Januar 2019: Kirchenbasis übt weiter Kritik am Bistum

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Viele Katholiken in der Stadt Trier und im Kreis Trier-Saarburg begrüßen das Hinauszögern der großen Reform der Pfarreien. Es gibt aber auch Zweifel am neuen Zeitplan – und viele offene Fragen.

Das Bistum Trier wird sich in den nächsten Jahren verändern. Statt der 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften eingegliedert sind, soll es künftig 35 Großpfarreien geben. 13 davon sollen zum 1. Januar 2020 geschaffen werden. Unter den Frühstartern ist von den zwölf geplanten XXL-Pfarreien in der Region Trier nur eine: die Großpfarrei Wittlich, die mit dem jetzigen Dekanat Wittlich identisch ist. Die anderen elf Großpfarreien zwischen Prüm und Saarburg sowie Bad Neuenahr und Hermeskeil, darunter die Großpfarreien Trier, Schweich, Saarburg und Hermeskeil, sollen laut den neuesten Plänen des Bischofs bis 2022 reformiert werden – also später als bisher geplant.

Diese Nachricht stößt in Trier und dem Kreis Trier-Saarburg auf Lob und Kritik zugleich. Angesichts dessen, dass die Zahl der Katholiken in der Region zurückgeht und es immer weniger Priester gibt, sind sich alle an der Kirchenbasis bewusst, dass etwas geändert werden muss. Allerdings gibt es aus Sicht der ehrenamtlich Engagierten noch offene Fragen zur Reform.

Kritik von der Basis Froh darüber, dass die „Pfarrei der Zukunft“ erst ein bis zwei Jahre später umgesetzt wird, ist Joachim Wagner, Vorsitzender des Pfarreienrats Schweich. So habe man die Möglichkeit, sich besser auf die neue Struktur vorzubereiten und Erfahrungswerte der 13 Vorreiter einfließen zu lassen. Wagner hätte sich gewünscht, dass der Bischof bei seiner Pressekonferenz mehr Informationen zur Bistumsreform gibt: „Wichtig wäre zu wissen, wie es Ende des Jahres mit den Gremien weitergeht. Muss neu gewählt werden, oder wird die Periode nur verlängert?“

In einem ersten Schritt hatte das Bistum zunächst eine Großpfarrei Schweich-Hermeskeil mit Sitz in Hermeskeil geplant, war dann aber aufgrund zahlreicher Proteste an der Mosel zurückgerudert. Im zweiten Entwurf wurde dann eine eigenständige Großpfarrei Schweich berücksichtigt (der TV berichtete).

Klaus Christmann, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Welschbillig, zeigt sich von der neuen Entwicklung überrascht. Ein Aufschub macht für ihn keinen Sinn: „Je länger man mit der Reform wartet, umso mächtiger wird sie uns einholen.“ Der Priestermangel werde ja nicht besser, indem man warte. Die Eifelgemeinde Welschbillig gehört zur künftigen Großpfarrei Trier.

Anders wird die Verzögerung in den Trierer Pfarreien aufgenommen, die – nun später als geplant – wie Welschbillig in der Großpfarrei Trier aufgehen werden. Guido Leonardy, stellvertretender Vorsitzender des Pfarrverwaltungsrats St. Maternus (Trier-Heiligkreuz) lehnt die Bistumsreform in der geplanten Form beispielsweise ab. „Das muss von unten kommen“, sagt Leonardy.  Deshalb setzt er auf Freiwilligkeit. Es sei gut, dass für seine Pfarrei der Zusammenschluss zur Pfarrei Trier verschoben worden ist. Die Konsequenz: „Wir machen so weiter wie bisher.“  Die Eigenständigkeit auch in finanziellen Fragen bleibe erhalten. Das bedeute auch, dass turnusgemäß die Vertreter der Gremien neu gewählt werden. Die Amtszeit der Pfarrgemeinderäte endet in diesem Jahr. Ebenso müssen Mitglieder der Verwaltungsräte neu bestimmt werden.

In St. Matthias nehmen sie die geplanten Änderungen (auch) mit Humor. Was die Mitglieder von der geplanten Bistumsreform halten, wird in der Einladung zu den Kappensitzungen der Pfarrei deutlich: „Mattheiser Piraten wild und frei – pfeifen auf die Großpfarrei“ lautet das Motto in diesem Jahr. Am Tag nach der Pressekonferenz des Bischofs sagt Gundula Braun, Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Matthias, im Gespräch mit dem TV: „Niemand weiß genau, was auf uns zukommt, das ist frustrierend und erschwert unsere Arbeit.“ Dass die Großpfarrei in Trier nun später kommt als ursprünglich angedacht, sieht sie positiv. „Es ist wichtig, dass die Menschen das Gefühl haben, dass die Kirche vor Ort präsent ist.“ Insofern sei es gut, dass die Pfarreien noch etwas mehr Zeit haben: „So können wir schauen, welche Angebote wir umsetzen können, um das zu erreichen.“

Beruhigende Worte Aus Sicht von Doris Weirich hat die Ankündigung des Bischofs „den Ehrenamtlichen den Druck genommen“. Die Geschäftsführerin des Dekanatsbüros Konz-Saarburg geht davon aus, dass die Reform in Saarburg/Konz und Kell am See zum 1. Januar 2022 in Kraft tritt und dass die Gremien in der bestehenden Form vorerst erhalten werden.

Die Befürchtungen der Laien versucht sie im Gespräch mit dem TV auszuräumen. Weirich betont, dass es weiterhin ein Wahlrecht für jeden Katholiken gebe. Somit würden alle Orte angemessen repräsentiert. „Wir brauchen die Ehrenamtlichen künftig noch dringender“, sagt Weirich sogar. „Die Laien werden eine ganz starke Stimme haben.“ Im Detail habe bei der Umsetzung der Reform jeder „Ort von Kirche“ das Recht, seine Repräsentanten in die Synodalversammlung zu schicken, in der über die Besetzung des Rats der Pfarrei entschieden werden soll. Der Rat der Pfarrei wiederum entscheide über die Besetzung der Verwaltungsgremien vor Ort. Orte von Kirche sind dabei nicht nur Kirchengemeinden: Das können laut Bistum auch Kitas, Frauengemeinschaften, Kirchenchöre oder Seniorenheime sein. Weirich verweist auf einen Newsletter des Bistums, der seit November 2018 auf www.bistum-trier.de einsehbar ist. Darin werde alles im Detail erläutert. Und nicht nur die Beteiligungsmöglichkeiten sollen bleiben: Künftig werden Teams in den Dörfern und Stadtteilen weiterhin die Finanzen vor Ort verwalten. Weirich verspricht: „Für kleinere Beschaffungen ist immer Geld da.“

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