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Daimler-Boss warnt vor massiven Grenzkontrollen: Höhere Transport- und Stückkosten gefährden Aussichten der EU-Autobranche

Die Zuspitzung der Flüchtlingskrise mit dem drohenden Ende des freien Reise- und Warenverkehrs in Europa bereitet der Wirtschaft zunehmend Sorge. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche warnte am Donnerstag, gerade der "extrem verflochtene" Automobilsektor sei stark auf die offenen Grenzen des Schengen-Raums angewiesen

21.01.2016
Von Christopher Ziedler
"Alle Zentrifugalkräfte, die einem starken geeinten Europa zuwiderlaufen, werden negative Auswirkungen auf unsere Branche haben", sagte  Zetsche vor Journalisten  in Brüssel.

"Noch können wir unsere Logistik aufrechterhalten", sagte der Chef des Stuttgarter Autoherstellers   im Hinblick darauf, dass bereits sieben EU-Staaten, darunter die Bundesrepublik, zumindest  vorübergehend zu häufigeren Grenzkontrollen zurückgekehrt sind,  "aber wir sehen ein zunehmendes Risiko." Alleine der Zeitverlust durch "an der Grenze wartende Lastwagen wirkt sich signifikant auf die Kosten aus, zu denen in Europa ein Auto gebaut werden kann". Von zehn Milliarden Euro zusätzlich  sprach Martin Wansleben vom  Arbeitgeberverband DIHK, falls sich die Kosten etwa durch Umstellung von Just-In-Time-Lieferung auf Lagerhaltung nur um 0,4 Prozent erhöhten. Wansleben wie Zetsche stellten sich damit unausgesprochen hinter den umstrittenen Kurs von Angela Merkel.

Noch drastischer forderte Anton Börner als  Chef des deutschen Außenhandelsverbands die Kanzlerin zum Kurshalten auf: "Wenn sie nachgibt", breche die EU auseinander und damit die "Basis des Wohlstands in Deutschland" weg, sagte er der  Nachrichtenagentur Reuters. Der Mannheimer Ökonom Clemens Fuest hält  die Auswirkungen massiver Grenzkontrollen dagegen für beherrschbar. "Wir haben Grenzen, da kommen Flüchtlinge an", sagte er dem Südwestrundfunk, "und wir haben viele anderen Grenzen, da kann man die Autos durchwinken."

Abhängig davon, dass die Flüchtlingskrise nicht auch noch ökonomische Verwerfungen mit sich bringt, erwarten Europas Autobauer dieses Jahr ein  moderates Wachstum. Daimler-Boss Zetsche, der gerade  den Vorsitz des Dachverbandes Acea übernommen hat, erwartet ein  Plus von zwei Prozent und damit 14 Millionen verkaufte Pkw. Bereits vergangenes  Jahr hatte die Branche trotz  VW-Skandal 9,2 Prozent mehr  Autos an die Kunden gebracht als  2014. Treiber des Wachstums sind dem Analysten  Tim Armstrong vom Unternehmen  IHS Automotive zufolge die USA und in Europa Frankreich und Spanien.

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