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Der Zugriff auf die Patientendaten

(Ludwigshafen) Einmal im Jahr kommen Politiker und Manager zusammen und ziehen eine Zwischenbilanz der Digitalisierung. Für Kranke könnte sich vieles verbessern.

13.06.2017

Ludwigshafen (dpa) Die Vernetzung und Zentralisierung von Patientendaten steht im Mittelpunkt eines zweitägigen Digitalgipfels von Managern und Spitzenpolitikern in Ludwigshafen. Die rund 1000 Teilnehmer befassen sich unter anderem mit Modellen, wie die bislang verstreut beim Arzt oder in Kliniken gespeicherten Daten zentralisiert und für effizientere Therapien genutzt werden können. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt allerdings vor einem automatisierten Zugriff für Krankenkassen und Unternehmen.
"Wir sind jetzt dabei, Krankenhäuser, Arztpraxen und die 70 Millionen gesetzlich Versicherten über ein sicheres Netz miteinander zu verbinden", sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) der Rhein-Neckar-Zeitung (Montag). Letzte Sicherheitstests seien erfolgreich abgeschlossen, so dass die erforderliche Technik bis Ende kommenden Jahres flächendeckend in allen Kliniken und Praxen verfügbar sein werde.
Röntgenbilder, Laborberichte, Daten zu Untersuchungen, Impfungen oder Medikamenten sollten nicht länger in einzelnen Praxen, Kliniken oder Rehazentren liegen, sondern für Patienten zentral verfügbar sein, empfahl Microsoft Deutschland. Um den Anforderungen etwa in der Telemedizin gerecht zu werden, komme es auf reaktionsschnelle Netzverbindungen an, betonte der schwedische Netztechnikanbieter Ericsson und nannte dabei die Mobilfunktechnik 5G. Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (HPI) stellte auf dem Digitalgipfel einen "radikal patienten- oder bürgerorientierten Ansatz" vor. "Dabei bieten wir den Patienten die Möglichkeit, ihre Daten in einer Gesundheitscloud abzulegen, die wir entwickeln", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel. Die Patienten können dann entscheiden, welcher Art von Datennutzung auf Seiten von Ärzten, Krankenhäusern oder Unternehmen sie zustimmen.
"Wenn wir von den Chancen reden, sollten wir die Risiken für die Patienten nicht vergessen", mahnte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch: "Patientendaten sind hochsensibel und hochpersönlich." Bei der Speicherung von Daten gebe es keine 100-prozentige Sicherheit, schließlich sei noch nicht einmal das Computernetz des Bundestags vor Angriffen gefeit. Unternehmen dürften keinen Zugriff auf Daten erhalten, um etwa ihre Marketing-Strategien zu verbessern.
Mehrere Teilnehmer des bisher als IT-Gipfel bekannten Forums wiesen darauf hin, dass Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich im Rückstand sei. In der Verwaltung und in der Bildung sei dies besonders eklatant, sagte die Geschäftsführerin der Initiative D21, Lena-Sophie Müller. "Die eingeleiteten Aktivitäten im Bildungswesen reichen nicht aus, um da wirklich voranzukommen."

Auch das Hasso-Plattner-Institut (HPI), wo 2006 der erste IT-Gipfel stattfand, rief zu mehr Tempo in der Digitalisierung auf. "Wir müssen uns am Riemen reißen, um den Anschluss nicht zu verpassen", sagte HPI-Direktor Meinel. "Es gibt da viel zu tun."