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Polizei macht sich Sorgen: Anstieg bei Heroinkonsum in Konz

Regionale Drogenszene : Polizei macht sich Sorgen: Anstieg bei Heroinkonsum in Konz

Nadeln und Tupfer an verschiedenen Stellen in Konz deuten darauf hin, dass dort harte Drogen genommen werden. Die Polizei ermittelt unter anderem gegen eine Frau und einen Mann aus Trier. Der TV hat mit der Polizei über das regionale Milieu gesprochen.

In Konz sind zurzeit augenscheinlich mehrere Menschen unterwegs, die an öffentlichen Orten harte Drogen konsumieren. Darauf deuten die Funde von Nadeln und Tupfern an mehreren Stellen in der Stadt hin, wozu Mitteilungen unter anderem über Facebook veröffentlicht worden sind (siehe Info). Die Polizei verzeichnet einen leichten Anstieg beim Heroinkonsum in der Region und hat inzwischen einen 23-Jährigen und eine 19-Jährige aus Trier als Tatverdächtige ausgemacht.  


Drei Vorfälle im Juni
Laut Harald Lahr, Leiter der Polizeiinspektion Saarburg, die auch für Konz zuständig ist, sind der Polizei seit dem 13. Juni im Stadtgebiet Konz dreimal Spritzen oder Nadeln und Tupfer gemeldet worden, die auf den Konsum von Betäubungsmitteln schließen lassen. Die beiden ersten Mitteilungen bezögen sich auf entsprechende Funde, die am 13. und 24. Juni jeweils frühmorgens im Bereich des Hauptbahnhofs Konz sowie am Bahnhaltepunkt Konz Kreuz gemacht worden seien. Die Ermittlungen in diesen Fällen habe die Bundespolizei übernommen, sagt Lahr. Nach einem dritten Hinweis am 27. Juni hat die Polizei im Bereich der Straße „Am Luxemburger Damm“ eine 19-jährige Frau und einen 23-jährigen Mann aus Trier angetroffen und kontrolliert. „Bei ihnen wurden entsprechende Utensilien gefunden“, sagt Lahr. „Ob die Personen mit den vorgenannten Funden in Verbindung stehen, ist nicht zwangsläufig, wird aber im Rahmen der Ermittlungen geprüft.“


Blick auf die regionale Szene Die Drogenszene in der Region und in Konz tritt eher selten offen in Erscheinung. Verhandlungen vor Gericht drehen sich in den seltensten Fällen um harte Drogen wie Heroin. Meist geht es eher um Cannabis oder Amphetamine. Da spielt vor allem der Schmuggel aus den Niederlanden und der Weiterverkauf in der Region eine Rolle. Besondere Aufmerksamkeit bekommt die Drogenszene meist nur, wenn es zu spektakulären Razzien oder Todesfällen kommt. So gelang der Polizei zum Beispiel im Januar ein spektakulärer Schlag gegen einen Drogenring in Hermeskeil. Ein Einsatzkommando feuerte einen Schuss auf den Reifen des Wagens eines mutmaßlichen Drogendealers.  Den Mann selbst setzten die Beamten mit einem Elektroschocker außer Gefecht. Der Fund der Ermittler: Mehr als ein Kilo Amphetamine, rund 100 Gramm Kokain und rund 30 Gramm Marihuana. Schwer verletzt wurde bei dem Einsatz niemand.

Das war Ende September 2013 in Konz anders: Da erstach ein 19-Jähriger einen 20-Jährigen bei einem Drogendeal. Damals ging es um wenige Gramm Cannabis. Der Täter wurde 2014 zu neun Jahren Haft wegen Mordes verurteilt. Tödlich war im Jahr 2015 auch der Mix aus der Ersatzdroge Methadon, Alkohol und weiteren Substanzen, den ein 20-Jähriger in Konz zu sich genommen hatte, bevor er in seiner Wohnung starb. Vereinzelt kommt es also immer wieder zu Gewaltdelikten, Überdosen oder größeren Festnahmen im Raum Konz, Saarburg, Hochwald und speziell in der Stadt Konz.  

Einschätzung der Lage Die Lage in der Region ist aus Sicht der Polizei nicht dramatisch. Immer wieder würden Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt, aber: Einen sig­nifikanten Anstieg oder eine Abweichung zu anderen Mittelzentren stelle die Polizei in Konz nicht fest, erklärt PI-Leiter Lahr gegenüber dem TV: „Von einer typischen Drogenszene kann nicht gesprochen werden.“ Es gebe aber eine steigende Anzahl von Jugendlichen und Heranwachsenden, die Drogen wie Marihuana oder Amphetamine konsumiere, nicht nur in der Stadt Konz, sondern auch im gesamten Umland.

Der Pressesprecher der Bundespolizei in Trier, Stefan Döhn, erklärt, dass, auch wenn Drogenfunde eher selten seien, die Bahnhöfe Konz, Konz-Karthaus und Gerolstein aus Sicht der Bundespolizei Trier Schwerpunktorte für Drogendelikte in der Region seien. Der Bahnhof Trier sei kein „Hotspot“. Sorgen bereitet der Polizei ein anderer Umstand: „In der Region ist ein leichter Anstieg bei der Droge Heroin zu verzeichnen“, sagt Lahr. Da es sich dabei um ein „schwerstabhängig machendes Rauschgift“ handele, beobachte die Polizei die Entwicklung sehr genau. Der Anstieg bedeutet aber nicht, dass überall im öffentlichen Raum harte Drogen konsumiert werden: Verstöße mit harten Drogen wie Heroin seien noch immer die Ausnahme. Auch bei Jugendlichen und Heranwachsenden in Konz – wie bei den beiden jungen aktuell Tatverdächtigen – spiele Heroin kaum eine Rolle.


Wie die Polizei gegen Drogen vorgeht Auf TV-Anfrage versichert Lahr: „Das Thema Drogen hat nicht erst seit heute unsere Aufmerksamkeit.“ In enger Abstimmung mit dem Rauschgiftkommissariat der Kriminaldirektion, dem Haus des Jugendrechts in Trier, der Bundespolizei sowie aller Mitarbeiter der Polizeiwache Konz und der Polizeiinspektion Saarburg hätten die Ermittler potenzielle Tatorte im Blick, erläutert PI-Leiter Lahr. Auch „Tatgelegenheitsstrukturen“ würden permanent neu bewertet. Damit meint die Polizei soziale Gefüge, die bestimmte Straftaten fördern, im konkreten Fall also eine Szene, die den Erwerb harter Drogen möglich macht. Manchmal münde die Analyse in Kontrollen „im Rahmen offener und verdeckter Streifen“. Das habe „in der Vergangenheit zu mehreren Ermittlungsverfahren geführt“, sagt Lahr. Darüber hinaus pflege die Polizei engen Kontakt zu Schulen, wo sie Präventionsveranstaltungen anbiete.