Drei Monate nach der gewaltsamen Festnahme in Prüm: Wo stehen die Ermittlungen?

Kostenpflichtiger Inhalt: Kurzer Gewaltakt, aufwendiges Verfahren : Drei Monate nach der gewaltsamen Festnahme in Prüm: Wo stehen die Ermittlungen?

Drei Monate nach der eskalierten Festnahme eines Franzosen in Prüm: Der TV fragte bei der Staatsanwaltschaft Trier nach dem Stand der Ermittlungen: Viele Zeugen mussten vernommen werden.

Es ist an diesem Montag genau drei Monate her, dass eine nächtliche Festnahme mitten in Prüm Anwohner aufschreckte, ein bestürzendes Video hervorrief – und eine Ermittlung auslöste, in deren Zentrum ein Bundespolizist steht. Der Verdacht: Körperverletzung im Amt. Denn der Polizist soll – das Video eines Zufallszeugen lässt bei dem, was darauf zu erkennen ist, nicht unbedingt Zweifel zu – einen Verdächtigen malträtiert haben, mit Schlägen und Tritten. Wie es scheint, ohne erkennbaren Anlass. Allerdings ist auf dem halbminütigen Video auch nicht zu sehen oder zu hören, was dem mutmaßlichen Übergriff unmittelbar vorausging.

Die bestürzende Szene ist das spektakuläre Ende einer offenbar hochgefährlichen Verfolgungsjagd – was sich dabei ereignete, ist nicht bekannt.

Der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen gab damals in einem unserer ersten Artikel über den Vorfall an, dass der Festgenommene Widerstand geleistet habe. Die beiden beteiligten Streifen der Bundespolizei hatten in der Nacht von Sonntag, 8. September, auf Montag, 9. September, den Wagen und die drei Insassen auf der A 60 kontrollieren wollen, nach dem Grenzübertritt aus Belgien. Die jungen Franzosen rasten davon.

Die Verfolgungsjagd endete dann mitten in Prüm, auf dem Hahnplatz: Im dortigen Kreisverkehr berührten sich die Fahrzeuge von Verfolgern und Gejagten, ein Polizeiwagen setzte sich anschließend vor den BMW der Flüchtigen und stoppte ihn.

Kurz darauf ereignete sich die bestürzende Szene, der Mann aus dem Fluchtauto kam mit Prellungen und einer Platzwunde am Kopf kurzzeitig ins Krankenhaus.

Das Video machte die Runde im Internet und ging auch der Staatsanwaltschaft Trier zu, die seitdem ermittelt. Seitdem war nichts mehr zu erfahren – außer, dass die Urheberschaft des Videos geklärt werden konnte.

Was also ist der aktuelle Stand? Weiterhin steht allein der betreffenden Beamte im Fokus: „Die Ermittlungen richten sich nach wie vor nur gegen einen Beschuldigten“, sagt der Oberstaatsanwalt auf TV-Anfrage. Darüber hinaus gilt: Es zieht sich. Zwar sei inzwischen „schon eine Vielzahl von Zeugen vernommen worden“, sagt Peter Fritzen. „Die Vernehmungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Da die Vernehmung der in Frankreich lebenden Zeugen im Wege der Rechtshilfe durchgeführt werden muss, kann dies noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.“

Die Staatsanwaltschaft Trier habe deswegen „ein Rechtshilfeersuchen an die französischen Behörden gerichtet“. Eine Antwort liege noch nicht vor.

Der Oberstaatsanwalt bestätigt aber eine Information, die dem TV vorliegt: Der betreffende Beamte gehört nicht, wie zunächst von vielen vermutet, der Bundespolizeiinspektion Prüm an. Sondern einer Dienststelle am Niederrhein. Und wie kam der Kollege aus Nordrhein-Westfalen in die Eifel?

Als Gast und im Rahmen einer Zusammenarbeit: Beamte der Dienststelle aus dem Nachbarbundesland, sagt Peter Fritzen, „waren zum damaligen Zeitpunkt im Wege einer Hospitation bei der Bundespolizeiinspektion Trier tätig“ – und in jener Nacht gemeinsam mit den Trierer Kollegen bei Kontrollen im Grenzgebiet zu Belgien eingesetzt.

Weiteres ist derzeit nicht zu erfahren. Peter Fritzen: „Inhaltlich kann ich erst etwas dazu sagen, wenn die Vernehmungen abgeschlossen sind.“ Erst dann, wenn alles vorliege, könne man eine Bewertung vornehmen.

Das gilt auch für die drei Franzosen, in deren Auto die Polizeibeamten in jener Nacht Drogen fanden: Die Verfahren „wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie gegen den Fahrer wegen verschiedener Straßenverkehrsdelikte“, sagt Peter Fritzen, „sind ebenfalls noch nicht abgeschlossen“.