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Doc Caro rettet Mann mit Herzstillstand beim ersten Einsatz in Region Trier

Wunder von Wittlich : Als das Herz plötzlich stillsteht: Doc Caro und ihr erster Einsatz in der Region Trier

Am 14. Dezember 2021 steht das Herz von Karl-Heinz Schwall plötzlich still. Einfach so. Nur dank des beherzten Zugreifens von Ersthelfern und der aus dem Fernsehen bekannten Hubschrauber- und Intensivärztin Doc Caro ist der Ausbildungsberater der Handwerkskammer heute „wieder wie vorher“. Eine Geschichte, wie sie jedem passieren könnte.

So packend, so spannend und gleichzeitig so ergreifend kann kein Roman sein, solche Geschichten schreibt wohl nur das Leben. Und das ist kostbar, wie nur wenige es jemals so intensiv begreifen werden, denen wie Karl-Heinz Schwall plötzlich das Herz stillsteht. Einfach so. Ohne Anzeichen, ohne Krankheit. Und doch ist es so passiert. Und seine Geschichte zeigt auch, wie wichtig jeder Einzelne von uns sein kann – ohne vorgewarnt zu sein. Doch von vorn.

Karl-Heinz Schwall (heute 62) fährt am 14. Dezember 2021 nachmittags in seiner Funktion als Ausbildungsberater der Handwerkskammer Trier mit seinem Kollegen Ralf Becker in ein Autohaus nach Brauneberg. Auszubildende und Chef begrüßen die beiden. „Mitten im Satz falle ich seitlich um – in die Arme meines Kollegen“, erinnert sich Schwall. „Film Ende!“ Von da an weiß er nicht, was passiert. Fast eine Woche lang nicht.

Doch genau hier laufen alle Rädchen ineinander, sodass am Ende das Geschehene als „Wunder von Wittlich“ in das Buch der Hubschrauber-, Notfall- und Intensivmedizinerin Carola Holzner, den meisten seit Corona aus dem Fernsehen besser als Doc Caro bekannt, eingehen wird.

Das Wunder, das beginnt damit, dass kurz nach Schwalls Abgleiten die Auszubildende den Krankenwagen ruft, über die Leitstelle Kontakt hält und die Situation beschreibt. Eine herbeieilende Krankenschwester eines mobilen Pflegedienstes in der Nähe erkennt die Notlage, fühlt den Puls und beginnt mit einer Herz-Druck-Massage. Als der Rettungswagen anrückt, kommt der Elektroschock erstmals zum Einsatz – doch ohne Erfolg. In der Zwischenzeit wird der Rettungshubschrauber Christoph 10 in Wittlich informiert. Mit an Bord: Doc Caro bei ihrem ersten Einsatz im Hubschrauber überhaupt.

Warum der erste Einsatz von Doc Caro mit dem Christoph 10 gefilmt wurde

Was niemand weiß: Sie wird mit einer Bodycam von einem Filmteam begleitet, das ein Jahr lang ihre Einsätze zu einer Doku zusammenfasst. Nun eben auch den bei Karl-Heinz Schwall. Mit der Übernahme des Patienten beginnt die moderne Notfallmedizin aus Medikamentencocktail, nochmaligen Elektroschocks und weiteren Massagen: „Und du stirbst mir nicht!“, bedrängt ihn Ärztin Holzner. Sie weiß: „Ich habe ein Gespür dafür, wenn ich sehe, dass wir alle eine Chance haben. Herr Schwall hat gekämpft, und wir haben gekämpft!“ Mit Erfolg. Plötzlich beginnt das Herz wieder zu schlagen. Karl-Heinz Schwall kommt auf die Intensivstation in Wittlich – und bleibt zunächst im Koma.

Die Familie leidet, ist wie gelähmt, funktioniert wie mechanisch. „Die Welt stand für sie still“, weiß er. „Es gab keine Einschätzung darüber, wie es mir geht – ob ich überhaupt überlebe und wenn ja, wie stark beeinträchtigt, körperlich wie geistig.“ Doch der dreifache Familienvater schlägt nach sechs Tagen wieder die Augen auf. „Ich fühlte mich körperlich schwach, aber total normal.“ Und als seine Frau ihn am Krankenbett fragt, was passiert ist, konnte er nichts antworten. „Für mich war die Sache abgehakt.“

Wie Karl-Heinz Schwall nach seinem Herzstillstand kämpft – und überlebt

Das nächste Wunder: Schwall hat keine Gedächtnislücken, kann PIN-Nummern genauso aufsagen wie Geburtsdaten oder Adressen. Er will sich die Schläuche entfernen, denn es ist kurz vor Weihnachten „und der Tannenbaum hat noch nicht gestanden“ – doch der Körper streikt.

Das Herz hat eine so geringe Leistung, dass sein gesamter Körper voller Wassereinlagerungen ist, Hände und Füße doppelt so groß sind. Sein purer und auch sturer Lebenswille lässt ihn durchhalten, er isst stoisch Speisen, die er nicht schmeckt, um zu Kräften zu kommen. „Ich wusste nicht, wie knapp die Sache war.“ In Teilnarkose und bei Bewusstsein wird Schwall am 20. Dezember am Herzen operiert, ein Herzschrittmacher mit Defibrillator-Funktion soll ihn künftig schocken, wenn die Herzleistung nachlassen sollte.

Von da an nimmt das Wunder weiter seinen Lauf: An Heiligabend wird Karl-Heinz Schwall entlassen. In der Familie gibt es einen guten Brauch. Während seine Frau zu Weihnachten auf Wham! und „Last Christmas“ steht, schwärmt er für Chris Rea und „Driving home for Christmas“. Welches Lied sollte nach dieser Tortur wohl auch sonst gespielt werden?

Was dem Ausbildungsberater und gelernten Maschinenbaumeister aber besonders wichtig war: „Ich musste meinem Kollegen und vierfachen Vater Ralf Becker vor Weihnachten sagen, dass es mir gut geht.“ Und so sieht Schwall jeden Anruf und später jeden Besuch mit all den Freudentränen, Genesungswünschen und Glückwünschen als Teil seiner Verarbeitung, dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen zu sein.

Warum der Fall von Karl-Heinz-Schwall Doc Caro besonders zu Herzen ging

Des Wunders noch nicht genug: Die älteste Tochter Johanna nimmt über Instagram Kontakt zu Doc Caro auf – damit sich Schwall für sein zweites Leben bedanken kann. Denn Notärzten bleibt es aus Datenschutz versagt, sich im Nachgang nach dem Befinden der Patienten zu erkundigen. „Ich liebe die Notfallmedizin, aber dies ist der Wermutstropfen unseres Jobs, dass wir nicht oft wissen, ob es der Mensch wieder zurück in sein altes Leben geschafft hat“, sagt Doc Caro, Carola Holzner. Zur Motivation sei dies eigentlich wünschenswert.

Im Fall von Karl-Heinz Schwall kommt der Kontakt mit ihr zustande – in der Reha-Klinik: Sie drückt und herzt ihn, er schenkt ihr ein aus Holz gebasteltes Herz. Und auch die anderen Helfer sucht er auf, vom Autohaus bis zum Hubschrauberteam. Er weiß: „Ich bin dankbar dafür, dass keiner den Versuch aufgegeben hat, mich am Leben zu erhalten.“ Inzwischen kann er wieder alles – und soll es auch tun. Und so fährt er Motorrad, verschweißt Metall und arbeitet wieder als Ausbildungsberater – in seinem 48. Berufsjahr.

Und das ist das größte aller Wunder für Doc Caro: „Ich habe noch nie einen meiner Patienten nach Wiederbelebung außerhalb des Krankenhauses wieder treffen dürfen – bis jetzt.“ Und so zeige ihr, die für Erste Hilfe als Schulfach wirbt, der Fall Karl-Heinz Schwall: „Nur Nichtstun ist im Notfall falsch. Bitte einfach machen! Dann haben auch wir als Rettungsdienst eine Chance.“

Am Donnerstag, 29. September, startet auf Sat.1 die neue Doku-Reihe „Doc Caro – Einsatz mit Herz“, in der die Intensiv-Medizinerin ein Jahr lang bei Einsätzen begleitet wurde. Und der Fall von Karl-Heinz Schwall wird einer der ersten sein, der ab 20.15 gezeigt wird.

 Nach seiner Rettung besucht Karl-Heinz Schwall mit seiner Tochter Johanna das Rettungsteam der Hubschrauberstaffel Christoph 10 in Wittlich.
Nach seiner Rettung besucht Karl-Heinz Schwall mit seiner Tochter Johanna das Rettungsteam der Hubschrauberstaffel Christoph 10 in Wittlich. Foto: Johanna Schwall

Darüber hinaus liest Doc Caro auch aus ihrem neuen Buch mit dem Fall Schwall am 19. November in Morbach und am 13. Januar in Klausen.