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Ausstellung: Konzer Museum sucht Geschichten hinter alten Porträtfotos

Kostenpflichtiger Inhalt: Ausstellung : Konzer Museum sucht Geschichten hinter alten Porträtfotos

Der Roscheider Hof eröffnet am Sonntag,1. März, die neue Saison mit einer Fotoausstellung. Die Bilder zeigen Menschen,  die die Firma Zettelmeyer nach dem Zweiten Weltkrieg mit aufgebaut haben. Zudem feiert das neue Wirtshaus-Team seine Premiere.

Das Team vom Freilichtmuseum Roscheider Hof ist hoch motiviert. Wenn am Sonntag, 1. März, die neue Saison beginnt, stehen gleich zwei Premieren auf dem Programm: ganztägig eine kulinarische mit der Eröffnung des neuen Wirtshauses und um 15 Uhr eine kulturelle. Dann lädt das Museumsteam zur Vernissage für eine Ausstellung ein, die ganz nah an der Geschichte der größten Firma der Stadt Konz dran ist: Zettelmeyer.

Die Exponate für die Ausstellung hat das Museum – wie so oft – aus einem Nachlass geschenkt bekommen. Sie stammen aus dem Erbe des freischaffenden Trierer Grafikers Ernst Prinz. 2019 bekam das Museum laut Ausstellungskurator Markus Berberich einen Ordner mit Zeichnungen und Fotografien geschenkt. Der Grafiker, der für viele Firmen in der Region gearbeitet habe, habe sie in der Nachkriegszeit angefertigt, sagt Berberich. Prinz sei damals wohl einer der wenigen gewesen, die über eine Kamera und Filme verfügt hätten. Gemeinsam mit seinem Bruder habe sich der Grafiker auf das Anfertigen von Passbildern in der Umgebung Triers konzentriert. Der Bedarf an solchen Bildern war in dieser Zeit sehr groß, weil jeder neue Papiere brauchte. „Als Bezahlung für diese Fotos nahm er in der Regel Naturalien“, erläutert Berberich. So habe der Fotograf etliche  Menschen aller Altersgruppen, alte Männer, junge Mädchen abgebildet. Eindringliche Gesichter, Charakterköpfe, Menschen mit Lebensspuren. Vielen seien die Spuren des Krieges anzusehen.

So sieht das neue Wirtshaus von Innen aus, wenn die Tische eingedeckt sind. Foto: Familie Kiefer/Heidi Kiefer

Die Bilder, die nun großformatig ausgedruckt wurden und im Roscheider Hof ausgestellt werden, waren in Form von unentwickelten Negativen in einem Ordner  abgeheftet, der ansonsten grafische Entwürfe für die Firma Zettelmeyer aus Konz enthielt. Berberich hat herausgefunden, dass es sich bei den Abgebildeten um ehemalige Zettelmeyer-Mitarbeiter handelt. Auch Peter Zettelmeyer, der die Firma von seinem Vater, Firmengründer Hubert Zettelmeyer übernommen hatte, ist auf einem der Bilder zu sehen.  Die anderen Angestellten seien vermutlich jene, die die Maschinenbaufirma nach dem Krieg wieder aufgebaut hätten. Das Betriebsgelände und die Werksgebäude waren bei Luftangriffen im Kriegsjahr 1944 vollkommen zerstört worden.

 Die meisten der Abgebildeten auf den mehr als 80 Fotos sind den Museumsmitarbeitern noch unbekannt. Deshalb hoffen Berberich und die neue Geschäftsführerin des Roscheider Hofs, Ursula Ninfa,  auf die Mithilfe der Menschen aus Konz und Umgebung. Sie sollen sich die Fotos ansehen, die Abgebildeten identifizieren und deren Geschichten erzählen. Mit diesen Geschichten und am besten auch mit persönlichen Gegenständen der Porträtierten wollen  Berberich und Ninfa die Ausstellung nach und nach ergänzen. Die Fotos sind noch bis zum 20. November zu sehen.

Kunsthistoriker Berberich hält solche Ausstellungen, die Einzelschicksale der Kriegs- und Nachkriegszeit erzählen, für viel wichtiger als Großereignisse wie die Nero- oder die Karl-Marx-Ausstellung in Trier. Über diese bekannten Persönlichkeiten sei ja schon alles geschrieben und erforscht worden, während die Zeitzeugen der 1930er bis 1950er Jahre nach und nach stürben, ohne angehört zu werden. Das hält Berberich für ein Versäumnis der Kulturförderung im Land: „Das Salz in der Suppe ist der einfache Mensch, aus dessen Schicksal sich ein großes Geschichtsbild ergibt.“ Deshalb müssten die einfachen Geschichten erzählt werden, wie es der Roscheider Hof gerade plane.

Museumsgeschichte schreiben auch die neuen Pächter des Museumsrestaurants. Nach zwei Freilichtsaisons ohne gastronomisches Angebot eröffnen Peter und Heidi Kiefer am Sonntag, 1. März, das Museumsrestaurant. Neben einem neuen Team mit insgesamt 18 Mitarbeitern bringen die Kiefers einen neuen Namen  mit: Wirtshaus Roscheider Hof. Der Schriftzug mit dem Namen ist wegen des feuchten Wetters noch nicht an der Fassade neben dem Eingang aufgetragen worden. Erneuert wurde aber schon das Vordach und die barrierefreie Rampe zum Wirtshaus. Am Sonntag hat das Restaurant von 11 bis 23 Uhr geöffnet (siehe Info).