Waldbaden in der Eifel, ein Selbstversuch

Kostenpflichtiger Inhalt: Reporterin begibt sich zurück zu den Wurzeln : Waldbaden in der Eifel, ein Selbstversuch

Beate Kneip bietet Waldbaden an. Das ist ein Trend, der aus Japan stammt und auch in der Eifel wirkt  – sogar gegen Erkältung.

Shinrin-yoku – bitte was? Übersetzt wird das japanische Wort mit „Waldbaden“. Beate Kneip aus Bettingen bietet diese Praxis, die es in Japan schon seit 1982 gibt, in der Eifel an. Direkt an der B 50 zwischen Bitburg und Oberweis treffe ich sie, um selbst zu erleben, worum es beim Waldbaden eigentlich geht.

Normal dauern die Touren mehrere Stunden, eine konkrete Zeitspanne ist dabei nicht angegeben. „Beim Waldbaden lässt man sich treiben. Mit einer von vorneherein festgelegten Dauer geht das nicht so gut“, sagt Kneip mit einem Schmunzeln.

Die Achtsamkeitstrainerin bietet auch Waldbaden an. Foto: Fotostudio Creativ, Echternach

Sie ist Achtsamkeitstrainerin und seit kurzem Heilpraktikerin für Psychotherapie. Direkt von Anfang an strahlt sie eine sanfte Ruhe aus. Am Waldrand angekommen, fordert sie mich auf, alles Belastende erst mal abzulegen. Gemeinsam klopfen wir auch physisch den ganzen Alltag von uns ab. Nach der Vorbereitung geht es hinein in den kühlen Wald. Durch das Blätterdach erreichen einige Sonnenstrahlen den Waldboden und bilden so einen Flickenteppich aus Schatten und Licht.

Schweigend gehen wir nebeneinander und konzentrieren uns auf unseren Atem. „Nehmen Sie ganz bewusst Luft und achten Sie darauf, was Sie sehen, hören und riechen“, fordert Kneip mich auf, als wir losgehen. Die geschärften Sinne werden auf dem Weg belohnt – ein Eichhörnchen klettert gerade eine Tanne hinauf, überall knackt es im Gehölz, das Laub rauscht im Wind und der typische Waldgeruch steigt in die Nase. Selten ist mir die Lebendigkeit des Waldes so bewusst gewesen.

Ein weiterer Zwischenstopp: Beate Kneip macht mit mir eine Übung aus dem QiGong, „Stehen wie ein Baum“. Angeleitet von ihrer ruhigen Stimme wandert meine Aufmerksamkeit von meinen Füßen bis zum Scheitel. Dabei kommen die Gedanken zur Ruhe, die Verbindung zur Umgebung tritt mehr in den Vordergrund. Danach wieder die Augen zu öffnen, um wieder zurückzukommen, fällt fast schon ein bisschen schwer.

Kurz vor unserem Ziel geht es durch einen vornehmlich von Nadelbäumen bewachsenes Waldstück. An den Tannen ist Harz, von dem ich ein wenig zwischen den Fingern zu einer kleinen Kugel formen und daran riechen soll. Der intensive Tannengeruch erinnert an Weihnachten – und Erkältungsbäder oder Saunabesuche.

Vor fünf Jahren habe sie zum ersten Mal einer Gruppe Shinrin-yoku nähergebracht, erzählt Beate Kneip auf einer Bank mitten im Wald mit einer Aussicht auf ein kleines Tal. „Ich bin sehr naturverbunden und habe lange nach einer Möglichkeit gesucht, Natur und Achtsamkeit in Einklang zu bringen.“ Mit Waldbaden schaffe sie genau das.

Das Wissen darüber hat sie sich selbst beigebracht, mit Büchern überprüft sie immer wieder, ob sie noch auf dem neuesten Stand ist. Ihre geführten Touren könne man schon mit einer Art Choreographie vergleichen. Fest gesetzt sei dabei jedoch nichts, sondern immer passe sie sich an die Gruppe an. „Wenn ich merke, dass da etwas ist, das irgendwie belastet, komm ich zu meinem Lieblingssatz: ‚Mach’ eine Übung draus’“, sagt Beate Kneip lachend.

Dass Waldbaden so ein Trend geworden ist, insbesondere bei gestressten Städtern, erklärt die Achtsamkeitstrainerin so: „In all der Rast- und Ruhelosigkeit mit der viele durchs Leben hetzen, wird den Menschen bewusst, dass ihnen etwas fehlt. Dann suchen sie  neue Wege.“

Und mit dem Waldbaden werden viele positive Einflüsse verbunden. Die kann man physisch wie psychisch nachweisen. Der Aufenthalt im Wald baut Stresshormone ab, wirkt stimmungsaufhellend, senkt den Blutdruck, die Anspannung und Müdigkeit.

Die Luft allgemein ist reiner, weniger mit Schadstoffen belastet und der Wald gibt zudem noch jede Menge Phytonzide ab, die für die Gesundheit förderlich sind. Das sind chemische Stoffe, die von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Bakterien produziert werden. Insbesondere dabei entstehende Terpene sollen laut japanischen Studien einen positiven Effekt auf die „Natürlichen Killerzellen“ haben und diese ansteigen lassen. Diese helfen etwa bei der Bekämpfung von Krankheiten und Tumoren.

Einfach „nur“ spazieren gehen im Wald hilft da natürlich auch – beim Waldbaden wird jedoch durch Elemente der Meditation und Achtsamkeit ein besonderer Fokus auf das bewusste Erleben gelegt.

Gestartet bin ich übrigens mit den Nachwehen einer kleinen Erkältung zu meinem ersten Waldbad. Ob das jetzt Aberglaube ist oder nicht: Hals- und Kopfschmerzen sind seit den zwei Stunden im Wald wie weggewischt.

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