CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in Bitburg

Kostenpflichtiger Inhalt: Neujahrsempfang : Im Zupackmodus - CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht vor 800 Besuchern in Bitburg

Paforceritt durch die Themen beim Neujahrsempfang: Über 800 Zuhörer verfolgen Auftritt von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in Bitburg.

Da ist dem scheidenden Eifeler CDU-Landtagsabgeordneten Michael Billen noch einmal ein echter Coup gelungen: In seinem letzten Halbjahr als Bitburg-Prümer CDU-Kreisvorsitzender hat Billen als Rednerin für den traditionellen Neujahrsempfang Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gewonnen. Die Politikerin aus dem benachbarten Saarland zieht: Über 800 Zuhörer lassen das Bitburger Hotel Eifelbräu buchstäblich aus den Nähten platzen.

Wie war ihr Auftritt?

Kramp-Karrenbauer ist niemand, der die Zuhörer von den Stühlen reißt. Ihre fast auf die Minute genau halbstündige Rede ist eher sachlich, auf Polemik verzichtet die Bundesverteidigungsministerin und CDU-Parteichefin nahezu völlig. Das erinnert an ihre Vorgängerin Angela Merkel.

Zum Einstieg wählt die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin die „Ich-kenn-doch-eure-Heimat-sehr-gut-Variante“: „Als Kind war ich jedes Jahr mit meiner Großtante im Sommer in Gillenfeld in der Vulkaneifel“, schwärmt Annegret Krampf-Karrenbauer zum Aufwärmen. Das schafft Nähe, und den Zuhörern gefällt’s.

Das waren ihre Top-Themen.

Annegret Kramp-Karrenbauer legt einen Parforceritt durch die Themen hin. Mehr Themen kann frau in einer halben Stunden einfach nicht ansprechen.

Nach dem „Kuschel-Warm-up“ mit der Vulkaneifel und einer kleinen Skat-Annekdote über CDU-Urgestein Peter Rauen (anwesend) und den Saarländer Peter Müller (nicht anwesend) kommt „AKK“, wie die Parteichefin der Einfachheit halt halber meist genannt wird, gleich auf ein ernstes Thema zu sprechen: Frieden.

„Wir haben ja in den letzten Tagen gesehen, wie schnell es damit vorbei sein kann“, sagt die 57-Jährige, ohne an der Stelle die Auseinandersetzung im Nahen Osten konkret zu benennen. Später kommt AKK noch einmal auf das Thema zurück, kritisiert den Iran für den versehentlichen Abschuss des Passagierflugzeugs, bei dem viele unschuldige Menschen ermordet worden seien. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, fordert Kramp-Karrenbauer

Als Verteidigungsministerin plädiert sie dafür, dass die deutschen Soldaten im Irak bleiben, wenn die dortige Regierung dies wünsche. Apropos deutsche Soldaten: Für Bundeswehr und Verteidigung müsse ausreichend Geld bereitgestellt werden, sagt AKK und ergänzt, dies habe nichts mit Trump zu tun, sondern mit „unserer Verantwortung den Soldaten gegenüber“.

Dann spricht Kramp-Karrenbauer noch über die Themen Energieversorgung, Klimaschutz, Landwirtschaft, innere Sicherheit, Generationengerechtigkeit, digitale Infrastruktur und Nachhaltigkeit. Und natürlich über Wirtschaft, Unternehmer und Arbeitsplätze. Ach ja: und über Wahlkampf. „Wir müssen mit unseren Ideen und unserem Programm frisch und überzeugend sein, dass wir eine Wahlkampagne führen können, die die Menschen begeistert“, fordert AKK ihre Parteikollegen auf.

Das gelte natürlich auch für „das viel zu lange rot regierte Rheinland-Pfalz“, fügt sie mit Blick auf die Landtagswahl 2021 hinzu. Ihre Rede endet nach 30 Minuten mit einem Appell: „Ärmel hochkrempeln und los, ein bisschen weniger jammern und etwas mehr anpacken“, schreibt AKK den Zuhörern ins Stammbuch.

Das hat sie über Merz gesagt.

Annegret Kramp-Karrenbauer nimmt den Namen ihres innerparteilichen Kontrahenten an diesem Nachmittag in Bitburg nicht einmal in den Mund. Höchstens indirekt, nimmt doch das Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze, wo Friedrich Merz die höchste Kompetenz zugeschrieben wird, bei AKK in der halben Stunde einen breiten Raum ein.

So kam Annegret Kramp-Karrenbauer beim Publikum an.

Auf einen einfachen Nenner gebracht: Sie punktet. Ihre halbstündige Rede wird mehrfach durch Beifall unterbrochen. Der Applaus ist nicht frenetisch, dafür ehrlich. Am Schluss bekommt die Parteichefin langanhaltenden Beifall, den Michael Billen nach zwei Minuten unterbricht, weil die Zeit drängt. Die von einer Parteiveranstaltung im saarländischen Wadern nach Bitburg angereiste AKK muss ihren Flieger in Köln noch pünktlich bekommen.

Das war noch bemerkenswert.

Bevor Annegret Kramp-Karrenbauer in den Saal kommt, nimmt sie sich noch ein paar Minuten Zeit und spricht mit den vor der Tür mit großen Treckern protestierenden Landwirten.

„Die hätten auch mit mir reden können, da wären sie besser aufgehoben“, kommentiert der gelernte Landwirt Michael Billen bei der Begrüßung und wird dafür später von AKK verbal abgestraft.

Für die Bauern werde man sich in der CDU gemeinsam einsetzen, sagt die Parteichefin und blickt dabei den scheidenden Eifeler Landtagsabgeordneten an – „und da gilt nicht entweder Sie oder ich“.