Missbrauchsermittlungen gegen Trierer Bistumspriester eingestellt

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Missbrauchsermittlungen gegen Trierer Bistumspriester eingestellt

Die Missbrauchsermittlungen gegen einen Trierer Geistlichen sind eingestellt. Der Grund: Die von dem Priester bestrittene Tat, so es sie gegeben hat, wäre inzwischen verjährt. Und wie geht es jetzt weiter?

Die Missbrauchsermittlungen gegen einen Ruhestandspriester aus der Region Trier sind eingestellt worden. Der mögliche Übergriff habe sich vor 13 bis 15 Jahren ereignet und sei damit verjährt, sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Der Trierer Bistumspriester soll sich damals an einem Jugendlichen vergangenen haben. Der Geistliche bestreitet die Tat.

Der Fall sorgte im April dieses  Jahres für Schlagzeilen: Ausgerechnet parallel zu einer Veranstaltung über die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche wurde ein neuer Verdachtsfall im Bistum Trier bekannt. Danach sollte sich ein Ruhestandsgeistlicher viele Jahre zuvor an einem Jugendlichen seiner Pfarrei vergangene haben.

Der angebliche Übergriff wurde nur publik, weil das längst erwachsene Opfer sich irgendwann einem Dritten anvertraut und den Missbrauch geschildert hatte.

Die Trierer Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet, das Bistum leitete ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Priester ein und untersagte dem Geistlichen die Feier von Gottesdiensten. Der Beschuldigte selbst hatte die mutmaßliche Tat immer bestritten.

Im Ort selbst glaubten die einen eher der Version des Ruhestandspriesters, während die anderen auf der Seite des mutmaßlichen Opfers standen. Nachdem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nun nach anderthalb Jahren wegen Verjährung eingestellt worden sind, dürfte sich an dieser Situation wenig ändern. Der Geistliche hat den Ort mittlerweile verlassen, ist umgezogen.

Das kirchenrechtliche Verfahren gegen den über 70-Jährigen ruhte während der laufenden Ermittlungen, es dürfte nun wieder aufgenommen werden, wie aus Bistumskreisen zu hören ist. Wie das Strafrecht ist in den zurückliegenden Jahrzehnten auch das Kirchenrecht beim Thema Missbrauch verschärft worden. Es gibt inzwischen andere Verjährungsfristen und höhere Strafen. Beim Kirchen- wie beim Strafrecht gilt aber auch: Wird ein Gesetz nach Begehen einer Straftat geändert, ist für den Täter das günstigere Gesetz anzuwenden.

Ob im Fall des Ruhestandspriesters am Ende noch eine kirchenrechtliche Bestrafung folgen könnte, ist unklar. Wahrscheinlich ist eher, dass mit dem Ausgang des Verfahrens am Ende niemand zufrieden sein wird, weil eben nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann, ob eine Straftat begangen wurde oder nicht. So lange das aber nicht der Fall ist, werden die Gerüchte auch nicht verstummen.

In einem anderen Fall dauern die Ermittlungen noch an: Die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt seit über zwei Monaten gegen einen Trierer Bistumspriester wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines 14-Jährigen. Der Geistliche soll dem Jugendlichen am Mainzer Hauptbahnhof Geld für sexuelle Handlungen geboten haben. Das Geschäft sei aber nicht zustandegekommen, sagte ein Sprecher der Mainzer Staatsanwaltschaft im September unserer Zeitung. Das Bistum hatte den Priester umgehend beurlaubt. Bis zum Ende der Untersuchung sei es dem Pfarrer verboten, priesterliche Dienste auszuüben, sich im Bereich seiner Pfarreiengemeinschaft aufzuhalten oder Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu haben.

Im Bistum Trier wurden seit 1946 insgesamt 148 Priester wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Betroffen waren 442 Opfer.