Wittlicher Immobilie kommt unter den Hammer

Kostenpflichtiger Inhalt: Immobilienmarkt : Interessante Immobilie kommt unter den Hammer

In dem Gebäudekomplex in der Wittlicher Kurfürstenstraße sind unter anderem zwei Fachbereiche der Kreisverwaltung untergebracht. Der Eigentümer der Immobilie sitzt im Gefängnis.

Am Donnerstag, 21. November, kommt es beim Amtsgericht Wittlich zur Zwangsversteigerung einer hochinteressanten Immobilie. Es geht um das Anwesen Kurfürstenstraße 59 mit mehreren Gebäuden in dem sich zahlreiche Büro- und Geschäftsräume befinden. Der Verkehrswert ist mit 1,65 Millionen Euro angegeben. Die Gesamtgröße der Gebäude- und Freiflächen beträgt 3328 Quadratmeter. Zum einen handelt es sich um das ehemalige Forstamt (Baujahr 1899), einem vor 1950 gebauten Betriebsgebäude des ehemaligen Forstamtes, einem Zwischentrakt und einem im Jahr 2006 angebauten großen Geschäftsgebäude.

In den Gebäuden hat unter anderem die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich Räume gemietet. Dort sind die Fachbereiche 06 (Kreisentwicklung) mit der Geschäftsstelle der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Mosel und der Geschäftsstelle der Energie Bernkastel-Wittlich, Anstalt des öffentlich Rechts (AöR), sowie der Fachbereich 12 (Jugend und Familie) untergebracht.

Weiterer Mieter ist der Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück mit dem Pflegestützpunkt Wittlich. Ferner haben zwei Rechtsanwaltskanzleien dort ihre Büros, ein Immobilienmakler und eine Firma, die Nahrungsergänzungsmitteln, Sportgetränke, Fitnessbekleidung und -zubehör anbietet.

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich zahlt für die Miete der Räume in dem Haus Kurfürstenstraße 59 jährlich 30 000 Euro. Ob sie ein Kaufinteresse an der Immobilie hat, ist nicht bekannt. Nach Auskunft von Pressesprecher Manuel Follmann habe die Kreisverwaltung Raumbedarf. Dafür würden alle Optionen geprüft, sei es die Anmietung von Räumen, der Kauf von Immobilien oder ein Neubau.

Als Eigentümer eingetragen ist ein 47-jähriger Geschäftsmann aus Wittlich. In Wittlich betrieb der gelernte Rettungssanitäter ein „Gesundheitszentrum“ und handelte mit Rettungstechnik wie Beatmungsbeutel, Bandagen oder Geräten zur Schmerztherapie.

Später verlegte er seine Aktivitäten auf die Kanareninsel Teneriffa, wo er ebenfalls medizinische Dienstleistungen anbot.

Zurzeit befindet er sich allerdings in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Diez, wo er eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten absitzt. Er war 2016 vom Landgericht Koblenz wegen Betrugs in mehr als 2400 Fällen verurteilt worden. Grundlage der Verurteilung wegen Betruges waren Taten zum Nachteil mehrerer gesetzlicher Krankenkassen. Das Landgericht hatte hierzu festgestellt, dass der Verurteilte medizinische Hilfsmittel – zum Beispiel orthopädische Strümpfe – gegenüber den Krankenkassen über mehrere Jahre zu Unrecht abrechnete.

Im Mai dieses Jahres musste er sich erneut vor dem Gericht verantworten, diesmal vor dem Schöffengericht Wittlich wegen Wucher. Der Vorwurf: Er habe auf Teneriffa mit einem betrügerischen Geschäftsmodell Einnahmen erzielen wollen. Im November 2017 habe er einer Deutschen angeboten, ihr bei der Einäscherung ihres Mannes, der Überführung der Urne nach Deutschland und Zahlung von Krankenhauskosten behilflich zu sein und dafür 60 000 Euro verlangt. Der Angeklagte habe der wegen Multipler Sklerose auf einen Rollstuhl angewiesenen Frau auch angeboten, beim Umzug nach Deutschland zu helfen, wofür er mehr als 44 400 Euro verlangt habe, obwohl ein Kurierflugzeug maximal 16 000 Euro gekostet habe.

Durch die gezahlten rund 104 000 Euro drohe der Geschädigten, die heute in einer Seniorenresidenz in Neustadt an der Weinstraße lebt, Altersarmut. Doch wie ein vom Gericht in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten ergeben hatte, sei Wucher im Gegensatz zum deutschen Strafgesetzbuch in Spanien nicht strafbar. Ein Betrug liege auch nicht vor. Das Verfahren werde deswegen eingestellt.

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