Menschen mit Handicap kreisen auf dem Nürburgring

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesellschaft : Rennen der Freude

Einmal das Gefühl zu erleben, wie es ist, in einem Rennwagen unterwegs zu sein. Das ist für viele ein Traum. Wahr geworden ist er jüngst für 1000 Menschen am Nürburgring, wenn auch nur als Beifahrer.

1000 Menschen mit Handicap und 80 Rennwagen: Das waren die Zutaten des „Rennens für Freunde“ oder, um es auf Englisch zu schreiben, des „Race4Friends“. Die englische Bezeichnung steht auch für die Organisation, die jüngst zum zehnten Mal diese Veranstaltung auf die Rennreifen gestellt hat. Seit dem Jahr 2009 lädt sie Menschen mit geistigem oder körperlichem Handicap ein, sich in einen Sportwagen zu setzen und als Beifahrer über die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings zu brausen.

„So viele glückliche Menschen zu sehen, berührt mich jedes Jahr wieder. Das wird nie zur Routine“, sagte Sandra Demuth, Pressesprecherin des Vereins Race4Friends. „Es ist toll, wie diese Veranstaltung in den letzten zehn Jahren gewachsen ist. Anfangs waren es 80 Teilnehmer und 20 Autos. Mittlerweile sind wir bei rund 1000 Teilnehmern und 80 Autos.“ Die Mitfahrer reisten oft mit zur Rennstrecke; manche kamen, so Demuth, sogar aus Berlin.

Unterstützt wurde Race4Friends bei der Veranstaltung von der Nürburgring GmbH. Die stellt der Organisation die Rennstrecke, die ­Boxenanlage und die Streckensicherung zur Verfügung, ohne dass sie dafür einen Cent bekommt. Auch die an der Rennstrecke ansässige Driving Academy – eine Fahrschule für Rennfahrer – macht mit zwei Fahrzeugen mit. „Dieses einzigartige Event zu unterstützen ist für uns selbstverständlich. Es ist eine Herzensangelegenheit und die Freude, die hier herrscht, gibt einem ein unbezahlbares, ehrliches Feedback“, erklärte Nürburgring-Geschäftsführer Mirco Markfort nach der Veranstaltung. Dass der Spaß für Menschen mit Handicap auch im nächsten Jahr über die Piste rollt, sagte Mirco Markfort den Organisatoren zu. Hierüber freute sich Sabine Demuth: „Das ist eine tolle Nachricht und für uns nicht selbstverständlich.“

Die „Puppenreporterin Anna zeigt ihre Welt“ bloggte über das Race4Friends. Auf der Website, die von Gabi Finken betreut wird, sind Stimmungseindrücke wieder gegegeben: „Ich habe Vincent und seine Eltern in der Helmausgabe kennengelernt. Ein Erlebnis für den jungen Mann, der taub ist und auch für Mama und Papa, die den Helfern vertrauen mussten und es schließlich auch konnten. Mit Daumen hoch und runter kann Vincent Signale geben.“

Ihr Fazit: „Das Wichtigste an dieser Veranstaltung ist, über den Tellerrand zu schauen. Die Tränen der Freude sind einfach unbezahlbar!“ Die „Puppenreporterin“ hörte einen begeisterten Jungen von der Förderschule Gerolstein nach seiner Tour sagen: „Ich hab dann sogar einen überholt, und ich war viel schneller.“ Und ein Polizist aus Koblenz habe gemeint, dass das Race4Friends für ihn die schönste Veranstaltung im Jahr sei.

Thorsten Korbella schrieb nach dem Tag am Nürburgring im sozialen Netzwerk Facebook, dass es keine Benefizveranstaltung gebe, die mit dieser vergleichbar wäre. „Mir gefällt, dass so vielen Teilnehmern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wurde. Diese Emotionen muss man selbst erleben.“

Mehr Infos auf www.race4friends.de

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