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Krankschreibung nur bei deutlichen Symptomen

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Krankschreibung nur bei deutlichen Symptomen

Eine Corona-Infektion reicht nicht aus für eine Arbeitsunfähigkeit. Erst wenn ein Arbeitnehmer klare Krankheitssymptome aufzeigt, darf ein Arzt eine entsprechende Bescheinigung ausstellen.

Offenbar besteht bei einigen Arbeitgebern in der Region wegen der Corona-Pandemie große Verunsicherung. Wie die Bezirksärztekammer mitteilt, verlangen einige Unternehmen von ihren Beschäftigten, sich krankschreiben zu lassen, etwa weil sie zur sogenannten Risikogruppe (Ältere oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen) gehören. Auch meldeten sich Patienten in den Praxen, die aus Sorge um ihre Gesundheit derzeit nicht arbeiten gehen wollen.

Die Ärztekammer weist jedoch daraufhin, dass eine Krankschreibung nur erfolgen könne, wenn es dafür auch einen Grund gebe, wenn nämlich der Arbeitnehmer tatsächlich krank sei.

„Immer mehr Arbeitgeber bitten Mitarbeiter, die mittelbar Kontakt zu einem Verdachtsfall hatten, vorsorglich zu Hause zu bleiben, bis das Testergebnis vorliegt. Ist der Betroffene nicht krank, kann der Arzt keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen“, sagt Kammer-Vorsitzender Walter Gradel. Erst wenn der Patient krank sei, weil er zum Beispiel stark huste oder Fieber habe, könne eine solche Bescheinigung ausgestellt werden. Ohne Symptome könne aber keine Krankschreibung erfolgen. Das gelte auch dann, wenn der Patient positiv auf Corona getestet worden sei, aber eben keine Krankheitszeichen zeige.

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) darf ein Arzt auch bei Verdacht auf Corona den Patienten nicht krankschreiben. Solange er keine Symptome aufweise, erfülle er nicht die Voraussetzungen für eine Arbeitsunfähigkeit. Wenn der Arbeitgeber in diesen Fällen kein Homeoffice ermöglicht, den Patienten aber trotzdem nach Hause schicke, befindet sich der Arbeitgeber im sogenannten Annahmeverzug. Er müsse weiterhin das Gehalt zahlen, teilt die KBV mit.

Auch wenn ein Arbeitnehmer wegen einer möglichen Corona-Infektion in Quarantäne komme, werde er nicht automatisch krankgeschrieben, so die Bezirksärztekammer. „Für Personen, die sich in einer behördlich angeordneten Quarantäne aufgrund des Coronavirus befinden, aber keine Krankheitssymptome aufweisen, muss der Vertragsarzt auch keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber ausstellen.“

In diesem Fall sei die Zahlung des Gehaltes durch den Arbeitgeber über die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Der Patient müsse dazu den behördlichen Bescheid über die Anordnung der Quarantäne beim Arbeitgeber einreichen. Der Arbeitgeber kann sich die Lohnfortzahlung über die zuständigen Behörden erstatten lassen.

Sobald ein Patient, der bisher keine Symptome aufgewiesen habe, während der Quarantäne erkranke, bestehe von diesem Zeitpunkt an Arbeitsunfähigkeit, so die Ärztekammer. „Bei Arbeitsunfähigkeit ist also trotz Quarantäne eine Bescheinigung durch den Arzt erforderlich.“

Bei einer bestätigten Infektion mit dem Coronavirus und Krankheitssymptomen stelle der behandelnde Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. In diesem Fall erfolge die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, der diese aber nicht vom Bundesland erstattet bekomme.