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Leopard 2: Tödlich auf 5000 Meter - Was den Panzer so wertvoll​ macht

Militär : Tödlich auf 5000 Meter: Was den Leopard 2 militärisch so wertvoll macht

Der Leopard steht ganz oben auf der Wunschliste der ­Ukraine. Seit Monaten hofft das von Russland angegriffene Land auf die Lieferung von Kampfpanzern aus deutscher Produktion. Was diesen Panzertyp auszeichnet – und wer sonst noch wie viele „Leos“ hat.

Er ist gut 60 Tonnen schwer, etwa zehn Meter lang und gilt als einer der besten Kampfpanzer der Welt – der Leopard 2. Nach Auskunft von Ralf Raths, Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster, geht der Leopard aus dem Projekt Kampfpanzer 70 hervor, das im Kalten Krieg Mitte der 1960er-Jahre gemeinsam von den USA und Deutschland entwickelt wurde.

Was können die Leopard-2-Panzer?

Insgesamt sei die Bedienung eines Kampfpanzers komplex, aber „keine Raketenwissenschaft“, erklärt Raths. Panzerschutz, Beweglichkeit und Feuerkraft sieht er beim Leopard 2 in einer „ausgesprochen gelungenen Balance“. Die Bundeswehr selbst bezeichnet den Leopard 2 als ein „Raubtier auf Ketten“ und nutzt den Kampfpanzer in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in der neuesten Variante von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Je nach Munitionsart erreicht ein Geschoss aus dieser Kanone eine kinetische Energie, die der einer Lokomotive mit einer Masse von 50 Tonnen und einer Geschwindigkeit von 80 km/h entspricht.

Über die Jahre erhielten die vom Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann entwickelten Kettenfahrzeuge eine immer stärkere Panzerung. Die etwa 64 Tonnen schwere aktuelle Version A7V erreicht mit 1500 PS starken Diesel-Motoren eine Höchstgeschwindigkeit von 63 Kilometern pro Stunde.

Vom Leopard 2 A7V soll die deutsche Armee in den kommenden drei Jahren insgesamt 104 Exemplare erhalten. Ältere Panzer werden ausgemustert oder an andere Länder abgegeben. Darunter fallen Modelle des Typs A4 oder auch die Leopard-1-Vorgängergeneration.

Nach Angaben im Jahresbericht „Military Balance 2022“ des Internationalen Instituts für strategische Studien hat Deutschland mehr als 300 Leopard-2-Panzer: 225 Stück der Serien A5/A6 und 59 der Serien A7/A7V. Eingelagert sind 55 Leopard 2A4.

Aber auch andere Länder nutzen Panzer aus der deutschen „Leopard-Familie: Doch wie viele besitzen die europäischen Nato-Staaten und Anwärter wie Finnland? Und wer könnte sie in die Ukraine liefern?

Welche Staaten haben Leopard-2-Panzer?

Dänemark Eine genaue Anzahl der Leopard-Panzer geben Verteidigungsministerium, -kommando und die für den Einkauf zuständige Verwaltungsbehörde nicht preis. Jedoch wurden 14 Panzer laut Militärangaben im September erstmals auf einen internationalen Einsatz nach Estland geschickt.

Finnland Finnland ist noch kein Nato-Mitglied, hat allerdings signalisiert, einige Leopard-Panzer an die Ukraine liefern zu können. Nach Angaben des finnischen Verteidigungskommandos besitzen die Finnen rund 200 Leopard-2-Panzer.

Griechenland hingegen hat eine deutlich größere Zahl an Leopard-Panzern: So gibt es 170 vom Typ 2HEL, 183 vom älteren Typ 2A4 und 500 vom Typ 1A5 aus der vorhergegangenen Leopard-Generation. Die hohe Anzahl von Panzern liegt im ständigen Konflikt mit der Türkei begründet.

Niederlande Die Niederlande haben 18 Leopard-2A6-Panzer aus Deutschland geleast. Diese sind Teil des deutsch-niederländischen Panzerbataillons und im niedersächsischen Bergen-Hohne stationiert.

Norwegen Laut Verteidigungsministerium hat Norwegen im Jahr 2001 52 gebrauchte Leopard 2A4 von den Niederlanden gekauft. Einige davon sind im Einsatz, andere werden als Ersatzteillager verwendet oder sogar verschrottet. Wie viele Panzer genau einsatzfähig sind, sagte das Ministerium nicht.

Polen Polen besitzt laut polnischem Verteidigungsministerium 247 Leopard-Kampfpanzer in den Versionen 2A4 und 2A5 sowie in der modernisierten Version PL.

Portugal Vom portugiesischen Verteidigungsministerium gibt es keine Auskunft über die Leopard-Bestände. Laut Medienberichten haben die portugiesischen Streitkräfte 37 Leopard 2A6 im Einsatz.

Schweden Aus Schweden gibt es keine Angaben zur Anzahl der Leopard-Panzer. Allerdings gilt es als gesichert, dass Schweden mehr als 100 Panzer des Typs Leopard besitzt.

Slowakei Die Slowakei besitzt einen Leopard-Panzer. Bis Ende 2023 sollen es im Rahmen eines Ringtauschs insgesamt 15 werden. In die Ukraine wird davon wohl keiner geliefert.

Spanien Spanien nennt 347 Leopard-Panzer sein eigen. Davon gehören 108 zur älteren Variante 2A4 und 239 Leoparden zum Typ 2A6. Jedoch sind einige Panzer nicht einsatzbereit – manche sollten in die Ukraine geliefert werden. Nachdem es wochenlang Spekulationen über diese Lieferung gab, sagte Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles im August, die Panzer seien in „einem desolaten Zustand“. Die Lieferung kam nicht zustande.

Tschechien Deutschland stellt Tschechien im Rahmen eines Ringtauschs 14 Leopard 2A4-Kampfpanzer und Bergepanzer Büffel zur Verfügung. Diese sind der Ersatz für an die Ukraine gelieferte Panzer sowjetischer Bauart. Aktuell besitzt Tschechien erst einen der 14 Leopard-Panzer. Ministerpräsident Petr Fiala betonte jüngst, dass man bei der Abgabe eigener Militärtechnik an die Grenze der Möglichkeiten gekommen sei.

Türkei Das türkische Verteidigungsministerium äußert sich nicht zu Stückzahl und Bewaffnung. Nach Zahlen des International Institute for Strategic Studies (IISS) besitzt die Türkei 316 Leopard 2A4, 170 Leopard 1A4 und 227 Leopard 1A3.

Ungarn Ungarn hat laut übereinstimmenden Medienberichten im Jahr 2020 zwölf Panzer vom Typ Leopard 2A4 vom Hersteller Kraus-Maffei gemietet, die Ausbildungszwecken dienen sollen. Dazu sollen in diesem Jahr 44 neue Leopard 2A7 kommen. Eine Lieferung an die Ukraine ist aufgrund der guten Beziehungen zwischen Ministerpräsident Viktor Orban und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sehr unwahrscheinlich. dpa