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Christine Lagarde will Chefin des Internationalen Währungsfonds bleiben

(Paris) Die Französin Christine Lagarde will für eine zweite Amtszeit an der Spitze des IWF kandidieren. In ihrer Heimat muss sie sich allerdings wegen der Adidas-Affäre verantworten.

22.01.2016
Christine Longin
Wie es ihre Art ist, fackelte Christine Lagarde nicht lange. „Ja, ich bin Kandidatin für eine zweite Amtszeit“, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) direkt vom Weltwirtschaftsforum in Davos dem französischen Fernsehen. Die weißhaarige 60-Jährige hat die Unterstützung vieler Länder: Deutschland, Großbritannien, China und mit Abstrichen auch die USA stehen hinter der ehemaligen französischen Finanzministerin, die seit 2011 den IWF führt. 

Nach dem Skandal um Dominique Strauss-Kahn, der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens zurücktreten musste, schickte der damalige Präsident Nicolas Sarkozy die gelernte Anwältin nach Washington. Lagarde hatte sich für den Chefposten qualifiziert, nachdem sie die Finanzkrise souverän gemeistert und Frankreichs G-20-Präsidentschaft zu einem Erfolg gemacht hatte. Zugute kam der ersten Frau an der Spitze des IWF, dass sie seit einem Amerika-Aufenthalt nach dem Abitur akzentfreies Englisch spricht. 

Nach dem Studium begann die ehemalige Synchronschwimmerin bei der weltweit größten US-Anwaltskanzlei Baker & McKenzie, die sie 1999 zur ersten weiblichen Vorstandsvorsitzenden machte. Die Jahre in den USA waren für Lagarde prägend. "In Amerika wird man ermutigt, über sich selbst hinauszuwachsen", sagte die Mutter zweier erwachsener Söhne der Zeitschrift "Paris Match“.  

Hälfte der Franzosen sähe Lagarde gerne als Präsidentin

Dennoch kehrte sie 2005 nach Frankreich zurück, als ihr der Posten der Außenhandelsministerin in der konservativen Regierung von Dominique de Villepin angeboten wurde. 2007 folgte der Wechsel ins Wirtschafts- und Finanzministerium, das Lagarde als erste Frau leitete.

Aus dieser Zeit verfolgt die stets elegant gekleidete Französin allerdings noch die Affäre um Ex-Adidas-Chef Bernard Tapie. Um den Dauerstreit mit Tapie um den Verkauf des Sportartikelherstellers zu beenden, hatte die Ministerin 2007 ein Schiedsgericht angerufen, das dem Geschäftsmann eine Millionen-Entschädigung zusprach. Nun befasst sich der Gerichtshof der Republik wegen „schwerer Fahrlässigkeit“ Lagardes mit dem Fall.„Ich habe ein reines Gewissen“, bemerkt die IWF-Chefin. Auch die Franzosen stören die Vorwürfe nicht: für 50 Prozent ihrer Landsleute gäbe Lagarde laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr eine gute Staatspräsidentin ab. Mit ihrer IWF-Kandidatur hat 60-Jährige solchen Plänen allerdings eine Absage erteilt.

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