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Coronavirus: Eine Eifeler Branche erlebt einen Krisenboom

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronavirus : Wachstum auf vier Rädern

Das Coronavirus legt vieles lahm. Nicht aber die mobilen Eifeler Verkaufsmärkte. Deren Fahrer müssen derzeit erheblich mehr Stopps in ihre Touren einbauen.

Manchmal ereilt einen der Erfolg zur genau falschen Zeit. Und man kann sich nicht so recht daran erfreuen. So geht es auch den drei Eifeler Unternehmen, die seit Jahrzehnten auf den mobilen Verkauf von Lebensmitteln setzen.

Während die Welt sich durch die Corona-Katastrophe quält, kann man sich in Habscheid, Neuendorf (beide Eifelkreis Bitburg-Prüm) und in Hohenfels-Essingen in der Vulkaneifel vor Kundenanfragen kaum retten.

„Viele Anrufe, jede Menge Bestellungen“, sagt Friedhelm Hermes vom Eifeler Frischdienst in Habscheid, für den täglich 25 Verkaufswagen in der Region und in Luxemburg zu den Kunden unterwegs sind.

Ja, das sei gewiss eine gute Entwicklung. „Aber auch anstrengend, das alles zu bewältigen. Meine Mannschaft kann das einen Monat durchhalten. Aber danach geht’s auch bei denen an die Substanz.“

Deshalb sucht er bereits nach zusätzlichen Fahrern. Die seien allerdings derzeit noch schwer aufzutreiben. Bewerber? „Gern!“, sagt Hermes, mit Ausrufezeichen. Führerschein Klasse drei sei erforderlich für die Mercedes-Sprinter der Firma, dann könne man sich melden.

Bis dahin rate er seinen Leuten: „Nerven behalten.“ Zwar wisse auch er nicht, wohin sich alles entwickle, „aber wir müssen jetzt durchhalten“. Und wenn man sich in dieser Notlage bei den Kunden ordentlich präsentiere und sie gut behandle, sei das ja auch eine Chance für die Zeit danach.

„Das kriegen wir hin“, sagt auch Sebastian Pütz. Seit zehn Jahren ist er in Hohenfels-Essingen Chef des Eifeler Frischdiensts – demnächst: „Eifelfrisch“ –, gegründet von Friedhelm Hermes’ Bruder Herbert vor vier Jahrzehnten in Lissingen.

Neuendorf: ein Heiko-Wagen mit Fahrer Kai Thome (links) und seinem Chef Reinhard Steinkamp. Foto: Fritz-Peter Linden

Pütz hat 32 Mitarbeiter, davon insgesamt 18 am Steuer, sie fahren bis ins Saarland, nach Hessen, in den Raum Koblenz und sind natürlich auch in der Eifel unterwegs, von wo 90 Prozent der Lebensmittel im Wagen stammen.

Pütz schätzt, dass das Unternehmen aktuell etwa 40 Prozent mehr Umsatz mache als vor Corona. Das liege, findet er, aber auch daran, dass dies einfach eine unbedenkliche Art des Einkaufs sei: Alle Autos umgerüstet, alle mit Spuckschutz, Desinfektionsmittel und einem Becken mit heißem Wasser ausgestattet. Der Fahrer desinfiziere seine Hände, sichtbar für den Kunden, vor dem Verkauf, kassiere das Geld und desinfiziere sich vor dem Weiterfahren erneut. „Da ist die Ansteckungsgefahr fast null.“

Hohenfels-Essingen: Sebastian Pütz von Eifelfrisch. Er liefert an Kundschaft im Gebiet zwischen Mönchengladbach und Saarbrücken. Foto: TV/Mario Hübner

Alle Wagen umgerüstet: Das gilt auch bei der Firma Heiko mit ihren rollenden Märkten in Neuendorf und weiteren Standorten in Belgien und Luxemburg. „Es ist echt turbulent im Moment“, sagt der Chef, Reinhard Steinkamp. Ja, das Geschäft brumme, „wenn auch der Anlass sehr traurig ist“.  Und über seinem Unternehmen schwebe ebenfalls stets „das Damoklesschwert, dass eine Fahrerin oder ein Fahrer ausfällt wegen Corona. Aber das hatten wir noch nicht.“

Steinkamp spricht von rund 200 Anrufen derzeit – jeden Tag, seit die Krise immer deutlicher wurde. Und von erheblich mehr Neukunden im Vergleich zur vorvergangenen Woche.  Das wünsche man sich zwar, klar – „aber nicht unter diesen Umständen“.

Als einziger Anbieter liefert Heiko auch mit größeren Fahrzeugen, die von den Kunden betreten werden können. Auch die sind, wie alle, inzwischen auf den Corona-Stand umgerüstet.

Allerdings erlebe man  sowohl bei den kleineren „Thekenfahrzeugen“ als auch bei den größeren Wagen „eine Wahnsinnsdisziplin“ in der Kundschaft: „Wenn da einer drin ist, bleiben die anderen draußen. Und alle halten respektvoll Abstand.“ „Und alle sind sehr freundlich“, sagt Fahrer Kai Thome am Abend eines langen Arbeitstages.

Ach ja: Auch wenn es nicht zum Standardsortiment gehört – Klopapier verkaufen die Fahrer der Eifeler Mobilbetriebe auch. Solange der Vorrat reicht ...