Autobahn A 60: Den mysteriösen Staatsvertrag hat es gegeben.

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Was steht im Staatsvertrag zum Ausbau der Eifel-Autobahn?

Wir haben die Antwort auf unsere Frage nach dem Vertrag, der den Bau der A 60 regelte. Ergebnis: Er existiert. Nur steht nicht drin, was viele vermuten.

Ein Staatsvertrag über den Bau der Autobahn 60, geschlossen zwischen dem Königreich Belgien und der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Dokument, so lautete der Hinweis unserer Leserin Margit Wachuda aus Neuerburg, müsse existieren, Anfang der 70er Jahre geschlossen zwischen den beiden Ländern. Denn auch die Belgier bauten eine Autobahn in der Verlängerung jenseits der Grenze, die A 27. Beide Autobahnen sind Teil der Europastraße 42.

Der TV fragte an mehreren Behörden-Stellen in beiden Ländern nach diesem Vertrag. Die Reaktionen in unserem Artikel von Donnerstag, 15. August, lagen sinngemäß zwischen „den gibt’s auf jeden Fall“, „wir schauen nach“ und „nie davon gehört“.

Und damit fanden wir bisher auch nicht die Antwort auf die Frage, ob sich damals die Deutschen auch dazu verpflichtet hatten, die A 60 vierspurig auszubauen – was bekanntlich zwischen Prüm und Grenze bisher nicht geschah. Und, gemäß Bundesverkehrswegeplan, auch nicht vorgesehen ist, bevor Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen.

Am Ende baten wir die Leser darum, sich zu melden, sofern jemand etwas zu dem Vertrag wisse.

Und einer rief schon bald an: Hubert Weis, gebürtiger Trierer, aber „Eifeler aus Überzeugung“. Und zwar seit 1968: Weis, heute 74 Jahre alt, war Lehrer in Arzfeld und Prüm, leitete dort von 1993 bis 2000 die heutige Astrid-Lindgren-Schule und wohnte in Rommersheim. Später ging er als Leiter des Referats Förderschulen und Integration zurück nach Trier, zur Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion. Sozialdemokrat Weis war auch politisch tätig, in den Räten der Ortsgemeinde Rommersheim, der Verbandsgemeinde Prüm und im Kreistag, außerdem war er Kreisvorsitzender seiner Partei.

Seine Antwort auf unsere Frage: „Die Leserin aus Neuerburg hat recht: Ja, es gibt einen Staatsvertrag zwischen dem Königreich Belgien und der Bundesrepublik Deutschland.“ Und er habe sogar ein Exemplar besessen, sagt Weis. Allerdings, so müsse er „ehrlicherweise hinzufügen: Beim Umzug ist er leider mit anderen Teilen meines Archivs im Altpapier verschwunden.“

Den Vertrag habe er von Wolfgang Jenssen aus Daun, damals SPD-Landtagsabgeordneter (und später Stadtbürgermeister), erhalten. Das Abkommen, sagt Hubert Weis, müsse „in der Zeit des Bundesverkehrsministers Georg Leber geschlossen worden sein“.

Und darin stehe sinngemäß, dass sich die Bundesrepublik dazu verpflichte, „die belgische Fernstraße abzunehmen und fortzuführen“ – allerdings: „Die Begriffe ,Autobahn’ oder ,vierspurig’ kommen nicht darin vor.“

Und damit wären unsere wesentlichen Fragen auch schon beantwortet. Vertrag ja, Verpflichtung zum Ausbau als echte Autobahn – nein.

Dafür aber erinnert sich Weis auch noch daran, dass die Streckenführung damals geändert wurde – um die Straße näher an Prüm vorbeizuführen. Der Buckel, den sie etwa in Höhe der Prümtalbrücke deswegen erhielt, trägt den Namen „Carrell-Busen“: Eugen Carrell – der TV berichtete vor zwei Jahren schon einmal darüber – arbeitete damals im Bundesverkehrsministerium. Carrells Kollege aus dem gleichen Ressort bei der Landesregierung war zu jener Zeit Heribert Nellessen, ein gebürtiger Prümer.

Und die beiden heckten die Sache mit dem „Busen“ aus. Heribert Nellessen erinnerte sich 2017 im TV: Carrell habe in Bonn „den Bleistift genommen und die Straße näher nach Prüm gezogen“, weil er wollte, dass man die Stadt von der Straße aus sehen kann. Das Gleiche habe er auch mit der B 51-Brücke bei Dausfeld gemacht und sie einfach ein Stück näher an die Stadt heran geplant, um ihr dadurch den einen oder anderen Besucher zu verschaffen.

Und noch ein Detail verrät Hubert Weis: Die Ourtalbrücke am Grenzübergang bei Steinebrück sei damals von den Belgiern gebaut worden. Und auf der deutschen Seite, aus versicherungsrechtlichen Gründen, habe man die Baustelle „vorübergehend zum belgischen Hoheitsgebiet erklärt“.

Vielleicht hätte man das für den gesamten Verlauf machen sollen. Wer weiß: Dann wäre sie heute ja möglicherweise eine echte Autobahn.

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