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So grundlegend sind Nebensächlichkeiten

(Korlingen) "Da gehört doch noch was hin" - das hört man, wenn es um das i-Tüpfelchen der Gartengestaltung geht. Nicht immer hat man gleich die passende Idee. Dann kann der Besuch eines anderen Gartens Anregungen geben. In einem Hanggarten ist der TV Gestaltungstricks auf den Grund gegangen.
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Korlingen. Im Garten sucht man nach Orientierung: Am eindrücklichsten übernehmen Statuen die Aufgabe, den Betrachter zu lenken. Biegt man um die Hausecke, zieht eine Figur den Blick auf sich. "Das ist unsere Hebe", sagt Karin Laumanns über die griechische Göttertochter. Um Skulpturenschmuck optimal einzusetzen, muss das Umfeld stimmen. Die liebliche Figur der Hebe wird von den herabhängenden Zweigen einer Birke umspielt und damit wie auf einer Bühne vor einen grünen Vorhang gestellt.
Rustikaler geht es ein paar Meter weiter zu. Zwischen Goldwolfsmilch und Gemswurz ragt eine von Flechten bewachsene Wurzel aus dem Beet. Mit einer Wurzel drückt man Pflanzungen das Gütesiegel "naturnah" auf. Romantisches Naturgefühl lässt sich im Großen wie im Kleinen erzeugen.
Die "geborgte Landschaft": Von der oberen Terrasse des Korlinger Hanggartens geht der Blick über die Höhen des Hochwaldes bis ins Ruwertal. Auf der Wiese nebenan grasen Pferde. "Du hast hier gemacht, was die Japaner machen", sagte eine befreundete Japanologin zu Karin Laumanns. Die idyllische Umgebung wird in die Gartenplanung einbezogen. Man setzt die Weite in Gegensatz zu der kleinteiligen Gartenräumlichkeit.
Auf Abwechslung zu achten, steigert die Spannung: Das gilt von Grund auf - also schon für die Wegbeläge. Vom Rasenstreifen rund um die Terrasse tritt man auf ein Pflasterrondell. In der Mitte fällt ein Windrosenstein auf, der die Himmelsrichtungen anzeigt. Solche positiven Stolpersteine wecken die Aufmerksamkeit. Gen Norden zieht ein farbiges Spektakel die Blicke auf sich.
Objekte, die Neugier wecken: Über dem Beet mit dem silberlaubigen Wermut flattern tibetanische Gebetsfahnen im Wind. Rein gestalterisch betrachtet, sind sie ein Beispiel, wie sich das Element Luft einsetzen lässt. Architektur ist starr. Windspiele bringen Bewegung in den grünen Raum. Ins Musikalische geht es mit einem Klangspiel. Solche Effekte schulen die Wahrnehmung.
Der Auftrag, alle Sinne des Betrachters anzusprechen: Bestes Beispiel ist das Plätschern eines dekorativen Brunnens. Familie Laumanns hat ihn als Wasserspeier in die Schiefermauer eingelassen. Davor warten Zinkwanne und Gießkanne auf ihren Einsatz. Accessoires wirken umso stimmiger, je offensichtlicher ihr Verwendungszweck ist. So gewinnt ein Wasserbecken, in dem sich das Licht bricht und sich die umgebenden Pflanzen spiegeln, wenn es als Vogeltränke genutzt werden kann. Dazu müssen die Vögel einen Anflugplatz haben. Im weißen Becken neben dem seltenen, auch als Waldlilie bekannten Dreiblatt, wurde daher ein Stein platziert. Weiß man, dass die Wasserstelle "der ausgediente Spülstein meiner Mutter war", wie Karin Laumanns erzählt, erhält das Deko-Detail einen Geschichtsbonus. Viele ausrangierte Haushaltsgegenstände und überholte Handwerksgeräte lassen sich als dekorative Fundstücke im pflanzlichen Umfeld arrangieren.
Extra
Gärten in der Region zu besuchen, bieten neben den hiesigen Gartenbauvereinen an: Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) des Landesverbandes Saar-Mosel von Mai bis Oktober. Das detaillierte Programm "Das offene Gartentor 2012" findet man im Internet unter www.dggl.org/landesverbaende/saar_mosel/saar_mosel_gartentor.html oder kann es bei Silke Oeffling, Telefon 06501/180590, erfragen. Die Interessengemeinschaft Gartenfreunde präsentiert Gärten mit qualifizierten Themenführungen über die Dauer von ein bis eineinhalb Stunden, Eintritt fünf Euro pro Person. In diesem Monat findet am 6. Mai um 15 Uhr eine Gartenführung im Hanggarten von Familie Laumanns, Breitenweg 12, 54317 Korlingen mit der Gartengästeführerin Gisela Rommelfanger statt. Durch ihren eigenen Steillagengarten unter dem Thema Rosen führt am 20. Mai um 15 Uhr Gartengästeführerin Elisabeth Meyer in der Graacher Schäferei. Nähere Informationen und den Flyer "Gartenerlebnis 2012" mit dem kompletten Programm bei Gisela Rommelfanger, Tel. 06588/7650 oder unter www.ig-gartenfreunde.de kf


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