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Kritik nach Corona-Infektion bei Erzierherin in Hermeskeiler Kita

Pandemie : Zu spät gehandelt? Corona-Infektion bei Erzieherin in Hermeskeil – Kita-Träger und Gesundheitsamt reagieren auf Kritik an ihrem Vorgehen

Hat die Kita Rosa Flesch in Hermeskeil nicht schnell genug auf die Corona-Infektion einer Erzieherin reagiert? Wurden Kinder zu spät in Quarantäne geschickt? Mit dieser – anonym geäußerten – Kritik sehen sich Einrichtung und Gesundheitsamt konfrontiert. Was beide dazu sagen und welche Vorgaben gelten.

Die vierte Corona-Welle rollt derzeit auch durch viele Kindertagesstätten. In Einrichtungen im Kreis Trier-Saarburg registriert das Gesundheitsamt vielerorts neue Infektionen.  Aktuell betroffen ist auch die Kita Rosa Flesch in Hermeskeil. Dort sollen Kitaleitung und Gesundheitsamt nicht angemessen und zu spät auf die Infektion einer Erzieherin reagiert haben. So lauten an den TV herangetragene Vorwürfe, denen die Redaktion nachgegangen ist.

Die Kritik Diese Hinweise kamen vor ein paar Tagen in einer E-Mail, deren Absender der Redaktion zwar namentlich bekannt ist, der aber öffentlich nicht genannt werden will. Die Person schreibt, aus „erster Hand“ zu wissen, dass in der Kita Rosa Flesch in Hermeskeil eine Erzieherin arbeite, bei deren Sohn das Coronavirus nachgewiesen worden sei. Sie habe aber weiter in der Kita gearbeitet, bis auch sie positiv getestet worden sei und sich in Quarantäne begeben habe. „Die Kinder, mit denen sie zuvor mehrere Tage lang Kontakt hatte, gehen alle immer noch zur Kita“, beschwert sich der Kritiker. Die Kita habe sich geweigert, den Betrieb einzuschränken und betroffene Kinder nach Hause zu schicken, „weil das Gesundheitsamt wegen Überlastung seit Tagen keine Anweisung weitergibt, wie mit der Situation umgegangen werden soll“. Es werde „wissentlich in Kauf genommen“, dass sich Kinder und Erzieher infizierten, lauten weitere Vorwürfe.

Während die Recherche des TV anläuft, ergänzt der Hinweisgeber zwei Tage später, dass inzwischen einige Kinder positiv getestet worden seien und sich in Quarantäne befänden. Den übrigen Mitarbeitern werde ein PCR-Test „verweigert“. Der TV hat den Träger der Kita, die katholische Kita gGmbH, und das Gesundheitsamt gebeten, zu der Kritik Stellung zu nehmen.

Das sagt der Träger Sarah Hoffmann, bei der Kita gGmbH für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erklärt den Sachverhalt folgendermaßen: Es sei richtig, dass der Sohn einer Kita-Mitarbeiterin positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Für die Mutter habe das Gesundheitsamt keine Quarantäne angeordnet, weil diese zweifach geimpft sei und keine Symptome gezeigt habe. „Sie hat in den drei Tagen, die sie unter diesen Umständen im Dienst war, eigenständig mehrmals täglich Selbsttests durchgeführt, die alle negativ ausfielen“, teilt Hoffmann mit.

Von Mittwoch, 24., auf Donnerstag, 25. November, habe die Erzieherin doch Symptome entwickelt und die Kita daraufhin nicht mehr betreten. Am Donnerstag habe sie einen PCR-Test gemacht, der am Freitag ein positives Ergebnis bestätigte. Die Kitaleitung sei umgehend informiert worden und habe den Fall noch am Freitag dem zuständigen Gesundheitsamt Trier-Saarburg gemeldet. Zudem habe sie mehrmals telefonisch versucht, von der Behörde Auskunft zum weiteren Vorgehen zu erhalten. Dies sei jedoch erst am Montagnachmittag, 29. November, erfolgt, wonach „sofort alle Kinder in Quarantäne geschickt wurden, mit denen in der Woche zuvor Kontakt bestanden hatte“.

Die Kita habe die Eltern vor Ort am Freitagnachmittag und am Montagmorgen mündlich über die Situation informiert. Somit hätten diese entscheiden können, „ob sie ihre Kinder weiterhin in der Kita betreuen lassen oder nicht“. Für die Kita habe es in diesem Zeitraum „keinerlei rechtliche Handhabe“ gegeben, Kinder vom Besuch der Einrichtung auszuschließen.

Stand Freitag, 3. Dezember, wisse man von zwei positiv getesteten Kindern. Den Mitarbeitern sei seitens des Gesundheitsamts „aufgrund ihres Impfstatus und der nicht vorhandenen Symptome kein PCR-Test angeboten“ worden. Alle, die mit der betroffenen Kollegin Kontakt hatten, testeten sich jedoch trotz doppelter Impfung seit dem 29. November täglich.

Das sagt das Gesundheitsamt Auf TV-Nachfrage weist das Gesundheitsamt den Vorwurf zurück, keine Anweisungen gegeben zu haben. Nach dem positiven PCR-Test der Erzieherin sei die Gruppe der Kinder, die mit ihr Kontakt hatten, „abgrenzbar“ gewesen und bis zur zur Vorlage negativer PCR-Tests in Quarantäne geschickt worden.

Die Behörde stellte zudem klar: Beim Kontakt zu Infizierten sei der Impfstatus entscheidend. „Wenn es in der Kita Fälle gibt, müssen die geimpften Mitarbeiter nicht in Quarantäne und müssen nicht zwingend getestet werden“, teilt Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg mit, bei der das Gesundheitsamt für Trier und den Landkreis angesiedelt ist. Empfohlen werde bei den Betroffenen „Symptombeobachtung und bei Auftreten solcher eine Selbsttestung und Selbstisolierung“.

Warum die Quarantäne-Anweisungen nach Meldung des Falls am Freitag erst am Montag darauf ergingen, dazu äußert sich das Gesundheitsamt nicht direkt. Pressesprecher Müller verweist jedoch auf die aktuell hohe Arbeitsbelastung der Mitarbeiter: „Derzeit erreichen uns täglich an die 100 Mails aus verschiedensten Einrichtungen.“

Dass grundsätzlich Folgeinfektionen in Kitas auftreten können, liege „in der Natur der Sache“ und in der „fachlich nicht nachvollziehbaren Richtlinie für Kitas in Rheinland-Pfalz“. Das Gesundheitsamt hatte diese zuletzt mehrfach kritisiert, weil etwa Kinder nach negativem PCR-Test gleich zurück in die Kita gehen sollten, obwohl solche Tests in den ersten Tagen nach einer Infektion auch noch negativ ausfallen könnten. Zudem halte das Land trotz der vielen Corona-Ausbrüche den Regelbetrieb in Kitas aufrecht. Dabei würden vor allem in kleineren Kitas am Nachmittag auch Gruppen gemischt, wovon das Gesundheitsamt dringend abrate.

In einem TV-Bericht zur Coronasituation in Kitas vom 25. November hatte Joachim Christmann, Geschäftsbereichsleiter Gesundheit bei der Kreisverwaltung, die allgemeine Vorgehensweise bei Corona-Fällen erläutert. Er hatte unter anderem darauf verwiesen, dass als positiver Fall nicht ein entsprechendes Schnelltestergebnis, sondern ein offizieller PCR-Test gelte. Erst wenn ein solcher vorliege, würden Maßnahmen eingeleitet – was bis zu zwei Tage dauern kann.