Dürfen Schüler bald länger schlafen?

Kostenpflichtiger Inhalt: Diskussion über Unterrichtsbeginn : Schlafforscher fordert: Schule soll morgens erst um 9 Uhr starten

Jugendliche arbeiten dann konzentrierter und schreiben bessere Klausuren, sagen Wissenschaftler. Das Problem sei der desaströse Busverkehr, wettert der Regionalelternsprecher.

Bei Schülern aus der Region rappelt heute vor den Weihnachtsferien ein letztes Mal der Wecker. Danach können sie einige Wochen lang ausschlafen. Geht es nach Schlafforschern, sollten Kinder und Jugendliche aber auch länger in den Federn liegen dürfen, wenn die Schule wieder startet. Hans-Günter Weeß von der rheinland-pfälzischen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin fordert, die Schule erst ab 9 Uhr morgens starten zu lassen, weil es gesünder sei.

„Gerade Jugendliche, die genetisch schon später ins Bett gehen, zwingen wir durch einen frühen Schulstart um acht Uhr in ein chronisches Schlafdefizit“, sagt Weeß. Schüler arbeiteten dann unkonzentrierter, schrieben schlechtere Klausuren als am Vormittag, die Gefahr von ungesunder Ernährung und Übergewicht steige. „Studien zeigen, dass Jugendliche schon deutlich bessere Ergebnisse hinlegen, wenn der Unterricht nur um eine halbe Stunde nach hinten verlagert wird. Wenn wir über enttäuschende Bildungsergebnisse sprechen, müssen wir auch in den Blick nehmen, wann die Schule anfängt“, sagt Weeß, der im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung sitzt. Deutschland solle sich an Ländern wie Frankreich und England ausrichten, wo die Schule später anfange.

Reiner Schladweiler, Elternsprecher in der Region Trier, sagt, es sei „an der Zeit, den Unterrichtsstart an den Biorhythmus der Schüler anzupassen und erst um neun Uhr anzufangen“. Der Temmelser (Kreis Trier-Saarburg) verweist aber auf „den desaströsen Schülerverkehr“, bei dem es zuletzt in der Region zu Verspätungen, längeren Fahrten und Busausfällen gekommen ist (der TV berichtete). „In der Stadt funktioniert ein späterer Schulstart, auf dem Land nicht, weil es an der schlechten Infrastruktur scheitert“, bedauert Schladweiler.

In Rheinland-Pfalz soll der Unterricht laut Ordnung lediglich nicht vor 7.45 Uhr beginnen. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagt: „Derzeit sehen wir keinen Anlass, die geltenden Vorschriften zum Schulbeginn am Morgen zu ändern.“ Die Vorschriften seien sehr weit gefasst und böten Schulen Spielräume. Die Landesschülervertretung fordert, dass die Schule nicht vor acht Uhr starten darf, und setzt künftig auf Gleitzeiten, bei denen Schüler ihren Unterrichtsstart selber festlegen.