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Wie der Riesling schmecken wird, wenn’s noch wärmer wird

Publikation : Wie der Riesling schmeckt, wenn’s noch wärmer wird

Der Kreis Trier-Saarburg ist ein Gewinner der Klimaerwärmung in puncto Weinanbau. So lautet die These eines Experten-Trios in einem Beitrag des neuen Kreisjahrbuchs. Doch bleibt das so?

Badischer Wein –von der Sonne verwöhnt“ – mit diesem Slogan hat der wärmste Teil Deutschland jahrzehntelang bis Anfang der 2020er Jahre für sein Produkt geworben. Mittlerweile ist das Klima der Region Trier mit dem badischen Klima der 1980er Jahre vergleichbar. Zu diesem Schluss kommen Gerd Permesang vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) sowie Dr. Daniel Molitor und Dr. Jürgen Junk vom Luxembourg Institute of Science and Technology in ihrem Text im Kreisjahrbuch Trier-Saarburg 2023. Der Beitrag befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau im Kreis. Denn der Klimawandel ist neben der Nachhaltigkeit ein Schwerpunktthema des Buches, das so eben erschienen ist.

Winzer im Kreis gehören zu den Gewinnern der Klimakrise – noch

Die oben genannten Autoren kommen in ihrem Beitrag zu dem Schluss, dass das Kreisgebiet ein Gewinner der Klimaerwärmung ist – vorerst. Für die Zukunft sehen sie allerdings deutliche Probleme auf die Winzer zukommen. Beide Entwicklungen belegen sie eindrücklich. So ist es laut den Autoren mittlerweile fast in jedem Jahr möglich, Weine mit Spitzenqualitäten zu erzeugen, wofür – je nach Rebsorte – bestimmte Temperaturwerte in der Vegetationsphase benötigt werden. Einige Weingüter erreichten demnach regelmäßig höchste Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Jahrgänge mit geringer Güte seien nicht mehr zu verzeichnen. Von 1971 bis 1980 war das noch anders. In diesem Jahrzehnt gab es laut den Fachleuten nur wenige gute Weinjahre. Deren Anzahl hat sich dann in den Folgejahren gesteigert. Mittlerweile werden nicht nur die Wärmebedürfnisse des Rieslings mehr als erfüllt, sondern auch die Anforderungen der noch stärker wärmeliebenden Rotweinsorten wie Grenache und Syrah.

Was dem regionalen Wein durch den Klimawandel droht

Doch das Klima wird sich nach einhelliger Meinung von Experten weiter erwärmen. „Bei höheren Temperaturen sind nicht nur Rebsorten wie Müller-Thurgau und Elbling im Anbau gefährdet, auch der für unser Anbaugebiet so wichtige Riesling wird mit Problemen zu kämpfen haben“, prognostizieren Permesang, Molitor und Junk. Die an das gemäßigte Klima der hiesigen Breiten angepasste Riesling verändere bei zu viel Wärme und Sonne seinen Geschmack. „Die Weine werden alkoholisch und wirken brandig“, schreiben die Autoren. Sie würden ihre Eleganz und filigrane Leichtigkeit verlieren, also das was Weinliebhaber an ihnen weltweit schätzten.

Auch der Anbau wird zunehmend schwierig. So wird laut den Fachleuten der seit 2019 verstärkt zu beobachtende Sonnenbrand (die Beeren erleiden Verbrennungen und verkümmern) häufiger auftreten. Hitzeschäden, Dürre und Starkregen mit Unwetterpotenzial heißen die Herausforderungen.

Wie der Riesling schmecken wird, wenn’s noch wärmer wird
Foto: TV/Marion Maier

Mögliche Lösungen

Die Autoren zeigen mögliche Wege auf, mit diesen Problemen umzugehen. Ältere Weinberge zu erhalten, kann eine Strategie sein, denn die weit verzweigten Wurzeln ihrer Rebstöcke reichen bis zu 15 Meter tief in den Boden und können dort noch Wasserreserven erschließen. Umweltfreundlich zu bewässern, kann eine andere Strategie sein. Das Wasser kommt dann aus Speicherbecken, die nahe an den Rebflächen entstehen sollten und in die in niederschlagsreichen Zeiten das überschüssige Nass aus Fließgewässern geleitet wird.

Statt Steillagen, die auf maximale Sonneneinstrahlung ausgerichtet sind, sehen die Experten nun eher Flachlagen in Flussnähe im Vorteil. Die Experten empfehlen zudem Nebenlagen zu reaktivieren, die einst wegen schlechteren klimatischen Bedingungen aufgegeben wurden – so wie es beispielsweise beim Ockfener Geisberg bereits passiert. Diese Verlagerung der Weinbauaktivitäten werden das gewohnte Bild der Flusslandschaften verändern – darin sind sich die Autoren einig. Auch ein Sortenwechsel hin zu meist roten Rebsorten kann laut den Fachleuten eine Alternative sein, die allerdings nur langsam möglich und mit erheblichen Kosten verbunden ist.

Das Fazit der Experten lautet: Sollen der heutige Weinbau und die für die Region typische Eigenart der Weine erhalten bleiben, muss das Klima stabilisiert werden – „eine Mammutaufgabe, an der wir alle mitarbeiten müssen“.