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Stadt oder Land? Wo es sich in der Corona-Krise besser lebt

Kostenpflichtiger Inhalt: Analyse : Stadt oder Land? Wo es sich in der Corona-Krise besser lebt

Hier die kleine Wohnung, dort das Haus im Grünen: Viele Städter sehnen sich derzeit nach Landleben. Denn in Krisenzeiten wohnt es sich hierzulande womöglich besser.

Beim morgendlichen Joggen, das erzählt uns eine Bekannte neulich am Telefon, müsse sie jetzt Slalom laufen. Die Parks in Hamburg, sonst um diese Uhrzeit leer, seien jetzt voller Leute. „Weil den Menschen die Decke auf den Kopf fällt“, sagt sie. Und weil es in diesen Zeiten gar nicht genug Grün geben könne in einer Millionenstadt. Sie seufzt in den Hörer: „Ach, auf dem Land muss es jetzt schön sein.“

Für eine Städterin wie sie eine ungewöhnliche Aussage. Sie ist mit ihrer derzeitigen Sehnsucht aber nicht alleine. Denn viele Kölner, Berliner und Münchener scheinen derzeit neidisch Richtung Dorf zu schauen. Und dafür gibt es Gründe. Auch anhand von Zahlen lässt sich aufzeigen, warum wir uns gerade in diesen Krisenzeiten glücklich schätzen können, in der Eifel zu leben.

Der erste und derzeit offensichtliche Grund fürs Dorfleben ist das Infektionsgeschehen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen im Eifelkreis auf 100 000 Einwohner etwa 178 Corona-Fälle. Damit liegt die Kommune unter dem  Bundesschnitt (197 pro 100 000 Einwohner). Entscheidend ist aber auch: Das Risiko, einem Infizierten über den Weg zu laufen, ist hierzulande wohl deutlich niedriger als in Ballungsräumen. Denn die rund 98 000 Einwohner können sich im flächenmäßig größten Landkreis von Rheinland-Pfalz besser aus den Füßen gehen.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Bad Ems leben im Eifelkreis auf 160 000 Hektar rund 98 000 Menschen. Das macht 60 pro Quadratmeter. Klar: In Bitburg ist die Einwohnerdichte etwas höher (313 pro Quadratmeter). Rund um Arzfeld und Prüm dafür aber noch geringer (zwischen 30 und 40 pro Quadratmeter). Im Speicherer und Bitburger Land sowie in der Südeifel wohnen etwas mehr als 50 Menschen auf einem Quadratkilometer.

Zum Vergleich: In Trier sind es immerhin 945, in Köln oder Berlin sogar mehr als 4000. Hinzu kommt, dass sich in Metropolen viele Leute vergleichsweise kleine Grünflächen teilen müssen. Während es davon hierzulande en masse gibt.

Laut Statistischem Landesamtes sind insgesamt 145 000 Hektar und somit 89,1 Prozent der Kreisfläche „Vegetation“ –  also Felder, Wiesen Wälder, die zum Wandern, Fahrrad fahren oder Picknicken einladen. Pro Kopf hat jeder Eifeler Bürger demnach 1,4 Hektar Auslauf.

Ein Wert, von dem Städter nur träumen können. Vor allem in diesen Zeiten wird das offensichtlich, wo es alle nach draußen drängt, weil es sich im beengten Zuhause irgendwann schwer aushalten lässt.

Doch nicht nur draußen, sondern auch in den eigenen vier Wänden haben Eifeler vergleichsweise viel Platz. In den Dörfern der Region leben die meisten Menschen in Einfamilienhäusern, meist mit Garten oder zumindest Balkon oder Terrasse. Und auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor allem in den Ballungsräumen geht der Trend zu Mehrfamilienhäusern. Die allermeisten Berliner, Hamburger, Kölner und Münchener leben in Wohnungen mit wenigen Zimmern.

Das lässt sich ebenfalls anhand von Zahlen belegen. So hat der Eifeler im Schnitt rund 59 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. In Trier und Koblenz sind es immerhin 45 Quadratmeter, in Köln und Berlin nur 35.

Vorsprung haben Ballungsräume allerdings bei der medizinischen Versorgung. Die Wege sind kürzer, auf engem Raum gibt es viel mehr Kliniken, somit auch mehr Beatmungsplätze und Betten auf Intensivstationen.

In Berlin etwa kommen 538 Intensivbetten auf 3,8 Millionen Menschen. Im Eifelkreis sind es gerade einmal sieben auf 98 000 Einwohner. Eine schlechtere Quote.

Spaziergänger haben in der Eifel, wie hier in Badem, viel Platz (links). In den Großstädten, wie hier in einem Park in Hamburg, sieht das schon anders aus. Foto: dpa/Christian Charisius

Es gibt viele gute Gründe für ein Leben auf dem Land — auch vor Corona. Ihnen fallen auch ein paar ein? Dann schreiben Sie uns doch, warum Sie sich für ein Leben in der Eifel entschieden haben. Und was es Ihnen gerade in der Krisenzeit bedeutet, auf dem Land zu leben. Gerne können Sie uns auch ein Foto mitsenden. E-Mail an: eifel@volksfreund.de