Staatsanwaltschaft Trier ermittelt gegen falschen „Gynäkologen“

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Staatsanwaltschaft Trier ermittelt gegen falschen „Gynäkologen“

Anklage wegen Missbrauchs von Berufsbezeichnungen und gefährlicher Körperverletzung: Ein Rettungssanitäter aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich soll sich als Arzt ausgegeben haben. Nach TV-Informationen ist er einschlägig vorbestraft.

„Gynäkologische Untersuchungen“ in der privaten Wohnung eines Quacksalbers: Darauf soll sich nach bisherigem Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft Trier eine Frau im Landkreis Bernkastel-Wittlich eingelassen haben. Bei dem mutmaßlichen Frauenarzt, dem die mutmaßliche Geschädigte in seine private Wohnung gefolgt sein soll, um sich dort „untersuchen zu lassen“, soll es sich nach Informationen der Staatsanwaltschaft nämlich gar nicht um einen echten Arzt gehandelt haben. „Die Staatsanwaltschaft Trier führt ein Strafverfahren gegen einen Mann, der als Rettungssanitäter tätig war“, erklärt Peter Fritzen, Leitender Oberstaatsanwalt, auf TV-Anfrage.

Dem Mann werde vorgeworfen, einer Bekannten vorgespiegelt zu haben, er sei Frauenarzt. Auf diese Weise soll er sie dazu gebracht haben, sich in vier Fällen von ihm in seiner Wohnung „gynäkologisch untersuchen zu lassen“. Die Frau, so erklärt Fritzen, habe sich im Vertrauen darauf, dass es sich um einen ausgebildeten Arzt gehandelt habe, daauf eingelassen. Die Taten sollen zwischen 2016 und 2017 passiert sein, seien aber erst Anfang 2019 zur Anzeige gebracht worden.

Dem Mann werde außerdem vorgeworfen, führt Fritzen weiter aus, von Juli bis Oktober 2018 vier Patienten, die er als Rettungssanitäter behandelt haben soll, jeweils peripher-venöse Zugänge gelegt zu haben. Dabei handelt es sich um Katheter, die der intravenösen Verabreichung von Medikamenten dienen.

„Die Eingriffe erfolgten zwar fachgerecht. Der Angeklagte war jedoch nach dem Ergebnis der durchgeführten Ermittlungen nicht berechtigt, die Eingriffe durchzuführen, nachdem seine Zulassung als Rettungsassistent von der Zulassungsbehörde zuvor widerrufen worden war.“ Darüber habe der Beschuldigte seinen Arbeitgeber allerdings in Unkenntnis gelassen.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Mann inzwischen Anklage wegen Missbrauchs von Berufsbezeichnungen und gefährlicher Körperverletzung zum Amtsgericht – Schöffengericht – Wittlich erhoben. „Er ist einschlägig vorbestraft“, sagte Fritzen, ohne sich zu Details und dem Umfang der Vorstrafen des Mannes zu äußern.

Das Amtsgericht Wittlich hat inzwischen das Hauptverfahren eröffnet und auch schon den Termin zur Hauptverhandlung bestimmt. Diese wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft voraussichtlich im Dezember beginnen. In der öffentlichen Verhandlung wird dann auch das Vorstrafenregister des Mannes verlesen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft dürfte allein das schon nicht ganz uninteressant werden. Denn als „einschlägig vorbestraft“ bezeichnet man Beschuldigte, die sich wegen desselben Deliktes mehrfach strafbar gemacht haben. In einem neuen Strafverfahren spielt es eine erhebliche Rolle, ob jemand als Wiederholungstäter gilt. Im Falle einer Verurteilung kann das nämlich zu einer erheblich höheren Strafe führen.

Nach TV-Informationen soll der Mann mehrere Jahre als Rettungssanitäter in der Region gearbeitet und zudem als solcher auch ehrenamtlich tätig gewesen sein.

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