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Operation gelungen, Bruch programmiert?

Im Nachgang zu einer Bauch-OP tritt nicht selten eine Narbenhernie auf – Häufig betroffen sind Patienten mit einem künstlichen Darmausgang

01.03.2017

Zum Bruch kommt es oft schon binnen weniger Monate nach dem Eingriff: Bei jedem zehnten Patienten einer Bauch-Operation bildet sich eine Narbenhernie. Ist nach der OP also vor der OP? Fakt ist: Postoperative Brüche sind häufig, und ausgefeilt sind die Verfahren, mit denen den Narbenhernien zu Leibe gerückt werden kann.

Jedes Jahr wird bei mehr als 70.000 Patienten die Diagnose „Narbenhernie“ gestellt. Das ist nicht weiter verwunderlich, erklärt Dr. med. Stefan Franzen, Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Schließlich verursacht eine OP im Bauchraum eine zusätzliche Schwachstelle in der Bauchdecke. Selbst eine noch so gut verheilte Narbe vermag die ursprüngliche Stabilität nicht komplett wiederherzustellen. Gesellen sich Faktoren wie Übergewicht, Blutarmut oder Tumorleiden hinzu, ist das Auftreten einer Narbenhernie zu befürchten. Auch Wundheilungsstörungen, etwa infolge von Diabetes oder regelmäßigem Nikotinkonsum, gelten neben Bindegewebserkrankungen als Risikofaktoren.

Stellt der Arzt einen Narbenbruch fest, führt an einer OP oft kein Weg vorbei. Narbenhernien können anfangs beschwerdefrei sein oder sich lediglich mit gelegentlichem Ziehen oder Stechen bemerkbar machen. Wie beim Leistenbruch besteht eine Gefahr dann, wenn Teile des Darms eingeklemmt werden. Dies äußert sich in Form massiver Schmerzen und einer nicht mehr zurückdrückbaren Vorwölbung. In solchen Fällen muss eine Notfalloperation durchgeführt werden.

Laparoskopische OP birgt viele Vorzüge

Damit es erst gar nicht dazu kommt, empfiehlt Dr. Franzen, eine Narbenhernie möglichst zeitnah kontrollieren zu lassen. Allerdings sollte die OP eines Narbenbruchs frühestens sechs bis zwölf Monate nach der Erstoperation erfolgen, damit sich die voroperierte Bauchdecke ausreichend regenerieren kann. Generell gilt: Ob und wann ein Bruch behoben wird, entscheidet der Chirurg gemeinsam mit dem Patienten, und hierbei gibt nicht zuletzt der vom Betroffenen subjektiv empfundene Leidensdruck den Ausschlag. Auch das Alter des Patienten, etwaige Vorerkrankungen und Voroperationen sind zu berücksichtigen. „Die Größe des Bruches allein ist nicht entscheidend“, betont Dr. Franzen.

Bei der Frage, ob offen oder minimal-invasiv operiert wird, spielen verschiedene Aspekte eine Rolle; etwa der, ob es aufgrund zurückliegender Eingriffe im Bauchraum zu Verwachsungen gekommen ist. Auch Begleiterkrankungen und die Größe des Bruches haben Einfluss auf die Wahl des Verfahrens. Nur bei „Minibrüchen“, die kleiner als ein Zentimeter sind, kommt noch die „direkte Naht“ zum Einsatz, ansonsten ist das gängige Verfahren eine Verstärkung der Bauchdecke durch den Einsatz eines Kunststoffnetzes.

Bei der laparoskopischen Operation führt der Arzt eine Kamera in den mit einem Gas aufgeblähten Bauchraum ein. Die chirurgischen Instrumente werden durch mehrere kleine Hautschnitte eingeführt und das Netz von innen an der Bauchdecke fixiert. Ein Vorzug der Laparoskopie ist, dass es wesentlich seltener zu Wundinfektionen kommt. Auch kosmetisch birgt dieses Verfahren mit den kleinen Schnitten Vorteile. Doch dem steht gegenüber, dass eine möglicherweise durch Ansammlungen von Wundflüssigkeiten gebildete „Beule“ im Narbenbereich bestehen bleibt, weshalb sehr große Brüche meist nicht mehr laparoskopisch operiert werden.

Das gilt gleichermaßen für die Behandlung „parastomaler“ Brüche. Wie der Name sagt, bilden sich diese Brüche neben einem künstlichen Darmausgang (Stoma). Da ein solcher künstlicher Darmausgang mit einer erheblichen Schwächung der Bauchdeckenstabilität einhergeht, ist das Bruchrisiko bei Stoma-Patienten besonders hoch, erläutert Dr. med. Christoph Schuh, Oberarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und stellvertretender Leiter des Darmzentrums im Brüderkrankenhaus. Schätzungen zufolge bildet sich bei mehr als der Hälfte der Patienten mit einem künstlichen Darmausgang eine parastomale Hernie.

Behandlung von Brüchen im Stoma-Umfeld

„Bei einem derartigen Bruch besteht – je nach Ausdehnung und Beschwerden – die Indikation für eine OP“, erklärt Dr. Schuh. Hierbei müsse zunächst geklärt werden, ob der Bruchinhalt reponibel oder im Bruchsack fixiert ist – sprich, ob er sich wieder in den Bauchraum zurückdrücken lässt. Dies wird durch eine körperliche Untersuchung sowie mittels Ultraschall beurteilt. „Des Weiteren sollte zur Feststellung der genauen Größe der Hernie und der Beschaffenheit der Bauchdecke vor einer Operation eine Computertomographie durchgeführt werden“, empfiehlt der Chirurg.

Treten Schwierigkeiten bei der Versorgung des Stomas auf, sollten eine OP des Bruches und gegebenenfalls eine Korrektur des Stomas erfolgen. Hierbei kommen speziell geformte Kunststoff-Netze mit einer Öffnung für den Darmaustritt zum Einsatz, berichtet Schuh. Die OP werde nach Möglichkeit in Schlüsselloch-Technik durchgeführt, um eine Infektion des zu implantierenden Netzes zu vermeiden.