Jagd auf Wildschweine - Großeinsatz der Jäger an der Obermosel

Kostenpflichtiger Inhalt: Zu viele Wildschweine, die Schäden verursachen : 50 Jäger am Samstag an der Obermosel im Einsatz

Zwischen Wellen, Tawern und Nittel wird es am Samstag laut. Dort gehen 50 Teilnehmer auf Wildschwein-Jagd. Mit solchen Aktionen sollen Wald und Landwirtschaft vor Schäden bewahrt werden. Das Fleisch der getöteten Tiere ist jedoch nicht so leicht verwertbar.

Wildschweine sind eine Plage für die Landwirtschaft – und für manchen Gartenfreund. Das sogenannte Schwarzwild findet dank des Klimawandels und einer Landschaft, die mit verwilderten Weinbergen, Hecken und unzugänglichen Gebüschen perfekte Verstecke bietet, beste Bedingungen vor. Die Folge: Die Population wächst – auch, weil die Wildschweine keine natürlichen Feinde haben. Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg, der Kreisjagdmeister, die Landwirte – sie alle fordern, dass es den Wildschweinen an den Kragen geht.

Ein gutes Beispiel für die Wildschäden gibt es im Nitteler Ortsteil Köllig. Dort richteten die Tiere in den vergangenen Jahren große Schäden an. Ein Landwirt berichtet, dass ihm allein im Jahr 2018 Schäden im niedrigen fünfstelligen Bereich entstanden seien. „Die Jagdpächter müssen für die Schäden aufkommen, aber die Durchsetzung der Ansprüche ist eine mühselige Angelegenheit“, sagt der Landwirt. Sein Flehen und Bitten, dass die Jäger doch mehr Wildschweine schießen sollten, wurde im vergangenen Jahr erhört. Allein in Köllig wurden rund 80 Schweine erlegt. Jäger Ingo Müller aus Nittel berichtet, dass 2019 im Nitteler Revier rund 50 Wildschweine erlegt wurden. Insgesamt wurden im Kreis Trier-Saarburg von April 2019 bis heute rund 3750 Wildschweine geschossen.

Trotzdem ist die Wildschweinpopulation immer noch groß. Am heutigen Samstag, 11. Januar, findet daher eine große revierübergreifende Jagd in Wellen und an der Straße zwischen Onsdorf und Tawern statt. 50 Schützen, rund zehn Hunde und einige Treiber werden dann auch unzugängliches Gelände durchkämmen, um die Tiere aufzuscheuchen und vor die Gewehre zu treiben. Mit Schussgeräuschen ist daher zu rechnen. Natürlich werden die Jäger pflichtgemäß Warnschilder aufstellen. Sie bitten aber zusätzlich darum, dass Wanderer oder Spaziergänger mit Hunden besonders aufmerksam sind und die Warnungen beachten. Vormittags sei man in der Wellener Flur unterwegs, am Nachmittag im Dreieck zwischen Nittel, Onsdorf und Tawern.

Nach der Treibjagd an diesem Wochenende ist die Jagdsaison aber noch nicht beendet, erklärt Ingo Müller weiter. Eine Schonzeit gebe es für Wildschweine nicht, aber man würde dann vom Ansitz oder Hochsitz aus auf die Jagd gehen.

Diese Jagdmethode sei auch für die Fleischverwertung sehr viel besser, sagt Metzger Siegfried Könen aus Saarburg. Sein Betrieb gehört zu den wenigen, die eine Lizenz zur Annahme und Verarbeitung von Wildfleisch haben. „Ich nehme nur Fleisch von Tieren an, die nicht per Treibjagd erlegt wurden und bei denen hygienisch einwandfrei gearbeitet wurde“, sagt Könen.

Immerhin rund 150 Wildschweine jährlich kann Könen über seinen Betrieb absetzen. Doch der Aufwand ist groß. „Ich muss das Wild von anderem Fleisch getrennt aufbewahren und verarbeiten, dazu benötigt man entsprechende Räume“, sagt der Metzgermeister. Da die Wildschweine intensiver bejagt würden, was auch an dem Druck liege, den der Kreisjagdmeister und die Landwirte ausübten, sei der Preis für Wildschweinfleisch zurzeit im Keller, erläutert Jäger Müller: „Großmetzgereien zahlen nur 50 bis 60 Cent pro Kilo. Und die Tiere dürfen ja nicht einfach vergraben werden.“ Für die bei der Treibjagd erlegten Tiere gebe es daher kaum eine vernünftige Verwertung.

Die Bemühungen, die Population etwas einzudämmen, scheinen aber im abgelaufenen Jahr durchaus erfolgreich gewesen zu sein. Der Kölliger Landwirt berichtet, dass seine Wildschäden 2019 deutlich zurückgegangen seien.

In der Kreisverwaltung Trier-Saarburg sieht man noch einen weiteren Punkt, der für eine intensivere Bejagung der Wildschweine spricht. „Sollte die afrikanische Schweinepest von Belgien, wo sie schon nachgewiesen wurde, auf unsere Region übergreifen, ist die Verbreitung der Krankheit bei einer hohen Population sehr viel einfacher und damit auch bedrohlicher für die Landwirtschaft“, erklärt Pressesprecher Thomas Müller.

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht man die Problematik ebenfalls. „Wildschweine haben keine natürlichen Feinde. Sie zerstören sensible Biotope wie Bachquellen, Magerwiesen und artenreiche Weiden, die für die extensive Landwirtschaft von großer Bedeutung sind“, sagt Maria Eiden-Steinhoff vom BUND, Kreisgruppe Trier-Saarburg. Auch aus Gründen des Naturschutzes sei bei der unnatürlich großen Zahl von Wildtieren, die ja zum Teil durch Fütterungen künstlich hochgehalten werde, eine Bejagung leider notwendig. „Aber“, so fügt die Naturschützerin hinzu, „natürlich wäre es besser, wenn sich die Population auf natürliche Weise regulieren würde.“

Die Landwirte können und wollen darauf nicht warten. Tom Boesen aus Bilzingen sagt: „Die Wildschweine sind nur dann ein Problem für die Landwirtschaft, wenn die Jagdpächter ihren Job nicht ernst nehmen und sich nicht genügend kümmern.“ Die Treibjagd am Wochenende in Wellen und Nittel könnte also möglicherweise dazu beitragen, dass die Kritik an den Jagdpächtern abebbt. Die Frage „Wohin mit dem Wildschweinfleisch?“ bleibt aber weiterhin offen.