home

Wenn die tragende Säule Schmerzen bereitet

08.06.2017

Trierer Wirbelsäulentag 2017 – Informationsveranstaltung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder   

Schmerzen sind nichts Schlechtes – wenn sie denn wieder abklingen. Als Warnsignal leisten sie einen wichtigen Beitrag, um uns vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen, wie sie aus Verletzungen und Entzündungen herrühren. Fehlt indes ein Auslöser und hält der Schmerz über einen langen Zeitraum an, droht er sich zu verselbstständigen. Er wird zum ständigen Begleiter, der den Patienten zu allen Tageszeiten heimsucht und ihm nicht nur sprichwörtlich den Schlaf raubt. 

So ergeht es vielen Patienten, die das Wirbelsäulenzentrum Trier aufsuchen. In diesem Kompetenzzentrum fließt die Expertise dreier Fachabteilungen des Brüderkrankenhauses ein: Neurochirurgen, Orthopäden und Unfallchirurgen arbeiten Hand in Hand, um den Patienten die bestmögliche Diagnostik und Behandlung zu bieten. Da die Bedeutung der Wirbelsäule immens ist, sind die Beschwerden infolge von Schädigungen der tragenden Säule des Körpers oft erheblich. 

Die Wirbelsäule ist aus festen Knochen und weichem Knorpel geformt. Gleichsam als Verbindung wie als Puffer zwischen zwei Wirbeln dienen die Bandscheiben. Nicht selten bildet ein Bandscheibenvorfall den Auftakt einer langwierigen Leidensgeschichte. Bei nicht oder falsch behandelten Patienten kann der Schmerz fortan das Leben bestimmen. Doch dank eines neuartigen Verfahrens dürfen die Betroffenen nun auf eine spürbare Linderung ihrer Beschwerden hoffen: HF 10-Therapie nennt sich die Methode, die im Brüderkrankenhaus angewandt wird. Kern des Verfahrens ist ein Schmerzschrittmacher.   

Beachtliche Erfolge mit neuartigem Verfahren

Rund 120 Schmerzschrittmacher haben Professor Dr. med. Martin Bettag, Chefarzt der Abteilung für Neurochirurgie, und Oberarzt Dr. med. Gernot Surges mit ihrem Team bereits implantiert. „Bei 87 Prozent der Patienten, die ausnahmslos seit vielen Jahren unter starken chronischen Schmerzen litten, konnte eine mindestens 50-prozentige Schmerzreduktion erreicht werden“, beziffert Dr. Surges; „die mittlere Schmerzlinderung liegt bei 80 Prozent.“

Einhelliger Tenor wissenschaftlicher Untersuchungen: Die HF 10-Therapie ist früheren Verfahren deutlich überlegen, was die Trierer Neurochirurgen in ihrer Einschätzung bestärkt, dass der Schmerzschrittmacher insbesondere für Patienten mit schweren chronischen Schmerzen, bei denen andere Therapien keine Linderung brachten, neue Perspektiven eröffnet. 

Es sind winzige Elektroden, mit denen die Weichen für eine Linderung der Schmerzen gestellt werden: Nachdem der Operateur einen feinen Schnitt gesetzt hat, positioniert er im Wirbelkanal zwei Elektroden, an denen sich jeweils acht Pole befinden; zwei Pole bilden einen Bipol und stimulieren mit elektrischen Impulsen mit einer Frequenz von 10.000 Hertz (Hz) das Rückenmark. Die hochfrequente Stimulation soll den krankhaften Nervenaktivitäten, welche die chronischen Schmerzen verursachen, Einhalt gebieten. 

Der Ansatz, das Rückenmark zu stimulieren, ist nicht  neu, doch wurden bei den lange gängigen Verfahren niederfrequente Impulse abgegeben. Das hatte den Effekt, dass der Schmerz durch ein Kribbeln überlagert wurde. Anders gesagt: Die Beschwerden wurden durch eine tendenziell erträglichere Missempfindung abgelöst, das Übel aber nicht beseitigt. Das hochfrequente Verfahren hingegen bewirkt, „dass die krankhaft veränderte Aktivität von Nervenzellen dergestalt beeinflusst wird, dass die Weiterleitung von Schmerzen wieder normalisiert ablaufen kann“, erläutert Professor Bettag. 

Wie der Schmerzschrittmacher funktioniert und für wen dieser geeignet ist, sind Themen des Vortrags „Mit Strom gegen den Schmerz“ von Dr. Surges am morgigen Samstag. Der Oberarzt referiert im Rahmen einer Patienten-Informationsveranstaltung des Wirbelsäulenzentrums Trier. Christian Lang, Chefarzt der Abteilung für konservative Orthopädie im Birkenfelder DRK-Elisabeth-Krankenhaus, spricht über die moderne konservative Rückenschmerztherapie.

Ein Zentrum für alle Erkrankungen der Wirbelsäule

Das in der Region Trier einzigartige Wirbelsäulenzentrum ist auf die Diagnose und Therapie von Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule spezialisiert. Hierbei profitieren die Patienten vom breiten Leistungsspektrum des Brüderkrankenhauses. Da der Erfolg einer modernen Wirbelsäulentherapie entscheidend von einer sicheren Diagnosestellung abhängt, bedarf es beispielsweise unterschiedlicher bildgebender Verfahren, wie sie das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin im Brüderkrankenhaus bietet. 
Zu den Partnern des Zentrums zählt auch die Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation, derweil Experten für Rheumatologie und Endokrinologie der Inneren Medizin II bei der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen infolge von Osteoporose, Rheuma oder Bechterew-Erkrankung hinzugezogen werden. Die Onkologie und Infektiologie der Inneren Medizin I ist in die Behandlung von Tumorerkrankungen mit Wirbelsäulenbefall eingebunden. Weitere Akteure sind die  Anästhesie, Schmerztherapie und Intensivmedizin, der Psychologische Fachdienst, die Soziale Beratung und Betreuung (SBB), die Physiotherapie sowie die Physikalische Therapie (Medico). Auch arbeitet das Wirbelsäulenzentrum eng mit niedergelassenen Schmerztherapeuten und anderen Kliniken der Region zusammen. „Wir führen die konservative und operative Behandlung aller Wirbelsäulenabschnitte sowie des Rückenmarks und spinaler Gefäßmissbildungen durch“, erklärt Oberarzt Dr. med. Andy Ottenbacher. Die Einrichtung sei in der Region der größte Versorger bei operativen Maßnahmen an der Wirbelsäule und biete umfassende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten unter einem Dach, so der Neurochirurg und Ärztliche Zentrumskoordinator.

Veranstaltungshinweis

Behandlungsmöglichkeiten bei chronischen Schmerzen stehen im Zentrum des „Trierer Wirbelsäulentags 2017“ morgen, 10. Juni, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr und dauert bis 12 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.