Wo ist Platz für Industrie und Gewerbe

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : Wo ist Platz für Industrie und Gewerbe?

Studie für mögliche Standorte in der VG Wittlich-Land vorgestellt. Büro erkennt mehr als 1300 Hektar Potenzial.

Industrie- und Gewerbeflächen in und um Wittlich sind begehrt, insbesondere entlang der Lebensadern A1, A60 und neuerdings auch der B 50 neu. Allerdings sind sie kaum mehr zu finden. Wie Dennis Junk, Bürgermeister der VG Wittlich-Land auf einer Ausschusssitzung erklärte, bekomme die Verwaltung ständig Anfragen von Unternehmen, die auf der Suche nach Flächen für Industrie und Gewerbe seien. Junk: „Da sind große Anfragen bei. Die wollen 13, 25 oder gar 30 Hektar.“ Aber diese Anfragen bekomme man nicht bedient. Jüngst habe man dem Automobilhersteller Mercedes, der auf der Suche nach einem 13 Hektar großen Areal für einen Auto-Umschlagplatz sei, eine Absage erteilen müssen. Junk: „Auch das weitere Potenzial für Gewerbe und Industrie auf der Gemarkung der Stadt Wittlich geht, wie Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagt, bald dem Ende zu.“

In der Verbandsgemeinde gibt es aktuell kein Angebot an industriell nutzbaren Flächen. Allenfalls kleinere Areale sowie Erweiterungsflächen für Gewerbebetriebe sind noch im Angebot oder stecken in der Entwicklung. Selbst die angestrebte Erweiterung des IRT bei Hetzerath, 45 Hektar sollen hinzukommen, ist angesichts der Nachfrage nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der große Wurf fehlt – und das obwohl die lange geplante Eröffnung des Hochmoselübergangs, als Infrastrukturprojekt mit weiterer Schubkraft für die Wirtschaft in der Region, nun die Nachfrage weiter anheizen dürfte.

Standortkonzept Vor diesem Hintergrund hatte der Verbandsgemeinderat Wittlich-Land vergangenes Jahr eine Studie in Auftrag gegeben. Das Trierer Planungsbüro BGH-Plan wurde beauftragt, potenzielle Standorte für Industrie und Gewerbe in der VG Wittlich-Land ausfindig zu machen. BGH-Plan hat nun geliefert.

Ergebnis Der Geograf Joachim Sautter präsentierte auf einer Ausschusssitzung im Sitzungssaal der Verbandsgemeinde am Dienstagabend die Ergebnisse.

„Bei unserer Untersuchung haben wir uns wie vereinbart auf großflächige sowie industriegebietsfähige Flächen konzentriert, aber nicht auf mögliche kleinflächige Erweiterungen am Ortsrand.“ So nahm das Büro bei seiner Untersuchung hauptsächlich potenzielle Flächen größer als 40 Hektar ins Visier. Flächen mit ungeeigneter Topographie, Naturschutzgebiete oder zu großer Nähe zu Ortslagen mussten aussortiert werden. Darüber hinaus schränkten viele weitere harte und weiche Ausschluss- sowie Eignungskriteriendas Büro BGH-Plan bei seiner Suche nach potenziellen Standorten ein. Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen: 39 Potenzialflächen für Industrie- und Gewerbe in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land präsentierte Sautter den Ausschussmitgliedern. Wo ist dabei möglicherweise Platz für Industrie? Folgende Ortschaften kamen bei der Vorstellung der Ergebnisse zur Sprache: Altrich, Bergweiler, Dreis, Eckfeld, Esch, Klausen, Hetzerath, Landscheid, Osann-Monzel, Platten und Sehlem. Weiteren Raum für Gewerbegebieteist laut der Studie in folgenden Orten: Altrich, Binsfeld, Dreis, großlittgen, Hasborn, Landscheid, Laufeld, Niederöfflingen, Platten, Salmtal, Sehlem und Wallscheid. Dabei sei die angepeilte Größe von mehr als 40 Hektar in einigen Bereichen jedoch nur im Verbund der Flächen mehrerer Ortschaften zu finden, wie Sautter erklärte. Allein wegen der Studie und den nun bekannten Potenzialflächen werden dort nun aber keine Industrie- und Gewerbegebiete erschlossen. Auch wenn die zusammenaddierte Potenzialfläche von 1352 Hektar dem ein oder anderen Investor bereits ein Funkeln in die Augen zaubern dürfte. Aufgrund erwartbarer Schwierigkeiten bei einer Entwicklung zum Gewerbe- und Industriestandort klassifizierte das Büro fünf Potenzialflächen bereits mit dem Attribut „nicht empfohlen“.

Die wohl größte Hürde auf dem Weg der Entwicklung vieler dieser Potenzialflächen zu Gewerbe- oder Industriegebieten sei in den landwirtschaftlichen Belangen zu sehen, erklärte Sautter. Denn sie werden landwirtschaftlich intensiv genutzt. In einigen ins Auge gefassten Bereichen wie in Landscheid liegen landwirtschaftliche Gehöfte gar mitten im Plangebiet. In anderen Bereichen wie beispielsweise in Eckfeld nahe des Holzmaares sind es wiederum touristische Aspekte, die einer Realisierung im Wege stehen könnten.

„Wir werden da jetzt kein Industriegebiet ans Holzmaar schustern“, sagte Junk. Bei der Studie kämen zwar enorme Hektarzahlen raus. „Das IRT Trier hat 100 Hektar. Wir werden aber jetzt nicht zwanzigmal 100 Hektar ausweisen.“ Die Ergebnisse des Standortkonzeptes würden bloß zeigen, was theoretisch denkbar wäre. Die Ergebnisse seien auch dahingehend von Interesse, sagte Junk, da nun Kommunen sehen würden, ob die jeweiligen Nachbargemeinden Potenzial hätten. Denn in Zusammenarbeit ließen sich Gewerbe- und Industriegebiete möglicherweise leichter umsetzen.

Die geringsten Hürden und damit größten Chancen zur Realisierung weiterer Industrie- und Gewerbestandorte sieht BGH-Plan an den Standorten Platten, Osann-Monzel und Hetzerath, wobei sich in den beiden letztgenannten Orten bereits Areale in der Entwicklung befinden. Die Potenzialflächen, die BGH-Plan dort sieht, gehen jedoch über die aktuell laufenden Planungen hinaus.