Trotz Regelverstoß: Stadtrat beschließt sein Wappen

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtrat Prüm : Kommunalaufsicht kippt die bisherigen Planungen fürs Stadtwappen

Jahrelang wurde es benutzt - doch es war nie amtlich abgesegnet: Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung das Wappen der Stadt Prüm beschlossen. Da es aber gegen heraldische Grundsätze verstößt, ist der Beschluss rechtswidrig.

Einstimmig – wie auch alle übrigen Beschlüsse in der öffentlichen Stadtratssitzung – geht auch diese, man könnte sagen historische Entscheidung über die Bühne. Die Prümer Fraktionen haben das Wappen für die Stadt abgesegnet. Und das, obwohl das Landeshauptarchiv Koblenz seine Zustimmung verweigert hat.

Am nächsten Tag folgt prompt die Ernüchterung. Die Kommunalaufsicht schreitet gegen den Beschluss ein. Dieser sei nach erster rechtlicher Bewertung rechtswidrig, teilt ein Sprecher der Kreisverwaltung auf TV-Anfrage mit. „Das derzeit von der Stadt Prüm genutzte Wappen ist nicht genehmigt. Eine Berechtigung, dieses Wappen zu nutzen, besteht daher nicht“, heißt es in einer Stellungnahme der Kreisverwaltung. Die Kommunalaufsicht werde den Sachverhalt jedoch nochmal eingehend prüfen.

Das ist das Wappen der gefürsteten Abtei. Foto: Stadt Prüm

Das Wappen der Stadt kennt in Prüm eigentlich jeder. Es ist das Osterlamm, das, auf grünem Grund stehend, eine Fahne mit einem Kreuz im rechten Bein hält. In der Stadt ist es omnipräsent. Sogar auf dem Briefkopf der Stadt wird es seit Jahren verwendet. Dort ist es allerdings das Wappen der ehemaligen Fürstabtei, denn bei dieser Variante trägt das Lamm eine Krone auf dem Kopf. In der Begündung zum Ratsbeschluss steht, dass die Stadt Prüm als weltliche Nachfolgerin der ehemaligen gefürsteten Abtei deren Farben und die Figur des Salvatorlamms übernimmt.

Schon seit 2017 befasst sich der Stadtrat mit dem Wappen. Denn auf dem neuen Hahnplatz sollten fünf Stelen mit Informationen aufgestellt werden (der TV berichtete). Obendrauf sollte das Wappen angebracht werden. Damals hatte das Gremium ein Konstruktionsbüro mit der Digitalisierung des Wappens beauftragt. Im Zuge der Vorbereitung dazu ergab sich, dass eine entsprechende Genehmigungsurkunde der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm als Aufsichtsbehörde nicht vorlag.

Um das Wappen genehmigen lassen zu können,  hat Stadtbürgermeister Johannes Reuschen beim Landeshauptarchiv in Koblenz eine heraldische Stellungnahme angefordert. Heraldik, auch Wappenkunde genannt, ist die Lehre von den Wappen und ihrem richtigen Gebrauch (siehe auch Info).

Reuschen teilte in der jüngsten Sitzung mit, dass das Landeshauptarchiv das Wappen nicht positiv begutachtet habe. Als Begründung wurde angeführt, dass der Entwurf sich nicht merklich vom Wappen der Abtei Prüm unterscheide. Außerdem verstoße er gegen heraldische Farbregeln. So dürften die Farben Schwarz, Rot, Blau und Grün grundsätzlich nicht an „Metall“-Farben wie Gold und Silber, dargestellt durch die Farben Gelb und Weiß, stoßen. Der Gutachter empfahl, einen neuen Entwurf mit Hilfe eines Heraldikers zu erarbeiten. Da eine positive heraldische Stellungnahme Voraussetzung für eine Genehmigungsurkunde der Kreisverwaltung ist, konnte diese nicht erteilt werden.

„Das ist uns Jacke wie Bux’. Touristen gucken nicht auf die Rückseite der Stelen, ob da ein Genehmigungsstempel drauf ist oder nicht. Wir wollen endlich einen Beschluss dazu haben“, sagt Peter Wind von der CDU-Fraktion. Das sahen anscheinend auch die anderen Ratsmitglieder so. Und damit war es zunächst beschlossene Sache.

Doch nun zeigt sich, dass die Sache nicht so einfach ist, wie zuvor gedacht. Was also tun? Eine Möglichkeit ist, ein Wappen zu entwerfen, dass der heraldischen Prüfung standhält. Es gibt aber auch noch eine andere: „Wenn das rechtswidrig beschlossene Wappen allerdings als Logo der Stadt Prüm benutzt wird, steht dies – im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung – im Belieben der Stadt Prüm“, heißt es von Seiten der Kommunalaufsicht.

Regelkonform war jedoch der Beschluss, den Schneifelweg auszubauen. Dabei stimmte der Stadtrat ebenfalls einstimmig dafür, dass im unteren Bereich zwei Fahrbahneinengungen zur Verkehrsberuhigung gebaut werden. Im oberen Bereich hingegen nicht. Auf Pflanzbeete wird dabei verzichtet. Der Stadtrat folgte mit seinem Beschluss dem Votum der Bürger, die sich bei einer Einwohnerversammlung mehrheitlich für diese Lösung ausgesprochen haben.

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