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Ein lukrativer Nebenjob

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Trier. Seit einem Jahr ist der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz RWE-Aufsichtsrat. Die Vergütung dafür kann sich sehen lassen. Rolf Seydewitz

Trier Seit gut einem Jahr ist der Terminkalender von Günther Schartz noch ein bisschen voller als zuvor. Der Trier-Saarburger Landrat ist Mitglied im 20-köpfigen Aufsichtsrat des Essener Energieversorgers RWE, sitzt mit am Tisch, wenn mit dem Vorstand über die Zukunft des börsennotierten Konzerns mit insgesamt 60 000 Mitarbeitern debattiert wird.
Schartz zog Ende April vergangenen Jahres für die kommunalen Aktionäre in den Aufsichtsrat ein, die nach Angaben der Wirtschaftswoche 24 Prozent der Anteile halten und vier Aufsichtsräte stellen. Zwei Aufsichtsräte gaben seinerzeit ihre Posten auf, darunter auch der langjährige Bitburg-Prümer Landrat Roger Graef, der zuletzt Geschäftsführer des Verbands der kommunalen Aktionäre (siehe Stichwort) war.
Für die Aufsichtsräte ist der Job ein lukratives Zubrot. Wie dem RWE-Vergütungsbericht zu entnehmen ist, bekommt jedes Mitglied dafür jährlich 100 000 Euro.
Neuling Günther Schartz bekam im vergangenen Jahr nur 84 000 Euro (70 000 Euro Aufsichtsrats-, 14 000 Ausschussvergütung), weil der CDU-Politiker dem Gremium erst seit dem 20. April angehört.
Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Günther Schartz, dass diese Nebentätigkeit dem privaten Bereich zuzuordnen sei - ebenso wie seine Tätigkeit als Präsident des Landesmusikverbandes oder die Mitgliedschaft im Vorstand der Landeskrankenhausgesellschaft. Alle diese Nebentätigkeiten seien von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion genehmigt und würden - bis auf die Krankenhausgesellschaft - auch außerhalb der Dienstzeit wahrgenommen, so Schartz. Natürlich würden auch alle Vergütungen aus dem privaten Bereich und dem öffentlichen Ehrenamt von ihm versteuert, fügt der Trier-Saarburger Landrat hinzu.
Durch seine Tätigkeit im RWE-Aufsichtsrat ist Günther Schartz unterm Strich der Bestverdienende unter den vier Landräten der Region, die ein Monatsbrutto zwischen 7900 Euro (Besoldungsstufe B 4) und 8850 Euro (B 6) haben. Was die Landräte und Bürgermeister neben ihrem Gehalt noch zusätzlich bekommen, ist abhängig von der Anzahl der Nebentätigkeiten und sogenannten öffentlichen Ehrenämtern und deren Dotierung.
Allen Landräten gemeinsam ist - neben dem mit jährlich rund 5000 Euro dotierten Sitz im RWE-Beirat - die Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der jeweiligen Sparkasse. Dafür bekommen etwa der Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit und der Dauner Landrat Heinz-Peter Thiel eine Jahresaufwandsentschädigung von rund 4500 Euro. Ihr Bernkastel-Wittlicher Kollege Gregor Eibes bekommt nach eigenen Angaben auf 606,66 Euro monatlich plus 100 Euro Sitzungsgeld. Und der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz, der allerdings auch noch im Verwaltungsrat des Landessparkassenverbands sitzt, erhält insgesamt etwa 13 000 Euro an Vergütungen und Sitzungsgeldern. Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe bekommt als Sparkassenverwaltungsrat nach Angaben seines Sprechers 500 Euro monatlich.
Der Bund der Steuerzahler hat laut Landesgeschäftsführer René Quante nichts gegen Nebentätigkeiten in Unternehmen, die im öffentlichen Besitz sind. Allerdings sollten Entschädigungen weitgehend abgeführt werden, sagte Quante im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Kollegin und Haushaltsexpertin Eva Kugler fordert, dass die Nebeneinkünfte der kommunalen Wahlbeamten veröffentlicht werden. Es müsse Transparenz herrschen, um das Vertrauen der Steuerzahler in die Politik zu stärken.Extra: INTERESSENVERTRETUNG VON 85 GESELLSCHAFTERN


Der Verband der kommunalen RWE-Aktionäre ist Interessenvertretung von 85 Gesellschaftern, darunter die Kreise Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg und der Vulkaneifelkreis. Die Stadt Trier hat ihre RWE-Anteile schon vor zehn Jahren verkauft. Die regionalen Kommunen halten zusammen rund 1,5 Millionen RWE-Aktien. Deren Kurs ist - auch wegen der Energiewende und niedriger Strompreise - in den vergangenen Jahren stark gefallen.