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Eifel Tourismus GmbH sieht Chancen für ein restliches gutes Jahr

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismusentwicklung : Ausgerechnet die Corona-Krise könnte einige neue Gäste in die Eifel bringen

In Folge der Corona-Krise sind die Einbußen beim Tourismus als Leitbranche der Region gigantisch. Die Hoffnung, für einen tragfähigen Neuanfang gut gerüstet zu sein, ist jedoch ebenfalls groß und wohl auch nicht ganz unbegründet.

Viel ärgerlicher hätte der März für die Gastronomen und Touristiker in der Eifel nicht verlaufen können: „Es war eine echte Vollbremsung, anfangs war alles in Schockstarre“, erläuterte der Vulkaneifeler Landrat Heinz-Peter Thiel, in Personalunion Aufsichtsratsvorsitzender der Eifel Tourismus (ET) GmbH, anlässlich eines online-Pressegesprächs mit dem hoffnungsvollen Titel „Corona-Pandemie: Der Weg zur Regeneration des Tourismus in der Eifel“.

Eigentlich hätte es nämlich Anfang März auf der wegen des Coronavirus abegsagten Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin durchaus positive Zahlen zu verkünden gegeben: zum Beispiel bei den Buchungen ein Umsatzplus von 22 Prozent. Gastgeber wie etwa Florian Kucher, Hotelier und Sternekoch aus Darscheid, haben vor diesem Hintergrund in großem Stil Investitionen getätigt. Gut sah es aus für die rund 30♦000 Beschäftigten, die in der Region vom Tourismus abhängen.

Dann kam Corona mit allen bekannten Folgen: Allein für die drei Monate März bis Mai ist ein Umsatzeinbruch von vierzig Prozent zu beklagen. „Das ist auch nicht mehr auffangbar, denn die Restaurantbesuche oder Hotelaufenthalte können nicht nachgeholt werden“, so Thiel.

Aber für ihn wie für die Touristiker und Gastronomen heißt es offenkundig: Bange machen gilt nicht. „Wir wollen die Krise als Chance für die Eifel nutzen, denn nun zieht es die Menschen erst recht raus aus ihren urbanen Bereichen. Sie suchen die Erholung auf dem Land, angesichts der Lage natürlich im Inland. Also machen wir uns jetzt daran, den Neustart zum Erfolg zu bringen.“

Klaus Schäfer, Geschäftsführer der ET, verwies auf positive Zugriffszahlen im Internet, was Wander- und Radwanderangebote in der Eifel betrifft: „Die Nachfrage ist sogar gestiegen. Unsere Rolle ist es momentan, Freizeitaktivitäten zu präsentieren, die jedoch nicht zu große Besucherströme auslösen. Wir müssen bewusst machen, was angesichts der Pandemie-Schutzmaßnahmen geht und was nicht.“ Denn manche Wanderparkplätze an den zertifizierten Traumpfaden oder auch bekannte Sehenswürdigkeiten wie der Nohner Wasserfall erwiesen sich in den letzten Wochen als zu heißer Tipp für Hunderte Tagestouristen und Einheimische, die sich an den Hotspots gleichzeitig drängten.

„Auf einer neuen Seite unseres eifel.info-Internetauftritts stellen wir unter dem Motto ‚Wieder auf Tour‘ nun gezielt Tagesausflüge oder Kurztrips vor, die genauso attraktiv, aber nicht so bekannt sind. Wichtig ist, dass sie nicht allein das Naturerlebnis bieten, sondern dass damit auch Wertschöpfung für die Betriebe verbunden ist.“

Wie wichtig das ist, erläuterte Florian Kucher. „Wir sind sehr erleichtert, jetzt wieder öffnen zu können, aber wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und vieles komplett umstrukturieren.“ Denn die Platzkapazitäten sind angesichts der Abstandsregelungen geringer, also muss alles neu kalkuliert werden. „Wir werden unser Take-away mit entsprechender Karte vorerst beibehalten“, verspricht der Sternekoch, „auch die Preise erhöhen wir nicht. Wir wollen die Nähe zu unseren Gästen behalten und wissen, dass in der Krise viele mehr aufs Geld achten müssen.“

Sogar für manch einen eingeborenen Eifeler soll es bei „Wieder auf Tour“ neue Aha-Erlebnisse geben: Wer aus der Vulkaneifel kennt etwa die familienfreundliche Struffelt-Route bei Roetgen mit Moor, Heide und Talsperren? Auch regionstypische Einkaufsmöglichkeiten, zum Beispiel urige Hofläden, kommen ins eifelweite Marketing.

„Der Beratungsbedarf für uns hat sich verändert“, bestätigte Vera Merten, Geschäftsführerin des GesundLand Vulkaneifel, die notwendige Verlagerung von den bekannten Highlights hin zu mehr Geheimtipps. „Jetzt sind häufiger die lokalen Wanderwege und Angebote gefragt.“ Darauf hat sich das GesundLand unter anderem mit einer Überarbeitung der Datenlage eingestellt. In einer Stärkung des digitalen Angebots sah auch Klaus Schäfer eine der wesentlichen Veränderungen, die wohl Corona überdauern wird.

„Wichtig ist, dass wir immer die Bevölkerung ‚mitnehmen‘ und es keine Konkurrenz zwischen Gästen und Einheimischen gibt“, schilderte er einen Schulterschluss, der zwar selbstverständlich erscheinen mag, aber zuvor nicht so stark im Bewusstsein verankert war. Thiel zog aus den bisherigen Corona-Erfahrungen auch Positives: „Es ist die Stärke der Eifeler, dass Druck sie nicht klein, sondern kreativ macht und ihren Gemeinsinn befeuert.“

 Er zeigte sich überzeugt, dass der Massentourismus nachhaltig rückläufig ist und dann gerade die Eifel eine Alternative darstellt. „Wir werden noch lange mit Corona leben müssen. Aber wir haben hier die Power, flexible Lösungen zu finden und zugleich Sicherheit zu bieten.“ An mangelnden Bettenkapazitäten in der Eifel jedenfalls wird der Neustart nach Einschätzung von Klaus Schäfer nicht scheitern.