Fridays for Future: 13-Jähriger organisiert Saarburgs allererste Demonstration

Kostenpflichtiger Inhalt: Klimastreik : Fridays for Future: 13-Jähriger organisiert Saarburgs allererste Demonstration

Dem globalen Klimastreik von Fridays for Future schließt sich erstmals auch die Saarstadt an – dank eines Realschülers aus Taben-Rodt. Wegen des Protestes sind einige Straßen in Saarburg zeitweise gesperrt.

Tim Kettenhofen ist 13 Jahre alt und voller Tatendrang. Mit viel Überzeugung in der Stimme sagt er: „Die Klimakrise ist eine noch nie dagewesene Bedrohung. Da ist es wichtig, dass auch in kleinen Städten ein Zeichen dafür gesetzt wird, dass die Bevölkerung einen Wechsel in der Klimapolitik will.“ 

Deshalb hat der Taben-Rodter zum vierten globalen Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung erstmals eine Demonstration in Saarburg organisiert. Er erinnert daran, dass jeder betroffen ist, wenn der Klimawandel so richtig eintritt, da dann die Temperaturen und der Meeresspiegel ansteigen würden. In Saarburg werde sich der Pegel der Saar erhöhen.

Tim Kettenhofen, der in Saarburg die Realschule plus besucht, hat in der Saarstadt eine Ortsgruppe von Fridays für Future organisiert. Die tauscht sich über Whatsapp aus, hat aber bislang erst vier Mitglieder. Bei der Organisation des Saarburger Klimastreiks haben den 13-Jährigen ein Freund aus seinem Heimatort sowie ein Klassenkamerad unterstützt – und seine Mutter Sabine Kettenhofen. Sie musste die Demonstration bei der Polizei anmelden, denn ihr Sohn ist noch nicht geschäftsfähig.

Die vier haben Flyer und Plakate entworfen, drucken lassen und verteilt sowie Ordner und Redner gesucht. Sabine Kettenhofen sagt: „Das war schon sehr viel, was wir machen mussten. Ich habe zu meinem Sohn gesagt: Wenn du noch mal eine Demo organisieren willst, dann brauchen wir mehr Leute.“ Das Schwierigste sei gewesen, Ordner zu finden. Viele hätten gesagt, dass sie keine Zeit haben. Sie habe auch zu hören bekommen, dass es bei Fridays for Future doch nur darum gehe, dass Schüler die Schule schwänzen wollten. Vier Ordner hat sie schließlich gefunden. Einer von ihnen ist Tims Vater.

Los geht die Demonstration am Freitag um 10 Uhr am Heckingplatz. Dort sprechen Sabine Kettenhofen und ein Vertreter des Forstamts. Dann geht es durch den Kreisel am Fruchtmarkt und die Graf-Siegfried-Straße bis zum Kreisel am Altstadttunnel. Der Zug zieht weiter zur Verbandsgemeindeverwaltung auf dem Schlossberg, von dort zum Saarburger Wasserfall und dann wieder zum Heckingplatz zurück. Sabine Kettenhofen berichtet, dass sie ihren Sohn ein wenig ausbremsen musste. „Er wollte fast die ganze Stadt lahmlegen und noch über die Bahngleise Richtung Beurig laufen“, berichtet sie schmunzelnd.

Tim Kettenhofen glaubt, dass er dabei ist, die erste Demo in Saarburg überhaupt auf die Beine zu stellen. Die Polizei gibt ihm recht. Armin Görgen, stellvertretender Leiter der Saarburger Inspektion, teilt auf TV-Anfrage mit, dass er recherchiert und auch Kollegen gefragt habe und niemand etwas von einer früheren Demonstration in Saarburg wisse.

Zur Frage, warum Saarburg erst beim vierten globalen Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung dabei ist, meint Tim: „Mir war zwar vorher schon klar, wie drastisch die Situation ist, aber wie wenig Zeit noch bleibt, ist mir erst durch das Rezo-Video so richtig bewusst geworden.“ Der Youtuber Rezo hatte im Mai mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“, in dem er unter anderem die Klimapolitik scharf kritisiert, Aufsehen erregt.

Auf die Frage, ob es einen fünften globalen Klimastreik geben wird, antwortet Tim fest entschlossen: „Wir machen so lange weiter, bis gehandelt wird.“ Er fordert einen Neustart für das Klimapaket, das er für nicht ausreichend hält. Tim hat schon Fridays-for-Future-Demonstrationen in Trier, Idar-Oberstein und Aachen besucht. 40 000 Teilnehmer sind laut Medienberichten in der westlichsten deutschen Großstadt zusammengekommen. Und wie viele Teilnehmer erwarten die Kettenhofens in Saarburg? Die Sohn der Familie sagt: „Da gehen die Schätzungen weit auseinander.“

Der Vater gehe von 20 Teilnehmern aus, die Kreisverwaltung habe sicherheitshalber 150 angenommen. Er selbst habe zunächst mit 50 Leuten gerechnet, doch nach einigen Zusagen gerade von Schülern der Berufsbildenden Schule glaube er, dass es 100 bis 200 werden könnten.

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