mir wirklich nicht erklären."
Dass die Mannschaft aber abbaute, weil der Verein Trainerin Cristina Cabeza im Februar mitteilte, dass ihr Vertrag nicht verlängert wurde, lässt Brech nicht als Begründung gelten: "Sie sind alle Sportler und wollen immer gewinnen." Auch das Gerücht, der Verein hätte die Mannschaft quasi aufgefordert, Spiele zu verlieren, um bloß nicht aufzusteigen, sei Quatsch: "Keiner verliert absichtlich." Als man Zweiter gewesen sei, habe man sich intern aber auch klar gemacht, dass ein Aufstieg sportlich und finanziell nicht machbar sei: "Alle unsere Spielerinnen gehen neben dem Handball arbeiten. In der ersten Liga hätten wir das Trainingspensum aufstocken müssen, und das wäre dann zeitlich überhaupt nicht gegangen. Somit hätten wir den Kader vergrößern müssen - dafür haben wir aber nicht das Geld."
Nach dem Erstliga-Abstieg vor zwei Jahren hätten einige Großsponsoren ihr Engagement gekürzt. Zwar habe man - so Brech - dank einer intensiven Akquise neue Partner gefunden, aber dadurch habe man nicht mehr Einnahmen als vorher. "Der Kuchen in Trier wird nicht größer".
Insgesamt sieht der Vorstand die Mannschaft auf einem guten Weg: "Wir haben frühzeitig das Ziel Klassenerhalt geschafft. Der achte Platz ist realistisch und verdient. Ich hatte bei aller Euphorie immer auf die Bremse getreten - und bin bestätigt worden."
Künftig sollen auch erste und zweite Mannschaft (Aufsteiger in die RPS-Liga) enger verzahnt werden, im Nachwuchsbereich gäbe es zahlreiche Talente, die ans Zweitligateam herangeführt werden sollen. Mitte/Ende Juli kommt Palm nach Trier, der grobe Ablauf der Saisonvorbereitung mit zwei Turnieren in Ludwigsburg und Belgien sowie einigen Testspielen steht.
Einen großen Vorteil hat Palm gegenüber all` seinen Vorgängern: einen so kleinen Aderlass gab es nach keiner Saison in den letzten zehn Jahren. Nur zwei Spielerinnen - Torfrau Jessica Kockler und Rückraumspielerin Lucie Weibelova - verlassen die MJC. Die letzten offenen Personalfragen - Routinier Andrea Czanik und Torschützenkönigin Dora Simon-Varga - wurden erfolgreich geklärt, beide haben ihre Verträge um ein Jahr verlängert. Somit bleiben zehn Spielerinnen aus dem aktuellen Kader erhalten.
Doch schon jetzt sind die Sorgenfalten mit Blick auf die neue Spielzeit groß: Bei Joline Müller wurde der Riss des vorderen Kreuzbands diagnostiziert, sie fällt nach ihrer Verletzung aus dem letzten Spiel gegen Bensheim (der TV berichtete) mindestens bis Januar aus. Und auch Constantinescu muss nochmals unters Messer: Bei ihr wurde ein Riss der Bizepssehne festgestellt, sie wird fünf weitere Monate fehlen. Brech: "Ob wir auf Jolines Position noch mal handeln werden, müssen wir sehen. Eigentlich hätten wir unseren Kader zusammen, aber so müssen wir schauen, ob sich noch etwas ergibt."
Der Miezen-Kader für die kommende Saison: Diese Miezen bleiben: Torfrau Melanie Eckelt und die Feldspielerinnen Angela Petrovska, Hannah Sattler, Maja Zrnec, Linsey Houben, Joline Müller, Tina Welter, Ramona Constantinescu, Dora Simon-Varga und Andrea Czanik. Neuzugänge: Gabriella Szabo (VfL Waiblingen), Vesna Tolic (SV Union Halle-Neustadt), Aaricia Smits (HSG Blomberg-Lippe) und Yuko Minami (TV Beyeröhde) Abgänge: Jessica Kockler (HSG Bensheim-Auerbach), Lucie Weibelova (Ziel unbekannt) Trainer: Andy Palm (neu)