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Hindernislauf: Interview mit Europameisterin Gesa Krause - Saisonrennen am Freitag in Trier

(Trier) Hindernislauf-Europameisterin Gesa Krause bestreitet am Freitagabend im Moselstadion ihr letztes Saisonrennen. Eine turbulente Saison liegt hinter der deutschen Rekordlerin, die für den Verein Silvesterlauf Trier startet.

15.09.2017
Interview: Holger Teusch
Ein unverschuldeter Sturz brachte Gesa Krause im Hindernis-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften von London um ihre Medaillenchance. Aber mit einer kämpferischen Aufholjagd und dem fairen Umgang mit ihrem Schicksal eroberte die 25-Jährige, die 2017 von der LG Eintracht Frankfurt zum Verein Silvesterlauf Trier gewechselt ist, die Herzen von Sport-Deutschland. Vor ihrem Saisonabschlussrennen heute Abend über 800 Meter im Rahmen des Flutlichtmeetings im Moselstadion sprach die Europameisterin mit TV-Mitarbeiter Holger Teusch über eine lange Saison, den nötigen Urlaub und die Ziele für 2018.

Im Trierer Moselstadion steht das letzte Saisonrennen vor der Tür: Mit welchen Gefühlen beschließen Sie das WM-Jahr?
Krause: Die WM in London war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich habe das im Anschluss in Berlin mit dem deutschen Rekord (Anm. d. Red: 9:11,85 Minuten über 3000 Meter Hindernis) noch ganz gut hingebogen. Ich habe gemerkt, dass das noch nicht alles war, was in mir steckt. Und mein Trainer Wolfgang Heinig hat mir versichert, dass da noch mehr geht. Daran glaube ich fest. Ich denke, ich kann schneller laufen, und so lange werde ich daran arbeiten. Ich freue mich, dass mein Saisonabschluss in Trier und nicht sonst wo auf der Welt ist. Ich war letzte Woche schon in Pfungstadt unterwegs. Einem Ort, an dem ich in der Vergangenheit auch schon öfter gelaufen bin. Das ist wie eine kleine Tournee durch die Heimat.

In Pfungstadt sind Sie mit 2:03,09 Minuten persönliche 800-Meter-Bestzeit gelaufen. Ist das heute zu toppen?
Krause: Grundsätzlich würde ich sagen ,Ja’. Aber seit dem Rennen in Pfungstadt war es noch einmal eine Woche, in der man versucht hat, die Form zu halten. Am Ende so einer langen Saison kann man nicht noch einmal etwas aufbauen. Deshalb möchte ich vor allem einen schönen Abschluss vor heimischer Kulisse geben.

Und dann Urlaub?
Krause: Ja! Nach dem Wettkampf in Trier fahre ich mit meinen Eltern eine Woche nach Frankreich und werde danach mit meinem Freund noch knapp zwei Wochen nach Bali fliegen. Der Urlaub ist jetzt nötig. Mein Körper und meine Psyche stoßen so langsam an Grenzen. Ich brauche jetzt die Erholung, um im nächsten Jahr wieder angreifen zu können. Am 1. Oktober des vergangenen Jahres habe ich mit der Vorbereitung begonnen. Seitdem hatte ich vielleicht sieben Tage ohne Training. Jetzt freue ich mich darauf, mal nicht darüber nachdenken zu müssen, welche Trainingseinheit ansteht und ob das Wetter mitspielt, ob man gut, genug und gesund gegessen hat.

Werden die Laufschuhe im Gepäck sein oder zu Hause bleiben?
Krause: Ich werde zwei Wochen gar nicht laufen. Aber ich habe Sportschuhe dabei. Nicht zu laufen heißt ja nicht, dass man nicht sonst aktiv sein kann. Die Schuhe werden aber nicht zum Laufen geschnürt. Das wird meinem Körper guttun, und man hat danach mehr Lust, das Training wieder aufzunehmen.

2017 war ein Jahr der Veränderungen für Sie. Wie hat sich das bemerkbar gemacht?
Krause: Zum einen hat sich die Situation mit meinem Trainer geändert. Er ist nicht mehr leitender Bundestrainer und voll und ganz für mich da. Dieses Jahr haben wir sehr, sehr nahe miteinander gearbeitet und viele Dinge optimiert. Ich bin wesentlich zufriedener - und das hat auch mit dem Vereinswechsel nach Trier zu tun. Im vergangenen Jahr habe ich mich um die gleiche Zeit mit vielen kleinen Problemchen rumgeschlagen. Das habe ich nun nicht mehr. Es ist eine sehr große Hilfe, dass die Zusammenarbeit total harmonisch und unkompliziert verläuft. Und diese familiäre Nähe im Silvesterlauf-Verein ist etwas, was ich total schön finde.

Ein Blick auf 2018: Neben Ihnen gibt es mit Konstanze Klosterhalfen eine weitere deutsche Läuferin auf Weltniveau. Tolle Aussichten für die Heim-EM in Berlin?

Krause: Ich glaube, es ist etwas ganz Besonderes, dass wir viele junge, talentierte Mädels haben, die es mit der internationalen Spitze aufnehmen können und wollen. Ich denke, wir können uns da auf gute Leistungen freuen. Dass man sich gegenseitig austauscht, ist ganz wichtig. Aber auch, dass man sich gegenseitig respektiert und die Leistungen der anderen als Ansporn sieht und sich gegenseitig pusht.

Gibt’s am 31. Dezember in Trier ein Duell mit Silvesterlauf-Vorjahressiegerin Konstanze Klosterhalfen?

Krause: Darauf würde ich mich freuen. Ich glaube nicht, dass wir schon einmal gegeneinander gelaufen sind. Aber es ist natürlich schade, dass ich am 31. Dezember nicht in der Verfassung sein kann, in der ich für den Silvesterlauf gerne wäre. Einfach, weil wir uns auf den Sommer vorbereiten. Die Intensitäten, um am 31. Dezember ein hochkarätiges 5000-Meter-Rennen zu laufen, werde ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht trainieren. Aber ich freue mich schon. Das wird nach dem Flutlichtmeeting mein nächster Wettkampf sein.
Extra: WEIN, EIN STEIN UND EIN WÖRTERBUCH FÜR KRAUSE

(teu) Triers Sportdezernent Andreas Ludwig hat die Hindernislauf-Europameisterin Gesa Krause gestern symbolisch als Sportbotschafterin der Stadt ernannt. Dazu übergab er ihr einen Erfolgsbaustein mit Trierer Motiven. Außerdem gab es von Wein und Viez über Schokolade und Eintrittskarten fürs Landesmuseum bis zu einem Wörterbuch für ihre ersten 417 Ausdrücke auf "Trierisch" eine Art Überlebenspack für Deutschlands älteste Stadt. Diese lernte die 25-Jährige während einer Stadtführung erstmals abseits der Laufbahn kennen. "Hier war ich schon oft", bemerkte Krause auf dem Hauptmarkt. Bei ihren bisherigen Silvesterlauf-Starts war allerdings nie Zeit, Trier näher kennenzulernen - von Dom und Liebfrauenkirche über Gangolf und Steipe bis zu Konstantin-basilika und Kurfürstlichem Palais. "Es ist schön, dass es mal nicht nur um Sport geht", bedankte sich Krause bei Stadtführer Willi Glasner. Dass Silvesterlauf-Mitbegründer Berthold Mertes und Vorstandsmitglied Egbert Ries Anekdoten aus ihrer Jugend in Trier erzählten, ließ sie aufhorchen. Genauso aber, dass die Mauern in der Konstantinbasilika mit ihrer wechselhaften Geschichte aus verschiedenen Epochen stammen.