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Schlachthöfe in der Eifel rüsten sich gegen die Pandemie

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Schutz : Nicht jeder ist ein Hotspot: Wie sich Schlachthöfe in der Eifel gegen die Pandemie rüsten

Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen machen derzeit Schlagzeilen. Eifeler Unternehmen und Behörden halten sich für gut vorbereitet.

Wie kaum eine andere Branche steht die Fleischindustrie derzeit unter Druck. Nachdem in Coesfeld (NRW) erstmals ein Schlachthof zum Infektionsherd wurde, zeichnet sich mittlerweile eine Serie ab. Hunderte Mitarbeiter aus mehreren Bundesländern sind positiv auf Covid-19 getestet worden. Politiker sprechen von einem „strukturellen Problem“ der Fleischfabriken.

Das Bundeskabinett hat die aktuelle Lage sogar zum Anlass genommen, ab 2021 Werkverträge und Leiharbeit in Schlachthöfen zu verbieten. Und höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeits- und Hygieneschutzvorgaben angekündigt.

Für das Image der Branche war der Mittwoch somit ein schlechter Tag. Bernhard Simon, Geschäftsleiter vom Wittlicher Großschlachthof Simon Fleisch, wehrt sich allerdings gegen diese „Vorverurteilung“: „Es ist aus unserer Sicht nicht nachzuvollziehen, dass unsere gesamte systemrelevante Branche an den Pranger gestellt wird, während man andere Gruppen abends beklatscht.“

Dabei werde ja längst nicht jeder Schlachthof zum Hotspot der Pandemie. Von Einzelfällen solle man nicht auf andere Unternehmen schließen. Denn in vielen Firmen gebe es seit Monaten umfassende Sicherheits- und Hygienekonzepte.

Die zwei großen Schlachthöfe in der Gegend – Klaus-Dieter Fuchs aus Prüm, ein Partnerunternehmen von Simon Fleisch, und Eifelfleisch aus Gerolstein – jedenfalls haben im Februar und März Pläne vorgelegt und Maßnahmen ergriffen. Dies bestätigen auch die Verwaltungen des Eifel- und des Vulkaneifelkreises.

Bei regelmäßigen Kontrollen, zuletzt vor wenigen Tagen, habe es keine Beanstandungen gegeben. Und auch Verdachts- oder Infektionsfälle in der Belegschaft seien nicht zu vermelden. Wenngleich regelmäßige Tests von Mitarbeitern gesetzlich auch nicht vorgesehen seien.

Damit weiterhin keine Ansteckungen auftauchen, hat man sich etwa bei Klaus-Dieter Fuchs, und zuvor bereits im wesentlich größeren Wittlicher Mutterwerk „Simon Fleisch“, einiges einfallen lassen. Und reagiere weiter auf „die sich ständig verändernde Erkenntnis- und Risikolage“.

Aus Sicht der 40 Mitarbeiter läuft der Arbeitstag auf dem Prümer Schlachthof derzeit so ab: Bei Betreten des Betriebsgeländes wird Fieber gemessen, so schildert es Gesamt-Geschäftsleiter Simon. Dann muss der Angestellte sich die Hände desinfizieren und eine Maske aufziehen, die er während der Schicht zu tragen hat.

Wochenlang sieht der Mitarbeiter bei diesen Einheiten nur dieselben Kollegen. Externer Besuch darf schon gar nicht empfangen werden, nicht mal fremde Speditionen beauftragt die Firma derzeit. Denn das Personal wird, damit sich Infektionen nicht in der Belegschaft verteilen können, laut Simon „strikt abgetrennt“. Und das betreffe nicht nur Fabrik- und Büroarbeit, sondern auch die Pausenzeiten in den Kantinen und den Sozialräumen. Auch hier sollen sich möglichst keine Angestellten begegnen, die nicht zusammen am Band stehen. Auch wer sich täglich sehe, müsse Abstand halten.

Alles schön und gut, wird der Kritiker sagen: Aber wie schaut es außerhalb des Betriebs aus? Schließlich hatte sich das Virus ja etwa in Coesfeld in einer Gemeinschaftsunterkunft für Mitarbeiter ausgebreitet.

Doch auch hier sieht Bernhard Simon die Prümer Firma vorbereitet. Von den 40 Angestellten seien gerade einmal vier in einer Wohngemeinschaft nahe des Schlachthofs untergebracht. Und diese Räume würden „seit dem Ausbruch der Pandemie täglich auf die Einhaltung der Hygienevorgaben und Reinlichkeit kontrolliert.“ Die restlichen Mitarbeiter leben in Wohnungen in und rund um die Abteistadt.

Ähnlich ist die Lage bei Eifelfleisch. Wie auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung zu erfahren ist, leben alle 25 Mitarbeiter der Gerolsteiner Firma „mit ihren Familien in einzelnen Wohnungen“. Subunternehmer würden keine beschäftigt. Von dem Verbot von Werkverträgen ist der Betrieb nicht betroffen.