Christian Baldauf (CDU): "Ich werde alles geben für den Wahlsieg 2021"

Kostenpflichtiger Inhalt: CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf : „Ich werde alles geben für den Wahlsieg 2021“

Christian Baldauf siegt im Rennen um CDU-Spitzenkandidatur und fordert ein Ende des „Ampelgehampels“ in Mainz.

Die Kameras klicken und blitzen schon vor Christian Baldaufs Nase, bevor das Ergebnis um die CDU-Spitzenkandidatur 2021 verkündet ist. Einige Meter von dem Pulk entfernt steht Marlon Bröhr einsam in einem dunklen Teil der Halle, in den kein Licht mehr fällt und schaut sich den Trubel an. Für ihn ist das Spiel verloren. Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Baldauf hat die Abstimmung gegen den Rhein-Hunsrück-Landrat deutlich mit 80,25 Prozent der Delegiertenstimmen beim Parteitag in Neustadt/Weinstraße gewonnen und fordert als CDU-Spitzenkandidat im Land 2021 Ministerpräsidentin Malu Dreyer heraus.

Baldauf lässt sich vom letzten rheinland-pfälzischen CDU-Regierungschef Bernhard Vogel herzen, küsst seine Frau Martina, nimmt Glückwünsche von Bröhr entgegen, schreitet dann auf die Bühne und winkt mit einem großen Blumenstrauß in die Menge. Der pfälzische CDU-Spitzenkandidat – zweifacher Vater, Anwalt, Landtagsabgeordneter und Fan des 1. FC Kaiserslautern – verspricht: „Ich werde alles geben für den Wahlsieg 2021, mit Herzblut, Mut, Optimismus, 24 Stunden am Tag.“ Seit 1991 sitzt die CDU im Land in der Opposition. Baldauf soll das ändern, nicht Bröhr, dem die Bühne am Samstag noch zu groß war. Das Rededuell erinnert an ein Fußballspiel, bei dem die erfahrenere Mannschaft von Anfang an willig in die Zweikämpfe geht, vom Publikum gefeiert wird und den grünschnäbeligen Gegner einschüchtert.

Baldauf geht vor der eigenen Partei auf die Knie, dankt Jungen, Alten, Vereinigungen und grenzt sich damit von Marlon Bröhr ab, der auf die Netzwerke innerhalb der Union völlig verzichtet hat. „Die SPD in Rheinland-Pfalz ist ein starker Gegner. Das unterschätze ich nicht. Um diesen Kampf zu gewinnen, brauchen wir jedes einzelne Mitglied“, sagt Baldauf. Die Landesregierung verschont der 52-Jährige nicht mit Kritik. „Es muss Schluss sein mit sozialdemokratischer Abwirtschaftung“ sagt er und greift gezielt die Bildungspolitik an, die er angesichts von Unterrichtsausfall, einem „Kita-Zumutungsgesetz“ und Brandbriefen überlasteter Lehrer als „chaotisch“ bezeichnete. Rheinland-Pfalz müsse wieder das Bundesland mit den besten Schulen werden, fordert Baldauf, „ein Vorreiter in Bildung“ wie unter Bernhard Vogel, fordert er. Der FDP wirft er vor, im Wirtschaftsministerium nicht ihren Sachverstand einzubringen. „Jede Klamm in Tirol und sogar die jordanische Wüste ist digital besser erschlossen als manches Eifeldorf“, tönt Baldauf. Die Grünen-Spitzenkandidatin Anne Spiegel kritisiert er, weil sie als Integrationsministerin Gerichtsurteile nicht respektiere, Abschiebungen verhinderte und dafür sogar eine Rüge des höchsten Richters in Rheinland-Pfalz kassiert habe. Baldauf, der gegen das Hupen demonstrierender Bauern vor der Halle anreden musste: „Es ist an der Zeit, das rot-grün-gelbe Ampelgehampel in Mainz, diese Koalition der Zaghaftigkeit und der Ideendürre zu beenden“, sagt er und erntet lauten, lang anhaltenden, stehenden Applaus.

Marlon Bröhr über die Niederlage beim CDU-Landesparteitag

Und Bröhr? Der Landrat, dessen Hoffnung auf eine Mitgliederentscheidung über den Spitzenkandidaten in einer Abstimmung krachend scheitert, teilt die inhaltliche Analyse, widerspricht aber dem neuen Generalsekretär Gerd Schreiner, der in einem Interview im „Trierischen Volksfreund“ einen „ungläubigen Neid auf die CDU“ festgestellt hat. Die Lage der CDU sei eher vertrackt, sagt Bröhr. Die Partei habe seit 1991 im Land jede Wahl verloren, dümpele in Umfragen bei 28 Prozent herum, es fehle an einem strategischen Partner zur Koalitionsübernahme, mäkelt der Rhein-Hunsrück-Landrat, der sich als glaubwürdigen Neuanfang bezeichnet und ein Vorbild in der SPD sieht: „Nach dem Rücktritt von Kurt Beck hätte die SPD auch Roger Lewentz als selbstverständlichen Nachfolger wählen können. Sie hat sich aber völlig überraschend für Malu Dreyer entschieden. Warum wohl...?“, fragt Bröhr, der der CDU vorwirft, zu weit nach links gerückt zu sein, der SPD dort keinen Platz mehr gelassen und rechts eine offene Flanke für die AfD gelassen habe.

Die Landesregierung kritisierte der 45-Jährige dafür, die Kommunen im Stich zu lassen, weshalb „sie dringend abgewählt gehört“. Ja, er habe Ecken und Kanten, sagt der gelernte Zahnarzt. Er sei aber sicher, dass die CDU die Wahl 2021 gewinnen könne. „Sie müssen mich aber auch lassen“, sagt er den Delegierten in dem Saal.

Sie lassen ihn nicht. Die CDU wagt mit Christian Baldauf die Attacke auf die Staatskanzlei. Die Würze aus dem Zweikampf in den eigenen Reihen nimmt Bröhr raus, als er nach der Entscheidung zu den ersten Gratulanten gehört und dem pfälzischen Sieger zusichert: „Wenn du auf deinem Weg Hilfe brauchst, ruf mich an. Ich bin immer da – und ab jetzt auch in deinem Team.“

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