Unionspolitiker Friedrich Merz mit zwei Auftritten in der Region

Kostenpflichtiger Inhalt: Neujahrsempfänge : Im Angriffsmodus - Unionspolitiker Friedrich Merz spricht zwei Mal in Trier

Doppelaufschlag von Friedrich Merz in der Region: Erst spricht er vor 600 Unternehmern bei der VTU, dann tritt er bei der CDU in Trier auf.

Vor acht Wochen hat die Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) die Zusage von Friedrich Merz als Festredner bekommen. Schon länger hat VTU-Chef Frank Natus versucht, den Sauerländer nach Trier einzuladen, nun hat es geklappt. Der Rechtsanwalt, Vizepräsident des Wirtschaftsrates Deutschland der CDU, Hoffnungsträger für viele Unionsanhänger, das passt. Am Morgen darauf ist er Gast bei der CDU in Trier und Trier-Saarburg, wo er im Grundsätzlichen dasselbe sagt, im Persönlichen aber konkreter wird.


Wie war sein Auftritt?

2020 ist für den CDU-Politiker ein besonderes Jahr. „Wir sind heute Zeitzeugen einer epochalen Wende“, nimmt Merz gleich die 600 Unternehmer bei der VTU mit. 2020 ist aber auch für den 64-Jährigen von höchster persönlicher Bedeutung. Das wird bei seinem Auftritt vor CDU-Mitgliedern und Interessierten klar. Merz zieht. Die gut 100 Plätze sind lange vor Beginn besetzt, und weitere Dutzende hören dem Unionspolitiker im Stehen zu, als dieser bekennt, dass er beschlossen habe, „wieder mitzugehen und politische Verantwortung übernehmen will“. So konkret hat er das vor den regionalen Unternehmern nicht formuliert. Ob vor Wirtschaftsvertretern oder der eigenen Parteiklientel, Merz ist hier auf sicherem Parkett. Er ist prägnant, verbindlich und eindeutig – und er weiß, welche Anekdote er wem zum Besten gibt.


Das waren seine Top-Themen:

Die letzten zehn Jahre in Deutschland waren aus Sicht von Friedrich Merz wirtschaftlich gesehen die besten. Doch die kommende Dekade und das 21. Jahrhundert findet nach seiner Ansicht unter anderen Vorzeichen statt. Wirtschaftlich hätten die Industrieländer ihre Vormachtstellung schon eingebüßt. „Es geht nicht um G6, G7 oder G8. Für uns Deutsche stellt sich nur die Frage, gibt es G2 oder G3. Nur Amerika und China oder Amerika, China und Europa.“ Bei dieser Weltordnung gebe es für Europa auch nur einen möglichen Partner, die USA, „nicht wegen Trump, sondern trotz Trump“, damit man gemeinsam die demokratischen Werte und eine freiheitlich, liberale Gesellschaft verteidigen könne. Und Deutschland und Frankreich müssten für Europa die Taktgeber sein. „Mit wem, wenn nicht mit Macron, bei aller Kritik an ihm, wollen wir Europa voranbringen?“ Russland nun in der Nahostkrise als Ordnungsmacht anzurufen, hält Merz für Blödsinn: „Russland ist dort Kriegsmacht und kann keine Ordnungsmacht sein.“

Punkten kann er auch in Sachen Wirtschaft: „Amerika und China beneiden uns um unser System der dualen Ausbildung, nur bei uns scheint das nicht mehr so recht zu gelten.“ Die berufliche Ausbildung müsse einer universitären Ausbildung gleichgestellt werden. Deshalb sei für ihn die Abschaffung von Studiengebühren ein falsches Signal gewesen. In Sachen Umweltpolitik seien die jüngsten Studien, dass der CO2-Ausstoß in Deutschland seit 1990 um 36 Prozent reduziert wurde, bei einer um 50 Prozent gestiegenen Wirtschaftsleistung, ein Beleg dafür, dass man mit sozialer Marktwirtschaft und Technologie für eine „bessere Welt“ sorgen könne. „Wirtschaft und Umwelt, Industrie und Klima sind vereinbar.“


Das hat er zur Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gesagt?

Nichts, zumindest bei der Vereinigung Trierer Unternehmer. Bei der CDU-Veranstaltung aber gibt es Lob für AKK. Die Bundesverteidigungsministerin habe recht, wenn sie fordere, dass Deutschland eine stärkere Rolle bei den internationalen Krisen einnehmen müsse. Für Merz ist das eine Hauptprämisse deutscher Politik für die Zukunft. Deutschland müsse seiner Rolle als Teil von Europa gerecht werden. Dazu gehöre eine gemeinsame abgestimmte Sicherheits- und Außenpolitik. „Wie hat Europa auf die jetzige Krise mit dem Tod von Soleimani reagiert? Mit routinierter Ratlosigkeit.“ Würde sich die Krise in Nahost verschärfen, könnte das für Deutschland eine neue Flüchtlingswelle bedeuten, warnt Merz.


So kam Merz beim Publikum an.

Viel Applaus und Lob bei beiden Veranstaltungen. VTU-Chef Frank Natus findet im Anschluss an die Merz-Rede: „Jemand wie Sie sollte an exponierter Stelle zurück in die Politik.“ Der Kaschenbacher CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen spricht nach dem VTU-Auftritt am Freitagabend von „einer tollen Rede“. Am Sonntagnachmittag stellte sich in Bitburg Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor. Gute Gelegenheit also, die beiden Gallionsfiguren der Union und mögliche CDU-Spitzenkandidaten für die kommenden Bundestagswahl zu vergleichen. Für Teilnehmer, die beide Merz-Reden hörten, ist vor allem seine Positionierung bei der CDU wichtig. „So klar, wieder politische Verantwortung übernehmen zu wollen, das finde ich klasse“, sagte eine Zuhörerin.


Das war noch bemerkenswert.

Merz lobt Malu Dreyer: „Ich fand diese Aussage von Frau Dreyer bei der VTU bemerkenswert: ,Der Kompromiss ist keine Schwäche der Demokratie, sondern der Kompromiss ist die Krönung in der Demokratie’.“