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Dorfentwicklung: Einsturzgefährdet: Gleich zwei Gebäude in Freudenburgs altem Ortskern sollen weg

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Das Ringen um den Abriss des alten Amtshauses in Freudenburg könnte bald ein Ende haben. Die Untere Denkmalschutzbehörde befürwortet nach Vorlage einiger Gutachten den entsprechenden Antrag der Gemeinde. Doch stellt sie auch eine Forderung.

Anfang 2019 hat die Ortsgemeinde das alte Freudenburger Amtshaus gekauft, damit nach mehr als 50 Jahren Leerstand und einigen Eigentümerwechseln wieder Bewegung in die Sache kommt. Das Gebäude von 1589 steht unter Denkmalschutz und ist baufällig.

Letztlich wiederholte der Ortsgemeinderat Ende September 2019 dann quasi einen Beschluss von 1968. Auch damals war das Gebäude im Besitz der Gemeinde, auch damals wollte das Gremium den Abriss. Damals sagte die Denkmalpflegebehörde Nein. Diesmal forderte sie zunächst ein statisches Gutachten und dann eine Kosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnung sowie ein Bodengutachten. Das Bodengutachten liegt seit Januar 2020 vor und verheißt nichts Gutes. Demnach wären eine Unterfangung der Bausedimente und eine Sanierung der tragenden Dachkonstruktion erforderlich. Kosten: 232 000 Euro. Das sind noch mal 57 000 Euro mehr als das statische Gutachten vorausgesagt hat. Die Untere Denkmalschutzbehörde, die beim Kreis angesiedelt ist, hat daraufhin am Dienstag ihren Entscheidungsvorschlag, der an die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) gerichtet ist, dem Ortsbürgermeister zur Kenntnis zugesandt. Darin heißt es: „Wir beabsichtigen, dem Antrag der Ortsgemeinde auf Abriss des Gebäudes zu entsprechen.“ In Koblenz hingegen ist noch keine Entscheidung gefallen. GDKE-Sprecher Matthias Weber teilte am Donnerstag mit: „Das Bodengutachten liegt uns noch nicht vor und wird nach Eingang zunächst geprüft. Hiernach setzen sich Untere Denkmalschutzbehörde und die GDKE/Direktion Landesdenkmalpflege ins Benehmen.“

Die Untere Denkmalschutzbehörde begründet ihren Entscheidungsvorschlag sehr ausführlich. Sie führt an, dass das Gebäude seit etwa 50 Jahren nicht mehr genutzt werde und  akut einsturzgefährdet sei. Sie verweist darauf, dass die sieben Privateigentümer der vergangenen Jahrzehnte nicht bereit gewesen seien, das Baudenkmal zu erhalten, obwohl ihnen öffentliche Fördermittel in Aussicht gestellt worden seien.

Die Gemeinde sehe keine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit mehr, heißt es weiter. Zu den Zahlen des Bodengutachtens schreibt die Behörde: „Es ist aus Sicht der Kreisverwaltung nicht vertretbar, öffentliche Gelder in diesem Umfang in die Erstsicherung des Gebäudes zu investieren, wenn bei objektiver Betrachtungsweise keine Nutzungsmöglichkeit gegeben ist, die die danach anfallenden, jetzt schon vorhersehbaren hohen Sanierungskosten rechtfertigen könnte.“

Die Behörde weist auch darauf hin, dass in Sachen Wirtschaftlichkeit die Maßstäbe bei Kommunen zwar etwas weiter gefasst würden als bei Privateigentümern, dass aber die Haushaltsgrundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu beachten seien und sich dies auch in einer Relativierung der denkmalschutzrechtlichen Pflichten niederschlagen könne. In diesem Zusammenhang wird festgestellt, dass Freudenburg mit 2,8 Millionen Euro überdurchschnittlich verschuldet ist im Vergleich zu ähnlich großen Gemeinden. Weiter heißt es: „Von nicht unerheblicher Bedeutung ist auch, dass die Ortsgemeinde in der Vergangenheit und auch zukünftig erhebliche finanzielle Mittel zur Sicherung der Kulturgüter (Stadtbefestigung und Burgruine) erbracht und weiterhin aufbringen muss.“

Zum Schluss unterbreitet die Behörde einen Vorschlag. Der lautet: Durch einen Ersatzbau und die Sicherung des Dachstuhls könnte den Belangen des Denkmalschutzes Rechnung getragen werden. Freudenburgs Ortsbürgermeister Alois Zehren sagt dazu: „Wir werden mit allen kompetenten Stellen zusammenarbeiten, um eine sinnvolle Nachnutzung des Geländes zu erreichen. Selbstverständlich werden wir den Denkmalpflegebehörden den Dachstuhl kostenlos überlassen, wenn sie ihn sichern wollen.“ Zum Schreiben insgesamt meint er: „In Freudenburg verbinden wir mit dem Entscheidungsvorschlag die Hoffnung, dass dieser unsägliche Zustand nach nunmehr mehr als fünf Jahrzehnten bald ein Ende findet.“ Falls die Ortsgemeinde nun tatsächlich irgendwann die Bagger für den Abriss des Amtshauses ordert, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese noch mehr im alten Ortskern zu tun bekommen (siehe Info).