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Willi Körtels schreibt über starke und erfolgreiche Frauen aus der Region Trier

Registrierungspflichtiger Inhalt: Regionalgeschichte : Konzer schreibt Geschichte der Emanzipation in der Region Trier

Sie haben Außergewöhnliches geleistet, haben Bildung erlangt, als keiner sie ihnen freiwillig bieten wollte oder sind vor den Nazis geflohen. Willi Körtels aus Oberemmel hat 117 starke Frauen porträtiert.

Wer mit Willi Körtels spricht, kann viel lernen. Der 72-Jährige ist einer der bekanntesten Experten für das jüdische Leben in der Region Trier. Über Jahre hinweg hat er ein Netzwerk zu Familien von Juden aufgebaut, die während des Dritten Reichs aus der Region Trier geflohen sind. Sein neuestes Werk hat der pensionierte Deutschlehrer und Heimatforscher aus Konz-Oberemmel jedoch einer anderen Gruppe gewidmet: den Frauen. Er hat sich darin mit den Lebensläufen von gleich 117 weiblichen Akteuren aus dem Raum Trier auseinandergesetzt. Neben historischen Persönlichkeiten wie Kaisermutter Helena, Hildegard von Bingen oder Schriftstellerin Clara Viebig sind in dem 346 Seiten umfassenden Band auch Kapitel über moderne Frauen wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer oder EU-Parlamentarierin Katarina Barley. Es kommen auch unbekanntere Persönlichkeiten vor, die in ihrem Leben oft unbemerkt von der Öffentlichkeit viel geleistet und so die Position der Frauen in der Gesellschaft gestärkt haben. Zum Weltfrauentag am Sonntag, 8. März, stellt der TV einige von ihnen vor.

 EU-Parlamentarierin Katarina Barley (SPD) ist eine der bekanntesten Politikerinnen aus der Region.
EU-Parlamentarierin Katarina Barley (SPD) ist eine der bekanntesten Politikerinnen aus der Region. Foto: dpa/Jens Büttner

Grundvoraussetzung für die Aufnahme ins Buch ist laut Körtels, dass die Frauen etwas Ungewöhnliches gemacht haben. Viele der Porträtierten haben sich zum Beispiel gegen alle Widerstände und gesellschaftlichen Zwänge durchgesetzt und aus ihrem Leben viel mehr gemacht, als die Menschen in ihrem Umfeld es ihnen zugetraut oder zugestanden hätten. Vor allem macht Körtels’ Band eines klar: Der Zugang zu Bildung ist entscheidend für fast alles, was folgt.

 Marie-Luise Niewodniczanska war an der Hochschule Trier Lehrbeauftragte für die Fachbereiche Architektur und Design.
Marie-Luise Niewodniczanska war an der Hochschule Trier Lehrbeauftragte für die Fachbereiche Architektur und Design. Foto: TV/Dagmar Schommer

Diesen Zugang hatten Frauen lange nicht. Insofern ähnele die Geschichte der Emanzipation der Frauen der Geschichte der Juden in Deutschland, sagt Körtels. Frauen wie auch Juden hätten immer mit Benachteiligung und Unterdrückung zu kämpfen gehabt. In seinem Buch gehe es darum, den Ertrag der Emanzipation in der Region Trier festzuhalten. Wie kompliziert es früher für Frauen war, Bildung zu erlangen, zeigt der Blick des 72-Jährigen auf die Geschichte. Erst in den 1890er Jahren durften Frauen erstmals das Abitur machen, zuerst nur mit ministerieller Sondergenehmigung.

Eine der ersten Frauen aus dieser Zeit mit Abitur war Hermine Maas. Sie wurde 1871 als Tochter des Kaufmanns Albert Maas in Trier geboren. Die Jüdin erkämpfte sich trotz des antisemitischen und frauenfeindlichen Klimas im Deutschen Reich in den 1890er Jahren zuerst das Abitur und später einen Studienplatz in Berlin. 1907 promovierte sie in Heidelberg in Medizin. 1910/1911 wurde die gebürtige Triererin sogar die erste Schulärztin im Königreich Bayern. Bis 1933 sei ihr Wirken nachweisbar, sagt Körtels. Kurz nachdem sie unter dem Nazi-Regime als Jüdin nicht mehr praktizieren durfte, sei sie gestorben. Als Todestag ist der 6. April 1934 bekannt.

 Maria Willems aus Konz-Oberemmel hat mit 22 Jahren das elterliche Weingut übernommen und unter anderem lange Jahre bei den Landfrauen wichtige ehrenamtliche Arbeit geleistet.
Maria Willems aus Konz-Oberemmel hat mit 22 Jahren das elterliche Weingut übernommen und unter anderem lange Jahre bei den Landfrauen wichtige ehrenamtliche Arbeit geleistet. Foto: Jürgen Boie
 Professor Ingrid Kurz-Scherf aus Konz hat sich einen Namen als Politikwissenschaftlerin gemacht.
Professor Ingrid Kurz-Scherf aus Konz hat sich einen Namen als Politikwissenschaftlerin gemacht. Foto: TV/Bistum Trier

Ab 1910 bis in die 1920er Jahre stieg die Zahl der studierenden Frauen steil an. Die Emanzipation nahm Fahrt auf. Das war die Zeit, als eine Frau aus Körtels’ Buch, die er besonders hervorhebt, ihre Karriere begann: Hilde Hubbuch (geborene Isay, siehe Info).

Neben den erfolgreichen Persönlichkeiten aus der Vergangenheit hat sich Körtels auch mit Frauen aus der Gegenwart beschäftigt, zum Beispiel mit solchen, die eine wissenschaftliche Karriere machen. Eine von ihnen ist Prof. Ingrid Kurz-Scherf, Jahrgang 1949, aus Konz, die bis 2015 am Institut für Politikwissenschaft an der Uni Marburg tätig war. Sie hat sich wissenschaftlich unter anderem mit Arbeitsmarktpolitik auseinandergesetzt. In ihren Forschungsarbeiten und -projekten befasste sie sich unter anderem mit der 38,5-Stunden-Woche in der Metallindustrie. Inzwischen hat sie ihre wissenschaftliche Karriere beendet. In Konz organisiert sie seit 2018 zusammen mit anderen Bürgern den Politischen Salon, eine offene Diskussionsrunde, in der sich die Konzer mit aktuellen politischen Themen beschäftigen.

Aber nicht nur wissenschaftliche Errungenschaften spielen für Körtels eine Rolle. So widmet er zum Beispiel ein Kapitel seines Buches Maria Willems aus Konz-Oberemmel, Jahrgang 1949. Willems hat mit 22 Jahren 1971 das Familien-Weingut in Konz-Ober­emmel übernommen. In Körtels’ Buch hat sie es wegen ihres langjährigen Engagements bei den Landfrauen geschafft. 37 Jahre lang war sie im Vorstand, 20 Jahre erste Vorsitzende.

Am Dienstag, 17. März, um 19.30 Uhr stellt Willi Körtels sein neues Buch „Biographien von Frauen der Region Trier“ im Freilichtmuseum Roscheider Hof vor. Der Eintritt zur Lesung kostet drei Euro, ein Glas Wein inklusive. Karten gibt es in der Stadtbibliothek Konz, die die Lesung veranstaltet, und in der Buchhandlung Kolibri in Konz.