Cyber-Bunker in Traben-Trarbach: Bima äußert sich zu Vorwürfen

Kostenpflichtiger Inhalt: Bima äußert sich zu Vorwürfen : Cyber-Bunker in Traben-Trarbach - „Wie konnte der überhaupt an den Bunker rankommen?“

Herman-Johan X. war nicht der einzige, der den Traben-Trarbacher Bunker kaufen wollte. Immer neue Fragen tauchen auf. Die Bundeswehr hat dem Niederländer sogar beim Einzug geholfen.

Auch knapp zwei Wochen nach dem größten Schlag gegen Cyberkriminelle in Deutschland wirft der Fall des Traben-Trarbacher Bunkers, über dessen Server jahrelang Drogen, Waffen und Kinderpornografie verkauft wurden, viele Fragen auf.

Vor allem diese: Wie konnte es passieren, dass der deutsche Staat einen High-Tech-Bunker mutmaßlichen Kriminellen überlässt? Wieso hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sich für einen Käufer mit bekanntermaßen zwielichtigen Hintergrund entschieden? Und das, obwohl das Landeskriminalamt (LKA) die Behörde erst acht Tage vor dem Verkauf gewarnt hatte? So teilte das LKA der Bima am 17. Juni 2013 mit: Konkrete Anhaltspunkte zur Einleitung eines Strafverfahrens gebe es nicht – es sei jedoch nicht auszuschließen, dass der Käufer den Standort für ein Rechenzentrum zur „Begehung und Unterstützung von Straftaten im Internet“ nutzen könnte (der TV berichtete).

Fragen, auf die die Bundesanstalt nun erstmals ausführlich antwortet. So widerspricht die Bima der Darstellung, sie haben vom LKA eine „Warnung“ erhalten. Vielmehr habe das LKA mitgeteilt, dass kein konkreter Verdacht bestehe. Zudem seien sich LKA und Bima einig gewesen, „dass der Erwerb des Bunkers keine Voraussetzung für die Begehung von Straftaten sei“. Die Bima habe erwogen, den niederländischen Interessenten Herman-Johan X. vom Kaufprozess auszuschließen. Sich dann jedoch dagegen entschieden – auch weil ein Rechenzentrum dem Wunsch der Verbandsgemeinde entsprach, „die nachdrücklich immer wieder eine schnelle Nachnutzung des Bunkers gefordert hatte“. Zudem habe die Bima den gesetzlichen Auftrag, Liegenschaften wirtschaftlich zu veräußern. Da gelte es „lange Leerstände und unnötige Zwischenbewirtschaftungskosten“ zu vermeiden. Insofern sei eine „warme Übergabe“ immer der Idealfall.

Wie teuer der Betrieb des Bunkers war, teilt die Bima nicht mit. Genaueres weiß jedoch Jörg Diester, Sprecher der Bunkerdokumentationsstätten – ein Zusammenschluss mehrerer Träger, die Schutzbauten aus der Zeit des kalten Krieges als Museen nutzen. „Auch wir haben uns 2012 auf den Bunker in Traben-Trarbach beworben“, sagt Diester, der sich angesichts des von Beginn an dubiosen Käufers weiter fragt: „Wie konnte der überhaupt da rankommen?“

Die Bundeswehr-Verantwortlichen hätten im Vorfeld auf die immensen Betriebskosten von 953 900 Euro im Jahr hingewiesen. Kosten, die auch dadurch entstehen, dass Entwässerung, Belüftung und Regulierung der Luftfeuchte in einem fünf Stockwerke tiefen Bau extrem aufwendig sind.  „Sicherlich abschreckend für die Planung eines Museumsbetriebes. Entsprechend unser Angebot für diese Immobilie: ein Euro“, sagt Diester, dessen Vereinigung den Zuschlag denn auch nicht erhielt.

War doch schon im Exposé festgelegt, dass das beste Kaufangebot gewinnt. Dieses machte offenbar der Niederländer, der 350 000 Euro gezahlt haben soll. Zahlen, die offiziell niemand bestätigt.

„Was folgte, ist bekannt und schwer verständlich“ – zumal „Herr X. für die Bima weder neu noch unbekannt“ gewesen sei. „Man hatte mit X. schon an anderen Orten in Rheinland-Pfalz gemeinsam Schutzbauten ,angeguckt’“, sagt Diester. Unter anderem habe sich der Niederländer anfangs auch für den Bunker Erwin im Hunsrück interessiert, der dann jedoch von einer anderen Firma gekauft und in ein hochsicheres Rechenzentrum verwandelt wurde.

Was Diester rückblickend besonders wundert, ist eine Passage des Exposés, mit dem die Bima das Objekt Käufern 2012 schmackhaft machen wollte. Dort heißt es nämlich: „Soweit möglich soll eine unmittelbare Anschlussnutzung der Gebäude und Anlagen erfolgen, um eine Stilllegung des Schutzbaus und längere Wiederinbetriebnahmezeiten und höhere Kosten zu vermeiden. In Abstimmung mit dem derzeitigen Nutzer wird auch eine befristete Mitbenutzung von Teilbereichen der Liegenschaft in Erwägung gezogen.“

„Das muss man sich mal vorstellen!“, sagt der Bunker-Experte. Die Parallelbenutzung habe bei der Übergabe solcher Immobilien nur einen Zweck: Einarbeitung des Käufers und unterbrechungsfreier Betrieb. Das sei absolut nicht üblich, sagt Diester. Die Bundeswehr-Mitarbeiter, die er dort selbst kennengelernt hatte, unterlagen auch unmittelbar vor dem Verkauf noch immer der Geheimhaltungspflicht.

Hat also die Bundeswehr den Mann, der mutmaßlich für Tausende Drogengeschäfte mitverantwortlich ist, darin unterwiesen, wie die Bunkertechnik funktioniert? Fragen, die am Mittwoch auf die Schnelle weder das Verteidigungsministerium noch die Bundeswehr beantworten konnten. Nach Auskunft des Traben-Trarbacher Stadtbürgermeisters Patrice Langer, der selbst in der Anlage gearbeitet hat, war die Bundeswehr zwar schon raus, als X. im Bunker Einzug hielt. Allerdings sei das 16 Mann starke Wartungsteam – alles Zivilangestellte der Bundeswehr – noch da gewesen und habe den neuen Besitzer eingewiesen.

Für Diesters Vereinigung wäre Traben-Trarbach damals recht sicher zum Zuschussgeschäft geworden. Zumal nicht mit riesigen Besucherströmen zu rechnen war. „Jetzt ist das Ding bekannt wie ein bunter Hund“, sagt Diester. Wer weiß, vielleicht zieht ja eines Tages doch noch ein Museum in zunächst meteorologische und dann offenbar ziemlich kriminelle unterirdische Rechenzentrum ein.

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